{"id":552,"date":"2020-03-11T14:41:04","date_gmt":"2020-03-11T14:41:04","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=552"},"modified":"2020-03-11T14:43:58","modified_gmt":"2020-03-11T14:43:58","slug":"nser-ist-das-meer-kapitel-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=552","title":{"rendered":"Unser ist das Meer &#8211; Kapitel 5"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie waren\nda. Waskir. Umgeben von einem hohen Erdwall und nur durch zwei Tore zu\nbetreten, lag die Stadt vor ihnen. Faenwulf freute sich \u00fcber seinen Besuch in\nder Stadt, auch wenn er wusste, dass sich das bald wieder \u00e4ndern w\u00fcrde. Waskir\ngeh\u00f6rte zu den St\u00e4dten in denen man entweder sein ganzes Leben verbrachte oder\nman verlie\u00df es irgendwann. Niemand w\u00fcrde freiwillig hierher ziehen. Als\nAu\u00dfenstehender wurde man nicht sehr freundlich empfangen und h\u00e4tte er hier\nkeine Freunde gehabt, so h\u00e4tte Faenwulf diese Stadt nach seinem ersten Besuch\nsicher nicht noch einmal betreten. Zu sehr war die Gemeinschaft von der\nFeindschaft der hier leben Ottajaskos zerrissen. Eine uralte Rivalit\u00e4t, die\nnicht einmal die Geweihten l\u00f6sen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande der\nStadt wohnten die \u00c4rmsten. Die Lehmh\u00fctten sahen sch\u00e4big aus und ihre Bewohner\nschufteten schon seit Sonnenaufgang als M\u00e4gde und Knechte. Die einzige Zierde\ndieser Stadt waren die zahlreichen Tempel. Die Waskirer waren, selbst f\u00fcr\nThorwaler, ein abergl\u00e4ubiges Volk und beteten etliche seltsamen Geister an.\nAber auch andere G\u00f6tter als Swafnir fanden hier Verehrung. Nie hatte ein\nthorwalscher S\u00f6ldner es verpasst Kor ein Opfer darzubringen und auch die\nzornige Rondra hatte hier einen Tempel. Faenwulf hatte es immer als schwer\nempfunden anderen G\u00f6ttern zu huldigen. Nat\u00fcrlich war es gut auch andere G\u00f6tter\nzu beachten, doch niemand stand seinen Kindern so nah wie Swafnir. Kein Gott\nlie\u00df seine Kinder so h\u00e4ufig und nah sp\u00fcren, dass er bei ihnen war. Er war ein\nFreund, der auf sie achtete und sie besch\u00fctzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr erstes\nZiel war die Schmiede. Ihre Waffen mussten gesch\u00e4rft und ge\u00f6lt werden. Eine\nVorbereitung auf die lange Fahrt auf See. Die Klingen durften nicht rosten und\nsie selbst w\u00fcrden ihre Waffen niemals so scharf kriegen wie ein Schmied dies\nkonnte. Es hatte sich nicht viel ver\u00e4ndert in der Stadt. B\u00f6rn ohne Schuhe\nliefen durch die Stra\u00dfen und ein jeder ging seiner T\u00e4tigkeit nach. Ein Mann\ntrieb seine Ziegen die schmale Stra\u00dfe entlang, eine Frau spaltete Holz auf\neinem Klotz und schon stieg ihnen der k\u00f6stliche Geruch nach gebratenem Fleisch\nund frischem Brot in die Nase. Doch dieser Geruch wurde bald \u00fcberlagert von dem\nder brennende Kohle und dem hei\u00dfen Metall in der Esse. Faenwulf und Karva\nbetraten die Schmiede. An den W\u00e4nden hingen zahllose H\u00e4mmer und Zangen und\nfertige Waffen lehnten in einer Ecke. Im Hinterzimmer h\u00f6rte man es rumpeln und\neine ged\u00e4mpfte Unterhaltung. Dann \u00f6ffnete sich die T\u00fcr zur Schmiede und eine\nFrau trat heraus. Sie war eine H\u00fcnin. Genauso gro\u00df wie Faenwulf mit Armen wie\nBaumst\u00e4mmen, die \u00fcber und \u00fcber mit Hautbildern bedeckt waren. Alte, verblichene\nBilder waren mit neueren \u00fcberdeckt worden und ein roter Drache dominierte ihren\nganzen Arm. Selbst ihre Finger waren mit kleine Runen und Schlangen verziert.\nUm den Hals trug sie etliche Ketten und Talismane, die nicht nur aus Thorwal zu\nstammen schienen und selbst in ihr langes wei\u00dfes Haar waren Gl\u00fccksbringer\ngeflochten. Auf ihrer Wange prangte die Schildrune und ein goldener Ring zierte\nihre Nase. Sie sah alt aus mit tiefen Falten in der hellen Haut und Faenwulf\nsch\u00e4tzte die Frau auf mindestens sechzig Winter. Doch sie sah immer noch so aus\nals k\u00f6nnte sie einem erwachsenen Mann ohne Probleme den Arm ausrei\u00dfen. Die Frau\nblickte auf, als sie die beiden Besucher bemerkte und ihr finsterer Blick hellte\nsich auf. \u201eWas treibt dich schon wieder hierher?\u201c, rief sie freudig aus. \u201eHat\nder Alte dir den Rat geben k\u00f6nnen nach dem du gesucht hast?\u201c Faenwulf zuckte\nnur mit den Schultern und grinste schief. \u201eDu kennst ihn doch, niemals um eine\nwirre Antwort verlegen.\u201c Die Alte lachte schallend und wandte sich dann Karva\nzu. \u201eMeine Name ist Freja Askrasdottir. Ich bin eine der Schmiedinnen der\nStadt.\u201c Karva stellte sich ebenfalls vor. \u201eWie kann ich euch helfen?\u201c, fragte\nFreja dann und begann mit dem Blasebalg neben der Esse Luft in die Glut zu\npumpen. Faenwulf und Karva erkl\u00e4rten ihr Anliegen und nachdem ein paar St\u00fccke\nHacksilber den Besitzer gewechselt hatten, lie\u00dfen sie ihre Waffen in der\nSchmiede, um sie am Abend wieder abzuholen. \u201eGrima\u201c, rief Freja nach hinten. \u201eEs\ngibt zu tun.\u201c Eine Frau mit wildem rotem Haar, offensichtlich die Tochter der\nAlten, betrat nun die Schmiede und l\u00e4chelte sie freundlich an. \u201eEs gibt keine\nbessere Schmiede f\u00fcr eure Waffen. Eure \u00c4xte werden durch Knochen schneiden wie\ndurch Butter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das n\u00e4chste\nZiel war der Travia-Tempel. Nirgendwo in der Stadt konnte man ein besseres\nQuartier f\u00fcr die Nacht finden und eine kleine Spende reichte, um hier mit\nh\u00f6chster Gastfreundschaft empfangen zu werden. Eine \u00e4ltere Thorwalerin in einem\norangefarbenen Kleid begr\u00fc\u00dfte sie herzlich, als sie an die Tore des Tempels\ntraten. Zufriedene wei\u00dfe G\u00e4nse marschierten herum und irgendwie schien dieser\nOrt nicht so d\u00fcster und kalt zu sein wie der Rest der Stadt. Sie wurden herein\ngebeten und Faenwulf lie\u00df zur\u00fcckhaltend ein St\u00fcck Hacksilber in eine\nOpferschale fallen. Karva tat es ihm gleich. Die Regeln an diesem Ort waren\nklar. Sie w\u00fcrden ein gem\u00fctliches Bett bekommen, doch jegliche Art von Gewalt\nund auch Alkohol waren hier strengstens verboten. Dies war ein friedlicher Ort,\nder Schutz und Unterkunft bot und niemand durfte dies st\u00f6ren. Nachdem die\nbeiden versichert hatten, dass sie morgen wieder abreisen und sich ganz sicher\nbenehmen w\u00fcrden, wurden sie in einen gro\u00dfen Saal gef\u00fchrt in dem etliche\nStrohbetten auf Reisende warteten. Faenwulf und Karva suchten sich zwei der\nLager aus und verstauten ihr Hab und Gut daneben. Niemand w\u00fcrde es wagen im\nTempel der Travia zu stehlen, denn die G\u00f6ttin war nicht nur f\u00fcr ihre G\u00fcte und\nfast grenzenlose Gastfreundschaft geliebt, auch ihr Zorn war bekannt und\ngef\u00fcrchtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer\nkurzen Pause verlie\u00dfen sie den Tempel wieder. Karva schien in Gedanken\nversunken und nicht gerade gut gelaunt, daher lie\u00df Faenwulf sie einfach in\nRuhe. Dies hier war nun mal Teil ihrer Reise und sobald sie Olport erreicht\nhatten, w\u00fcrde sich ihre Stimmung sicher bessern. Faenwulfs Plan war, nun den\nSch\u00e4fer aufzusuchen. Er brauchte dringend noch eine weitere Wolldecke. Danach\nw\u00fcrden sie einen alten Freund Faenwulfs besuchen und dann in der Taverne nach\nabenteuerlustigen M\u00e4nnern und Frauen suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem\nMarktplatz herrschte ein reges Treiben und Faenwulf war froh, dass er das\nmeiste seines Geldes im Tempel gelassen hatte. Hier liefen Gestalten herum, die\neinem die Beutel schon fast mit den Augen aufschnitten. Ein H\u00e4ndler verkauft\nTalismane und Ketten, die sofort Faenwulfs Aufmerksamkeit erregten. Fein\ngeschnitzte Walflossen, Delfine und Drachen, manche verziert manche schlicht,\ndie man an Ketten tragen oder als Gl\u00fccksbringer in der Tasche mit sich f\u00fchren\nkonnte. F\u00fcr die Fahrt w\u00fcrde ein neuer Talisman nicht schaden und ein goldener\nDelfin erregte seine Aufmerksamkeit. Er begann gerade mit dem H\u00e4ndler zu\nfeilschen als sich eine schwere Hand auf seine Schulter legte. \u201eFaenwulf\u201c,\ndonnerte eine Stimme hinter ihm. \u201eDa soll mich doch der Seetiger fressen, was\nmachst du denn hier?\u201c Faenwulf drehte sich um und blickte auf einen Thorwaler,\nder ihn um gut einen halben Schritt \u00fcberragte und Faenwulf selbst war nicht\ngerade klein. Sein gegen\u00fcber hatte einen langen, feuerroten Bart und eine mit\nHautbildern bedeckte Glatze, die Schutzrunen und Delfine darstellten. Ihm\nfehlten einige Z\u00e4hne und noch nie hatte Faenwulf jemanden getroffen, dessen\nH\u00e4nde so vernarbt waren, wie die des Mannes. \u201eBlotgrimm\u201c, rief er aus und\ndr\u00fcckte den H\u00fcnen an sich. Die beiden waren zusammen aufgewachsen und gute\nFreunde geworden, obwohl Blotgrimm einige Winter j\u00fcnger war. Sie hatten schon\nh\u00e4ufig gemeinsam gek\u00e4mpft und getrunken, was sie zu engen Vertrauten gemacht\nhatte. \u201eNach dir habe ich gesucht\u201c, sprach Faenwulf weiter. \u201eIch plane eine\nHerferd und ich brauche noch tapfere Rekker, die das Meer ruft.\u201c Das Gesicht\ndes H\u00fcnen erhellte sich noch mehr. \u201eIch dachte schon du w\u00fcrdest nie mehr\nfragen. Du wei\u00dft, mit dir w\u00fcrde ich bis nach Maraskan segeln und noch weiter.\u201c\nEr gr\u00fcbelte kurz. \u201eIch denke ich kann noch ein paar auftreiben, denen dieses\ndreckige Kaff hier zum Hals raus h\u00e4ngt. Wir treffen uns in einer Jurgaliedl\u00e4nge\nin der Taverne.\u201c Mit diesen Worten verschwand sein alter Freund und der Boden\nschien unter seinen Schritten zu beben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas\nfunktioniert ja gut\u201c, sagte Karva schmunzelnd. Blotgrimm hatte sich ihr nicht\neinmal vorgestellt, sie wahrscheinlich in seiner Aufregung nicht mal bemerkt.\n\u201eEr scheint uns einiges an Arbeit abzunehmen. Dann haben wir mehr Zeit f\u00fcr die\nTaverne. Ich habe seit gut zehn Wintern keinen guten Waskirer mehr getrunken.\u201c\nIhr Grinsen wurde breiter bei dem Gedanken an den starken thorwalschen Schnaps.\nAuch Faenwulf war zufrieden. Blotgrimm war zuverl\u00e4ssig und er w\u00fcrde keine\nTagel\u00f6hner anheuern, sondern ehrliche Krieger suchen, auf die man sich im Kampf\nund auf der Otta verlassen konnte. Blotgrimm wusste worauf es ankam.<\/p>\n\n\n\n<p>Beiden knurrte der Magen und so kehrten sie zum Tempel der Travia zur\u00fcck. Sie bekamen eine riesige Schale mit Warar, ein Eintopf der haupts\u00e4chlich aus Lauch, Fleisch und K\u00e4se bestand. Dazu warmes Brot und Kr\u00e4utertee. Sie waren nach dem Essen einfach nur satt und zufrieden und Faenwulf schickte ein Dankgebet an die gro\u00dfz\u00fcgige Travia.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=549\">Kapitel 4<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=558\">Kapitel 6<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie waren da. Waskir. Umgeben von einem hohen Erdwall und nur durch zwei Tore zu betreten, lag die Stadt vor ihnen. 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