{"id":545,"date":"2020-03-11T14:36:38","date_gmt":"2020-03-11T14:36:38","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=545"},"modified":"2020-03-11T14:39:09","modified_gmt":"2020-03-11T14:39:09","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=545","title":{"rendered":"Unser ist das Meer &#8211; Kapitel 3"},"content":{"rendered":"\n<p>Alle drei\nwaren sehr schweigsam und bereiteten sich innerlich auf den Abschied vor. Vor\nallem Karva schien diese Reise sehr ernst zu nehmen, war dies doch ihre letzte\nGelegenheit sich vor Swafnir zu beweisen. Ingibj\u00f6rg hatte einen k\u00f6stlichen Tee\naus frischen Kr\u00e4utern zubereitet, den sie gemeinsam tranken. Der Alte hatte\nihnen auch ein S\u00e4ckchen voll getrockneter Kr\u00e4uter f\u00fcr die Reise eingepackt,\nzusammen mit einigen Verb\u00e4nden und einer Salbe, die Wunden schneller heilen\nlie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann war es\nso weit. Karva erhob sich und Faenwulf tat es ihr gleich. Beide schulterten\nihre ledernen Sees\u00e4cke, schn\u00fcrten sich ihre Schilde auf den R\u00fccken und\nschnallten ihre \u00c4xte an den G\u00fcrtel. Karva blickte ihren alten Vater an und\nschenkte ihm ein warmes L\u00e4cheln, das er erwiderte. Beide umarmten sich\nherzlich. \u201eWir sehen uns im Heimamond\u201c, murmelte der Alte ins Haar seiner\nTochter und erg\u00e4nzte noch etwas, das Faenwulf nicht verstand, dann umarmte er\nden j\u00fcngeren. \u201eUnd jetzt raus mit euch. Ich erwarte G\u00e4ste.\u201c Ohne zu fragen\nmarschierten die beiden los und schauten sich an wie aufgeregte B\u00f6rn.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie er es\nnach einem Abschied immer tat, warf Faenwulf einen letzten Blick zur\u00fcck.\nIngibj\u00f6rg stand vor dem Brunnen, nahm einen Schluck Wasser und hielt seinen\nBlick Richtung Wald gerichtet, aus dem jetzt zwei Gestalten traten. Geh\u00fcllt in\nweite M\u00e4ntel, die Gesichter von Kapuzen verdeckt, st\u00fctzten sich beide auf\nWanderst\u00e4be, doch der Gr\u00f6\u00dfe und Statur nach, waren es ebenfalls Thorwaler.\n\u201eFrag gar nicht erst wer das ist\u201c, warnte Karva und Faenwulf schluckte die\nFrage herunter, die er gerade \u00e4u\u00dfern wollte. \u201eEs gibt viele Dinge, die du \u00fcber\nmeinen Vater nicht wissen willst.\u201c Faenwulf nickte nur und schritt wortlos\nweiter. Der Alte war ihm heute morgen ruhelos vorgekommen und fast erleichtert,\ndass Karva und Faenwulf den Berg verlie\u00dfen. Vielleicht plante er etwas gro\u00dfes,\netwas unheimliches und bei beiden Besucher Ingibj\u00f6rgs schienen Faenwulfs\nVerdacht nur zu best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Tag war\ngenauso sch\u00f6n wie der letzte, was den Weg erleichterte. Sie liefen im Schatten\nder B\u00e4ume einen absch\u00fcssigen Trampelpfad entlang. Karva gab den Weg vor und\nFaenwulf folgte ihr. Beide hatten ihre Hand stets in der N\u00e4he ihrer Axt, doch\nsie waren entspannt und aufgeregt. Es herrschte eine angenehme Stille und so\nhatten sie Gelegenheit die Sch\u00f6nheit der Gegend zu betrachten. Hier wuchsen\nviele Kr\u00e4uter und Blumen, vier Schritt hohe Brombeerhecken und riesige\nSteineichen, die so alt zu sein schienen wie die Zeit. \u00dcberall schwirrten\nBienen und Hummeln herum und der Fr\u00fchling lag in der Luft. Zu so einer Zeit\ntraf man hier selten auf Orks und auch die W\u00f6lfe hielten sich zur\u00fcck, da es\ngenug Rehe und Kaninchen gab, die sie jagen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr erstes\nZiel w\u00fcrde Waskir sein. Das bedeutete zwar einen kleinen Umweg zu ihrem Ziel\nOlport, doch Faenwulf kannte dort einige tapfere Rekker, die er auf seiner\nFahrt nicht missen wollte. Wenn sie in dem selben Tempo weiter gingen wie\nbisher, konnten sie die Stadt heute Abend noch erreichen. Faenwulf hoffte\ndarauf einige junge M\u00e4nner und Frauen dazu bewegen zu k\u00f6nnen, sich ihm\nanzuschlie\u00dfen. Allerdings zweifelte er nicht daran jemanden zu finden. Junge\nThorwaler lechzten nach Abenteuer und Herausforderungen. Es war eher zu\nbef\u00fcrchten, dass zu viele mit wollten. Wo genau er hin wollte wusste er noch\nnicht. Vielleicht w\u00fcrden die Winde ihm den Weg weisen. Auf seiner letzten\nHerferd waren sie vier Tage lang einer Schule von Delfinen gefolgt, die sie\nschlie\u00dflich zu drei al&#8217;anfanischen Handelsschiffen gef\u00fchrt hatte, deren\nLader\u00e4ume bis zur Decke mit feinster Seide gef\u00fcllt waren. Das war ein\ngrandioser Tag gewesen. Die gesamte folgende Woche hatten sie in Tavernen\nverbracht und immer noch genug Dukaten \u00fcbrig gehabt, um den Winter zu\n\u00fcberstehen. Vielleicht w\u00fcrde Swafnir ihm ja wieder den Weg weisen. Diesmal zu\ngr\u00f6\u00dferen Abenteuern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alte hatte ihm Ruhm prophezeit, doch wie das meiste was Seher und Gelehrte von sich gaben, war es undurchsichtig und nicht sehr verst\u00e4ndlich. Seine Tochter schien jedoch sehr gut zu wissen, was im Kopf des Alten vor sich ging und schien keine Furcht davor zu empfinden. Beim Betrachten der \u00e4lteren Frau fiel Faenwulf auf, dass sie leicht hinkte, sie schien jedoch nicht ersch\u00f6pft zu sein. \u201eStimmt etwas nicht?\u201c, fragte er und schloss zu ihr auf. \u201eDu hinkst.\u201c \u00dcberrascht schaute sie ihn an. \u201eDas tue ich aber bereits seit zehn Wintern\u201c, antwortete sie ruppig. \u201eDas ist auf meiner letzten Herferd passiert.\u201c Sie hielt kurz inne, um einen Schluck aus ihrem Wasserschlauch zu nehmen und lief dann weiter. \u201eWir hatten unser Lager am Strand aufgeschlagen, einen Eintopf gekocht und sind sehr sp\u00e4t schlafen gegangen. Unser Steuermann ist w\u00e4hrend seiner Wache eingeschlafen und wir wurden im Morgengrauen von einem Seetiger angegriffen. Er hat einen Seiler, der mit uns reiste, so schwer verletzt, dass er noch am Strand starb. Als das Mistst\u00fcck auf mich los gegangen ist, habe ich ihm hiermit die Kehle durchgeschnitten.\u201c Karva zog ein langes Olportmesser aus ihrem Stiefel und hielt es hoch. \u201eVorher hat mir das Vieh aber fast das halbe Bein abgerissen. Ich musste die Herferd abbrechen und bin zu meinem Vater zur\u00fcckgekehrt. Es hat lange gedauert, bis ich wieder normal gehen konnte. Fast zehn Winter.\u201c Sie blickte nachdenklich in die Ferne und Verbitterung zeigte sich auf ihrem Gesicht. Faenwulf verstand jetzt wieso seine Freundin so lange gewartet hatte, bis sie wieder auf Fahrt gegangen war. Ein schwacher oder kranker Thorwaler war auf Fahrt f\u00fcr niemanden n\u00fctzlich, doch Faenwulf konnten ihren Wunsch verstehen auch nach so vielen Wintern wieder auf Herferd zu gehen. Schon jetzt konnte er die Sehnsucht nach dem Meer sp\u00fcren, nach dem Salz auf seiner Haut und dem Wind in seinem Haar. Es lag Thorwalern einfach im Blut \u00fcber die Meere zu fahren, gab es doch keinen besseren Weg, um sich wild und frei zu f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=529\">Kapitel 2<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=549\">Kapitel 4<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle drei waren sehr schweigsam und bereiteten sich innerlich auf den Abschied vor. 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