{"id":502,"date":"2020-01-12T21:19:29","date_gmt":"2020-01-12T21:19:29","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=502"},"modified":"2020-03-11T14:32:44","modified_gmt":"2020-03-11T14:32:44","slug":"1-die-geschichte-der-ottajasko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=502","title":{"rendered":"Unser ist das Meer &#8211; Kapitel 1"},"content":{"rendered":"\n<p>Schon beim letzten Mal war ihm der Aufstieg anstrengend vorgekommen, doch diesmal war es sogar noch schwieriger. Als Faenwulf das Plateau erreichte, ging sein Atem schnell und kleine Schwei\u00dftropfen gl\u00e4nzten auf seiner Stirn, doch er war froh diesen Ort zu besuchen. Einen Ort den er nur mit guten Erinnerungen verband. Warme Abende am Feuer, heldenhafte Geschichten, k\u00f6stliche Eint\u00f6pfe und hei\u00dfer Met. Sein Ziel war ein Berg in einer Biegung des Merek, im Norden Thorwals. Ein Ort im Nirgendwo, an dem es im Sommer unangenehm warm und feucht und im Winter so kalt war, dass die Tiere im Wald erfroren und der Merek komplett mit einer dicken Eisschicht bedeckt war. Dieser Berg aus Kalkstein, war das Zuhause seines Freundes und Faenwulf nahm diesen Weg nur gerne auf sich. Nichts hatte sich in all den Jahren ver\u00e4ndert und jetzt im Fr\u00fchling war es hier fast idyllisch sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Faenwulf n\u00e4her an das Grassodenhaus herantrat, \u00f6ffnete sich die T\u00fcr und ein alter Mann schritt heraus. Auf einen Stock gest\u00fctzt, blinzelte er mit zusammengekniffenen Augen in die Sonne. Er ging geb\u00fcckt, so dass sein langer Bart, der mit Perlen und Talismanen geschm\u00fcckt war, fast bis zum Boden reichte. Sein Kopf war kahl und seine Glatze mit verschlungenen Runen verziert. An seinem Ohr baumelte ein Ohrring mit dem Fangzahn eines Wolfs.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst musterte er den j\u00fcngeren Mann skeptisch, dann erstrahlte sein Gesicht zu einem breiten Grinsen, das etliche Zahnl\u00fccken sehen lie\u00df. \u201eFaenwulf\u201c, rief der Alte aus. \u201eWie lange ist es her, seit du mich das letzte Mal besucht hast? F\u00fcnf Jahre? Zehn?\u201c Auch Faenwulf grinste jetzt breit und lief auf seinen alten Freund zu. \u201eEher f\u00fcnfzehn\u201c, sagte er lachend und schloss den alten Mann in die Arme. Die Umarmung des Alten war \u00fcberraschend kr\u00e4ftig und kurz wich Faenwulf s\u00e4mtliche Luft aus seinen Lungen. Er untersch\u00e4tzte seinen alten Freund immer wieder, sah man ihm doch die Zeit an, die er auf Dere verbracht hatte. Doch w\u00e4re Ingibj\u00f6rg ein schwacher alter Mann, h\u00e4tte er hier nicht so lange \u00fcberlebt. Die Winter wurden kalt, die Raubtiere waren zahlreich und nur selten verirrte sich ein H\u00e4ndler hierher. Ingibj\u00f6rg wusste jedoch wie er f\u00fcr sich sorgen konnte und tat dies bereits seit vielen Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf blickte auf, als eine Frau aus dem Haus trat. Auch sie erkannte er sofort. \u201eKarva\u201c, rief er fr\u00f6hlich aus. \u201eDu bist immer noch hier.\u201c Ein Kommentar, den er sich nicht verkneifen konnte. Die Frau blickte ihn w\u00fcrdevoll an. Ihr rotbraunes Haar war mit wei\u00dfen Str\u00e4hnen durchzogen und hing in einem dicken, mit Perlen geschm\u00fcckten, Zopf fast bis in ihre Kniekehlen. \u201eIch werde immer hier sein\u201c, sagte sie wohlwollend und schloss Faenwulf nun auch in ihre Arme. Sie war die Letzte hier am Berg. Alle anderen waren ausgezogen, um nach Abenteuer, Gold und Liebe zu suchen. Von den vielen Kindern Ingibj\u00f6rgs des Alten war nur noch Karva geblieben. Sie lebten hier zu zweit mit ein paar H\u00fchnern und Ziegen. Es war ein sch\u00f6ner, jedoch auch ein rauer Ort, mit einem Wald, in dem es vor W\u00f6lfen nur so wimmelte und auch Schwarzpelze waren hier, durch die N\u00e4he zur gro\u00dfen Olochtai, keine Seltenheit. Schon h\u00e4ufig hatte Faenwulf den Alten gefragt, wieso er gerade hier seine H\u00fctte erbaut hatte und immer hatte Ingibj\u00f6rg geantwortet: Weil es mir hier gef\u00e4llt. Diese Antwort war so gut wie jede Antwort, fand Faenwulf, und hatte irgendwann aufgeh\u00f6rt zu fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ingibj\u00f6rg schritt zum Brunnen neben dem Haus und hievte den Eimer nach oben. Darin schwamm eine gro\u00dfe Tonflasche, die der Alte heraushob. \u201eSo bleibt er sch\u00f6n kalt\u201c, sagte er wissend, zog den Korken und nahm einen tiefen Schluck. Gen\u00fcsslich leckte er sich die Lippen und reichte die Flasche an Faenwulf weiter, der sofort wusste was ihm angeboten wurde. Dieser k\u00f6stliche Kr\u00e4uterschnaps war die Spezialit\u00e4t des Alten und w\u00e4re durchaus eine Kaperfahrt wert gewesen. Faenwulf nahm zwei gro\u00dfe Schlucke, wobei die Perlen in seinem rot-blonden Bart am kalten Ton der Flasche klickten. \u201eWie sehr habe ich das vermisst\u201c, schmatzte er und nahm direkt noch einen Schluck, bevor er die Flasche an Karva weiter reichte, die den Rest in zwei gro\u00dfen Z\u00fcgen leerte. Noch lange w\u00fcrden sie die Kr\u00e4uter und den Honig auf ihren Lippen schmecken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSehr gut, sehr gut\u201c, lachte Ingibj\u00f6rg und nahm seiner Tochter die leere Flasche ab. \u201eIch werde wohl bald neue Kr\u00e4uter sammeln m\u00fcssen. Vor dem Winter m\u00fcssen noch einige Schank fertig werden. Doch lasst uns jetzt rein gehen. Ich habe gerade ein fettes Kaninchen \u00fcber dem Feuer und es soll nicht verbrennen. Erz\u00e4hl uns von deinen Reisen, Faenwulf.\u201c Mit diesen Worten verschwand der Alte im Haus, stets auf seinen mit Runen verzierten Stock gest\u00fctzt. Faenwulf und Karva folgten ihm ins Innere des Hauses. Es war schummerig und Faenwulf konnte die seltsamen Kr\u00e4uter riechen, die sein alter Freund sammelte. An den W\u00e4nden prangten verschiedene Runen, einige auch nicht-thorwalschen Ursprungs und zahllose Talismane hingen von der Decke oder an den W\u00e4nden. Kurz schaute Faenwulf her\u00fcber zu Ingibj\u00f6rgs Schlafplatz, doch er wandte den Blick schnell wieder ab. B\u00fccher standen dort und noch mehr Runen waren in das Holz geritzt, einige, die Faenwulf schnell wieder vergessen wollte. Er bekam eine G\u00e4nsehaut, f\u00fcrchtete er sich doch wie der Rest seines Volkes vor allem was irgendwie magisch war. Er konzentrierte sich auf die Mitte des Raumes in dem ein gem\u00fctliches Feuer brannte \u00fcber dem ein Kaninchen schmorte, das Ingibj\u00f6rg nun gewissenhaft drehte. \u201eHab keine Angst, Faenwulf\u201c, kicherte der Alte, als h\u00e4tte er die Gedanken seines jungen Freundes gelesen und wirklich fiel die Anspannung von Faenwulf ab, als er das v\u00e4terliche L\u00e4cheln des Alten sah. Er trat ans Feuer, setzte sich auf ein gem\u00fctliches Schaffell und streifte seine hohen Stulpenstiefel ab. Seine F\u00fc\u00dfe schmerzten vom langen Marsch zum Berg. Das Kaninchen duftete k\u00f6stlich und Faenwulf merkte wie ihm langsam das Wasser im Mund zusammen lief. Karva kam herein mit einem Laib Brot und einem Horn Met. L\u00e4chelnd nahm sie neben Faenwulf Platz und reichte ihm das Horn. Und schon war jeglicher Zweifel verschwunden. Er f\u00fchlte sich wieder wie Zuhause und alte Erinnerungen an diesen Ort w\u00e4rmten sein Herz. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=529\">Kapitel 2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon beim letzten Mal war ihm der Aufstieg anstrengend vorgekommen, doch diesmal war es sogar noch schwieriger. 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