{"id":1086,"date":"2024-11-27T19:48:43","date_gmt":"2024-11-27T19:48:43","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=1086"},"modified":"2024-11-27T20:10:21","modified_gmt":"2024-11-27T20:10:21","slug":"durch-feuer-und-rauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=1086","title":{"rendered":"Durch Feuer und Rauch"},"content":{"rendered":"\n<p>Er lag da. Flach auf der Erde. Benommen \u00f6ffnete er langsam die Augen. Es spiegelten sich Flammen darin. Nur leise h\u00f6rte er entfernt ein Wimmern. Vorsichtig bewegte er seine Finger, seine Arme, seine Beine. Es schien noch alles dran zu sein und zu funktionieren. Er hob langsam seinen Kopf. Er dr\u00f6hnte vor Schmerzen. Dennoch stand er, alle seine Kr\u00e4fte zusammennehmend, auf. Er blickte zum Wald, aus dem sie gekommen waren. Es war keiner mehr zu sehen. Es wurde langsam dunkel. Er blickte sich um. Um ihn herum lagen verstreut Leichen. Direkt vor ihm lag ein Arm. Nur z\u00f6gerlich suchte er mit seinen Blicken nach dem Besitzer des Armes. Er w\u00fcrgte. Aus einer weiten Wunde am Torso des Toten der zu dem Arm geh\u00f6rte klaftern Ged\u00e4rme. \u201eBei Safnir!\u201c dachte er, die W\u00f6lfe hatten sie abgeschlachtet wie Schweine. Er ging zu dem Toten und schloss seine Augen. Er h\u00f6rte erneut das Wimmern. Es war ein Junger Thorwaler, der eine Tiefe Schnittwunde am Hals aufwies. Er hatte ihn nicht gut gekannt. Aber das Wimmern ber\u00fchrte ihn trotzdem. Er lie\u00df seinen Blick kurz \u00fcber das Schlachtfeld schweifen, doch er konnte weit und breit keine Klinge sehen, mit der er dem Jungen bei seinem Leiden h\u00e4tte helfen k\u00f6nnen. Er blickte sich noch einmal um, dann wand er sich ab und ging in die Richtung der Langh\u00e4user.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie brannten lichterloh. Die Flammen z\u00fcngelten um die D\u00e4cher wie Schlangenzungen und hei\u00dfer Drachenatem. Im Hintergrund war ein fast sp\u00f6ttisch sch\u00f6ner Sonnenuntergang zu sehen. Die Balken der H\u00e4user knarzten und ein Funkenregen rieselte um sie herum zu Boden. Es war nichts zu machen. Es war einfach nichts zu machen. Weit vor den H\u00e4usern stand ein Karren, den die W\u00f6lfe wohl nur hiergelassen hatten weil eines der R\u00e4der gerade geflickt worden war und er deshalb nicht fahrbereit war. Er legte sich unter den Karren und versuchte zu schlafen. Er tr\u00e4umte wirres Zeug, von schweren St\u00fcrmen und schreienden Menschen, von dunkler Nacht und hellen Feuern. Es zischte Laut und eine riesige schwarze Schlange schnappte nach ihm. Er sah ihre riesigen Fangz\u00e4hne vor sich. Er schreckte zusammen und wachte auf. Es regnete in Str\u00f6men und die Sonne lugte nur zaghaft hinter den Bergen hervor. Er kroch unter dem Wagen hervor. Es war gut, dass es regnete. Es k\u00fchlte und half gegen die immer noch pochenden Schmerzen in seinem Kopf. Auch die Langh\u00e4user waren abgek\u00fchlt und qualmten nur noch wenig. Sie sahen jetzt aus wie Gerippe von gro\u00dfen Seeungeheuern.<\/p>\n\n\n\n<p>Er machte sich daran die H\u00e4user zu durchsuchen. Fast alles war verbrannt, und die W\u00f6lfe waren sehr gr\u00fcndlich darin gewesen alles das Wert hatte mitzunehmen. Er fand nur noch einen kleine Schneidzahn den jemand aus Ermangelung an besseren K\u00fcchenutensilien zum ausnehmen eines Fisches verwendet hatte und der deshalb vor den H\u00e4usern an einem Baustumpf lehnte. In einer Ecke fand er noch ein St\u00fcck verkohltes Brot, das er sich hungrig zwischen die Z\u00e4hne steckte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er setzte sich vor die H\u00e4user. Es war weit und breit keiner zu sehen. Es schienen alle geflohen zu sein. Was nun? Er war erst vor einem Winter hierhergekommen, nachdem er mit seiner Ottajasko in einen starken Sturm geraten waren und das Schiff in den Wellen zerbrochen war. Es war als h\u00e4tten sie Hrannga wahrhaftig vor sich gesehen. Von der Mannschaft hatten es nur wenige lebend an Land geschafft. Auch seine Mutter hatte er zuletzt gesehen als sie \u00fcber Bord gesp\u00fclt worden war. Sein Vater war schon vor langem bei einem Strandh\u00f6gg gestorben. Doch Swafnir war immer auf seiner Seite gewesen und hatten ihn besch\u00fctzt. Auch dieses Mal w\u00fcrde es so sein, beschloss er. Er faste an den Anh\u00e4nger Swafnirs an seinem Hals. Er sp\u00fcrte Zuversicht. Das war seine Bestimmung. Er w\u00fcrde wieder auf Herferd gehen. Die Runjas sponnen die F\u00e4den und er sp\u00fcrte, wie auch sein Schicksal schon bestimmt war. Er w\u00fcrde zu den W\u00f6lfen gehen. Keiner k\u00e4mpfte wie sie und keiner war so wagemutig. Au\u00dferdem hatten sie wohl gute Freunde und ein gutes Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Gedanken stimmten ihn so gl\u00fccklich, dass er f\u00fcr einen Moment fast das Leid um ihn herum vergas. Doch es gab noch etwas das er tun musste, bevor er sich zum Berg der W\u00f6lfe aufmachen w\u00fcrde. Er nahm den Schneidzahn und ging zu dem Jungen, der inzwischen nur noch leise atmete. Er schwang den Schneidzahn und schnitt ihm gekonnt die Lufr\u00f6hre entzwei, so dass er nur noch wenige male zuckte und sich dann auf den Weg zu Swafnir machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er machte sich auf den Weg und folgte dem Merek. Er versuchte sich einen Fisch zu fangen, doch das Geschick daf\u00fcr war ihm nicht gegeben. Er war Fischer gewesen bevor er mit seinem Vater auf die erste Herferd gegangen war. Doch begabt war er nie gewesen. Die Sonne prallte glei\u00dfend vom Himmel und er lief im Schatten der B\u00e4ume am Ufer um sich vor ihr zu sch\u00fctzen. So wanderte er einen Tag und schlief im Wald auf Moss. Am n\u00e4chsten Tag lief er weiter. Er fragte sich schon wie er genau wissen sollte wie er wohl zu den W\u00f6lfen gelangen sollte, als er einen Trampelpfad im Wald entdeckte der den Berg hinauf f\u00fchrte. Er griff an seinen Anh\u00e4nger, Swafnir war bei ihm, er sp\u00fcrte es.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Wald war es angenehm feucht und k\u00fchlt. Nach einer Weile roch er Rauch und es wehte ihm auch der Duft von Hangikj\u00f6t in die Nase. Er sah ein Haus im Wald stehen. Er schritt an das Haus heran. Nicht nur aus dem Dach kam Rauch, er war so dicht, dass er auch unter der T\u00fcr hervorquoll. Er klopfte an die T\u00fcr und \u00f6ffnete sie langsam. Der bei\u00dfende Rauch stieg ihm in die Augen und brannte so stark das er sie schlie\u00dfen musste. Als er sie blinzelnd langsam wieder \u00f6ffnete, blickten ihn zwei leuchtende stahlgr\u00fcne Augen aus dem Schatten eines Mantels an, der den Rest des Gesichts in pechschwarzem Dunkel lie\u00dfen. Zu den Augen geh\u00f6rte eine mindestens zwei Schritt gro\u00dfe hagere Gestalt. Sie sagte nichts und blickte ihn nur durchdringlich und mit einer sp\u00fcrbaren Ruhe an. Er meinte die Gestalt vom Schlachtfeld bei der Sippe vom Thoralf wiederzuerkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun da sich seine Augen langsam an die Dunkelheit im Haus und an den Rauch gew\u00f6hnt hatten sah er aus den Augenwinkeln zwei weitere Gestalten an einem Feuer sitzen, einen Jungen b\u00e4rtigen und einen sehr alten Mann. Die W\u00e4nde des Hauses waren mit Runen verziert. Er griff unwillk\u00fcrlich an das Metal am Schneidzahn den er an seinen G\u00fcrtel geh\u00e4ngt hatte. \u201eSwafnir, wo hast du mich denn hier hergeleitet?\u201c, fragte er im Stillen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSetz dich\u201c, sagte nun der Alte. Der Schattenmensch glitt zum Feuer ohne ihn aus den Augen zu lassen. Auch er ging langsam zum Feuer und setzte sich. \u201eWas f\u00fchrt dich zu uns?\u201c frage der Alte. \u201eSwafnir\u201c erwiederte er. \u201eUnd was meinst du hat Swafnir hier mit dir vor?\u201c, insistierte der Alte. \u201eDas wissen nur die Runjas, denke ich\u201c, antwortete er. Sie schwiegen eine Weile und er starte ins Feuer um den stahlgr\u00fcnen Blicken der Schattengestallt auszuweichen. Doch um die W\u00f6lfe zu finden war es vielleicht ratsam bei diesen Fremden in Erfahrung zu bringen, wo er sie finden konnte. \u201eIch bin vor einem Winter nach Muryt gekommen nachdem Hraanga unser Dachenboot in die Tiefe gezogen hat\u201c. Er erblickte, wie bei dem Ausspruch dieses Namens selbst die Schattengestallt an das Metall eines Amuletts um seinen Hals faste. \u201eSwafnir hat es gut mit mir gemeint und mich zu einer Sippe gef\u00fchrt die in der N\u00e4he von Muryt lebt und der es gut geht\u201c. Er sah, wie den Fremden ein Hauch von Feindseligkeit \u00fcber die Gesichter huschte. \u201eThroalf ihr Hetmann hat eine paar Karren mit Saatgut und Eisen abgefangen, die f\u00fcr die W\u00f6lfe bestimmt waren. Sie haben sich ger\u00e4cht und die Sippe ausgel\u00f6scht und die H\u00e4user niedergebrannt.\u201c Hoffentlich hatte er jetzt nicht zu viel erz\u00e4hlt. \u201eUnd du? \u201c fragte der B\u00e4rtige neben dem Alten durchbohrend. \u201eIch bin nach der Schlacht auf dem Feld wieder aufgewacht. Swafnir sei dank bin ich ganz. Aber die Sippe gibt es nicht mehr und der Winter ist schon bald da und wird hart werden. Ich habe den Ruf von Swafnir geh\u00f6rt. Es ist jetzt meine Bestimmung mich einer neuen Ottajasko anzuschlie\u00dfen und wieder auf Herferd zu gehen. Deshalb werde ich die W\u00f6lfe aufsuchen und darum bitten mich ihnen anschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSwafnir hat seinen Gr\u00fcnde und die Runjas haben auch dein Schicksal gesponnen\u201c, sagte der Alte zu ihm, dann wandte er sich zu der Schattengestallt und sagte \u201eBeorn, lass uns sehen was die Runjas uns zu sagen haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Weile sp\u00e4ter befanden sie sich auf dem Weg zu den W\u00f6lfen. Er, der sich auch Bjeri nannte, Beorn, Ragi und Ingibj\u00f6rg. Swafnir hatten ihn zum Gl\u00fcck nicht irregef\u00fchrt und auch die drei Goden hatten gesehen das es Bjeris Bestimmung war zu den W\u00f6lfen zu gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den W\u00f6lfen zu scherzen kann einen teuer zu stehen kommen. Doch es kann auch etwas gutes nach sich ziehen.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":664,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-1086","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kurzgeschichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1086","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1086"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1086\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1097,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1086\/revisions\/1097"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/664"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1086"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1086"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1086"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}