{"id":558,"date":"2020-03-11T14:43:44","date_gmt":"2020-03-11T14:43:44","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=558"},"modified":"2020-03-11T15:02:24","modified_gmt":"2020-03-11T15:02:24","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=558","title":{"rendered":"Unser ist das Meer &#8211; Kapitel 6"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach einem\nweiteren Rundgang durch die Stadt, bei dem Faenwulf sich innerlich Notiz\nmachte, was sie morgen f\u00fcr den Weg nach Olport brauchen w\u00fcrden, machten sie\nsich auf zur Taverne. Man brauchte nur dem L\u00e4rm und sp\u00e4ter dann den Trunkenen\nzu folgen, die in den Stra\u00dfen lagen. Die Stimmung war gut und es wurde gesungen\nund gespielt. Faenwulf blickte sich nach einem leeren Tisch um und passierte\ndabei zwei Jungspunde die sich in einer wilden Schl\u00e4gerei auf dem Boden\nw\u00e4lzten. Karva schritt w\u00fcrdevoll \u00fcber die beiden hinweg und nahm auf einem\nleeren Stuhl Platz. Sie hielt zwei Finger hoch und der Veitingamader brachte\nzwei gro\u00dfe Kr\u00fcge mit Ahl. Faenwulf und Karva blickten sich tief in die Augen,\nstie\u00dfen mit den Kr\u00fcgen an und leeren sie in wenigen Z\u00fcgen. Wieder gestikulierte\nKarva dem Wirt, doch diesmal hielt sie nur den Ring- und Mittelfinger\nausgestreckt. Der Wirt brachte ihnen zwei weitere Kr\u00fcge Ahl und zwei kleinere\nBecher mit Waskirer. Wieder stie\u00dfen die beiden an, leerten die Kr\u00fcge jedoch nur\nhalb, dann nahmen sie einen gro\u00dfen Schluck Waskirer. \u201eNirgendwo gibt es so\nguten Waskirer wie hier\u201c, verk\u00fcndete Karva und leckte sich die Lippen. \u201eDas ist\naber auch der einzige Grund hierher zu kommen.\u201c Faenwulf nickte zustimmend und\nleerte dann seinen Becher. Er blickte sich nach Blotgrimm um, doch von dem\nH\u00fcnen war noch nichts zu sehen. Sicher hatte er sich wieder in ein Gespr\u00e4ch\nverstricken lassen. Blotgrimm war eine furchtbare Tratschtante und redete gerne\nmit jedem \u00fcber jeglichen Klatsch und Tratsch. Er w\u00fcrde schon noch kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf hob\ngerade eine Hand, als drei Kr\u00fcge Ahl vor ihm auf dem Tisch gestellt wurden.\nEine Thorwalerin mit langem schwarzem Haar blickte ihn an. \u201eDarf ich mich\nsetzen?\u201c, fragte sie knapp und Faenwulf deutete auf einen der freien St\u00fchle.\nDie Frau nahm Platz. \u201eDu bist Faenwulf, oder?\u201c, fragte sie und blickte Faenwulf\nmit haselnussbraunen Augen an. Faenwulf nickte und musterte die Frau. Ihre Haut\nwar gebr\u00e4unt und ihre H\u00e4nde rau, durch das Ziehen von Tauen. Sie war eine\nSeefahrerin, das sah man sofort. Ein Entermesser hing an ihrer H\u00fcfte und\nTalismane aus fernen L\u00e4ndern zierten ihren Hals. \u201eMein Name ist Firunja\nJorasdottir. Man sagt du suchst Leute f\u00fcr eine Herferd.\u201c Auch dies best\u00e4tigte\nFaenwulf mit einem Nicken. Gerade als er eine Gegenfrage stellen wollte,\nschwang die Tavernent\u00fcr mit einem Knall auf und Blotgrimm trat ein. Ihm folgten\nein Dutzend grimmig drein blickender Thorwaler, die sich alle zu ihnen an den\nTisch setzten. \u201eDas sind die Besten die ich finden konnte,\u201c verk\u00fcndete\nBlotgrimm an Faenwulf gewandt und nahm den Krug entgegen, den der Veitingamader\nihm bereits hin hielt. Faenwulf begr\u00fc\u00dfte alle mit einem Kopfnicken. Sie sahen\nzuverl\u00e4ssig aus und er vertraute seinem alten Freund was das an ging. Die\nanderen w\u00fcrden schlie\u00dflich auch mit ihm auf einen Schiff sein und da w\u00fcrde\nBlotgrimm sicher keine Teigherzen und Kindsf\u00e4uste aussuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf\nwandte sich wieder der Frau zu, die sich zu ihm gesetzt hatte. \u201eWillst du mit\nauf Fahrt?\u201c, fragte er. Vom ersten Eindruck her, w\u00e4re sie sicher eine\nBereicherung gewesen. Man konnte den Wind in ihrem Gesicht sehen und ihre\nNarben sagten, dass sie k\u00e4mpfen konnte, ohne schwer verletzt zu werden. Doch\nFirunja sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eIch bin gerade erst von einer Herferd wieder\ngekommen. Ich bleibe noch einen Mond hier bei meinem Mann. Aber mein Sohn soll\nmit dir fahren. Er muss sich endlich mal die H\u00f6rner absto\u00dfen.\u201c Faenwulf nickte.\n\u201eWie hei\u00dft dein Sohn?\u201c, fragte er nach kurzem \u00dcberlegen. \u201eKhemri Derinson\u201c,\nantwortete Firunja nicht ohne Stolz in der Stimme. Karva blickte auf. \u201eEin\nseltsamer Name f\u00fcr einen Thorwaler\u201c, bemerkte sie nicht ohne abwertenden\nUnterton. Firunja blickte sie finster an. \u201eVor vielen Wintern war ich auf einen\nSchiff angeheuert\u201c, begann sie. \u201eWir fuhren \u00fcber alle Meere und k\u00e4mpften gegen\nalles und jeden. Und immer sa\u00df derselbe Mann neben mir auf der Ruderbank. Er\nwar ein entflohener Sklave aus Mengbilla und sch\u00e4tzte daher die Freiheit. Ich\nhabe ihm von Swafnir erz\u00e4hlt und dass man Thorwal das Land der Freien nennt.\nDas hat ihm gefallen. Wir haben viel zusammen gek\u00e4mpft und h\u00e4ufig zusammen\ngetrunken. Er wurde ein Freund. Dann \u00fcberfielen wir ein Handelsschiff. Sie\nk\u00e4mpften wie die Besessenen, doch wir schafften es sie zu besiegen. Sie hatten\nGew\u00fcrze dabei. Truhen voll mit Vanille und Pfeffer und Zimt. Und als ich die\nKiste hoch halte, um sie ihm zu zeigen, da sehe ich ihn im Wasser treiben. Mit\ndem Gesicht nach unten. Er ist einfach gestorben und ich habe es noch nicht\neinmal gesehen. Sein Name war Khemri und so hei\u00dft nun mein Sohn.\u201c Firunja nahm\neinen Schluck und blinzelte ein paar Tr\u00e4nen weg. \u201eDarauf trinke ich\u201c, sagte\nKarva mit traurigem L\u00e4cheln. Firunja l\u00e4chelte zur\u00fcck und leerte ebenfalls ihren\nKrug.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWo ist dein\nSohn?\u201c, fragte Faenwulf. Bevor er sich entschied wollte er den Jungen jedoch\nkennenlernen. Firunja deutete auf die beiden Jungspunde, die immer noch\nmiteinander rauften. Blotgrimm lachte aus voller Brust, stand dann auf und\ntrennte die beiden Streith\u00e4hne von einander. \u201eEs wird nach euch gefragt\u201c,\nknurrte er und zerrte die beiden zu Faenwulfs Tisch. Der Gr\u00f6\u00dfere der beiden blickte\nschuldbewusster und auch etwas nerv\u00f6ser drein und sein Blick glitt immer wieder\nzu Firunja. Das musste also ihr Sohn sein. Er hatte dunkelbraune Locken und war\netwas kleiner als Faenwulf, hatte jedoch breite Schultern und kr\u00e4ftige Arme.\n\u201eDu bist Khemri?\u201c, fragte Faenwulf ohne zu freundlich zu klingen. Der Junge\nnickte. Er hatte h\u00f6chstens achtzehn Winter hinter sich und trug keine\nsichtbaren Hautbilder. Doch er blickte Faenwulf leicht trotzig an, jedoch nicht\nfeindselig. \u201eDu bist der, der die Herferd plant\u201c, sagte Khemri dann und wischte\nsich das Blut aus dem Gesicht, das aus seiner Nase lief. Faenwulf nickte.\n\u201eDeine Mutter hat mich gebeten dich mitzunehmen. Willst du das?\u201c Khemri warf\nseiner Mutter einen Blick zu und dann dem blonden Jungen mit dem er gerungen\nhatte. \u201eBei Swafnir, ja!\u201c Er konnte sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen und\nals Faenwulf dann zustimmend nickte, l\u00e4chelte auch Firunja erleichtert auf. \u201eEr\nwar schon immer ein miserabler Holzf\u00e4ller.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der blonde\nJunge schaute Khemri neidvoll an. Noch immer blutete seine Lippe wo ihn ein\nSchlag getroffen hatte. Sein Blick glitt durch die Taverne, her\u00fcber zu den\nTorfstechern, die unheimlich in einer Ecke herumlungerten und zu den\nBetrunkenen, die mit dem Kopf bereits auf dem Tisch lagen. \u201eIch will auch mit\u201c,\nsagte er dann bestimmt. Seine blauen Augen fokussierten Faenwulf. \u201eWie hei\u00dft\ndu?\u201c, fragte Faenwulf. Er bemitleidete ihn schon fast. Kein junger Mann w\u00fcrde\nhier bleiben wollen, wenn er Abenteuer erleben konnte. \u201eHjasgar Yngvarsson\u201c,\nantwortete er. Faenwulf musterte ihn. Breite Schultern, starke Arme, jedoch\nleicht auf den F\u00fc\u00dfen. Dieser w\u00fcrde auf den ersten Blick auch keine Last sein.\n\u201eIch werde mit deinen Eltern reden\u201c, antwortete Faenwulf und deutete den beiden\nsich zu setzen. Dann bestellte er zwei Kr\u00fcge mit Ahl f\u00fcr sie. \u201eDie beiden sind\ngute Jungs\u201c, brummte ihm Blotgrimm ins Ohr. \u201eVerl\u00e4sslich und wild.\u201c Faenwulf\nnickte. Es w\u00e4re erfrischend auch ein paar junge M\u00e4nner und Frauen dabei zu\nhaben. Man musste mehr auf sie Acht geben, doch schon h\u00e4ufig hatten sich auch\nunerfahrene Herferder als echte Bereicherung erwiesen. Sie waren oft nicht so\nstur und festgefahren in ihren Entscheidungen und im Kampf. Die Anzahl seiner\nHerferder wuchs und Faenwulf hatte ein sehr gutes Gef\u00fchl dabei.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie tranken\nund redeten noch eine lange Zeit. Dann erhob Faenwulf sich und verlie\u00df die\nTaverne. Er musste mit den Eltern von Hjasgar reden. Morgen w\u00fcrde zu knapp\nsein. Schon so war es ein knappes Unterfangen und eventuell w\u00fcrde er die Eltern\n\u00fcberzeugen m\u00fcssen. Nachdem er einige Male nach dem Weg gefragt hatte, fand er\nschlie\u00dflich das Langhaus in dem Hjasgars Familie wohnte. Nach kurzem Klopfen\n\u00f6ffnete sich die T\u00fcr und ein blonder Mann blickte ihn an. \u201eWas willst du?\u201c,\nfragte er misstrauisch. Da es schon sehr sp\u00e4t war und einige in der Familie\nwahrscheinlich bald wieder aufstehen mussten, konnte Faenwulf die Gereiztheit\ndes Mannes verstehen. \u201eBist du Yngvar?\u201c, fragte er und fuhr auf das Nicken des\nMannes fort. \u201eMein Name ist Faenwulf. Ich plane eine Herferd und dein Sohn\nw\u00fcrde gerne mitfahren. Da er noch nicht viele Winter gesehen hat, m\u00f6chte ich\nmit dir dar\u00fcber reden.\u201c Der Mann dachte kurz nach, bat Faenwulf dann jedoch\nherein. Er reichte ihm ein Horn Met und bat ihn am Feuer Platz zu nehmen.\n\u201eMeinen Sohn willst du also mitnehmen\u201c, murmelte Yngvar nachdenklich und\nblickte lange mit seinen blauen Augen ins Feuer. Dann sch\u00fcttelte er den Kopf.\n\u201eIch brauche ihn hier\u201c, knurrte er. \u201eEr muss mit anpacken. Wer sollte das sonst\ntun?\u201c Faenwulf seufzte innerlich. Das hier w\u00fcrde nicht so einfach werden, wie\nbei Khemris Mutter. Dieser Mann hatte nie das Salz im Wind geschmeckt und die\nschwankenden Planken unter seinen F\u00fc\u00dfen gesp\u00fcrt. \u201eWillst du keinen Ruhm f\u00fcr\nihn?\u201c, fragte Faenwulf. \u201eSoll er f\u00fcr immer hier bleiben und Ziegen h\u00fcten und\nKerzen ziehen?\u201c Unmut schwang in seiner Stimme mit. Er konnte Eltern nicht\nverstehen, die ihren Kindern eine Herferd verweigerten, ihnen die Gelegenheit\nnahmen sich Ruhm zu erstreiten und das Meer zu befahren. Yngvar verzog das\nGesicht. \u201eIch bin hier und seine Mutter auch, das ist alles was er braucht.\u201c\nFaenwulf sp\u00fcrte wie Zorn in seinem Blut brodelte. Mittlerweile wollte er den\nJungen aus Prinzip mitnehmen und den alten Griesgram \u00fcberzeugen, dass er im\nUnrecht war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLass ihn gehen\u201c, sagte eine Stimme hinter ihnen und Faenwulf blickte sich um. Ein Mann mit braunem langem Haar und einer entstellenden Narbe im Gesicht stand dort und musterte sie beide. \u201cIch bin Jarik, Hjasgars Onkel.\u201c Er setze sich zu den beiden und schenkte Met nach. \u201eDu hast ihn zum Fischer ausgebildet und ich habe ihn Lesen und Schreiben gelehrt und ihm gezeigt wie man einen ordentlichen Kampf bestreitet. Alles was wir ihm beigebracht haben, wird er hier nicht nutzen k\u00f6nnen. Also lass ihn gehen und ihn seine Erfahrungen sammeln.\u201c Yngvar starrte noch immer mit finsterem Blick ins Feuer und r\u00fchrte sich nicht. Faenwulf wagte nicht etwas zu sagen, schien Hjasgars Vater doch leicht reizbar und unzufrieden. \u201eAlso gut\u201c, sagte dieser schlie\u00dflich und sein Gesicht hellte sich auf. \u201eDu hast ja recht, Jarik. Allein die Vorstellung als junger Mann mein Leben in Waskir zu verbringen, l\u00e4sst mich schaudern. Soll Hjasgar das tun, was ich nie konnte. Ich werde alles f\u00fcr seine Abreise vorbereiten.\u201c Faenwulf nickte zufrieden. War es doch bei den Thorwalern so \u00fcblich, dass die jungen nach Abenteuern lechzten. Welcher Vater wollte das seinem Sohn vorenthalten?<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=552\">Kapitel 5<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=563\">Kapitel 7<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem weiteren Rundgang durch die Stadt, bei dem Faenwulf sich innerlich Notiz machte, was sie morgen f\u00fcr den Weg nach Olport brauchen w\u00fcrden, machten sie sich auf zur Taverne. &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":560,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-558","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/558","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=558"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/558\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":566,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/558\/revisions\/566"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/560"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=558"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=558"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vargberg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=558"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}