{"id":650,"date":"2020-04-24T05:43:05","date_gmt":"2020-04-24T05:43:05","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=650"},"modified":"2020-04-24T05:45:47","modified_gmt":"2020-04-24T05:45:47","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=650","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 11"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit einem\nlauten Seufzen lie\u00df Faenwulf sich auf die Bank im Gasthaus fallen. Er war den\nganzen Tag unterwegs gewesen, doch jetzt war alles fertig. Er w\u00fcrde nun nur\nnoch etwas essen, einige Ahl trinken und dann m\u00fcde ins Bett fallen. Und morgen\nfr\u00fch w\u00fcrde es los gehen. Er hatte der Wirtin den Auftrag gegeben ihn bei\nSonnenaufgang zu wecken, damit sie fr\u00fch genug los konnten. Die Ungeduld schien\nihn zu zerrei\u00dfen. Er f\u00fchlte sich wie ein B\u00f6rn vor dem Swafnirstag, an dem alle\nThorwaler ihren Gott feierten und nicht zu wenig auch sich selbst. Der\nSwafnirtag war bekannt daf\u00fcr, dass nach jeder zweiten Strophe ein Horn auf\nSwafnir geleert wurde und jeder sang und fr\u00f6hlich war.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf\nfragte sich, ob er heute Nacht w\u00fcrde schlafen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Karva\nstellte ihm einen Krug kaltes Ahl hin und dr\u00fcckte ermutigend seine Hand, den\nKater Zornbrecht stets an ihrer Seite. \u201eBald geht es los\u201c, sagte sie l\u00e4chelnd.\n\u201eSchon diese Fahrt zu organisieren war eine gro\u00dfe Herausforderung, die du\ngrandios gemeistert hast.\u201c Faenwulf l\u00e4chelte sie ebenfalls an und nahm einen\ngro\u00dfen Schluck von dem Ahl. Blotgrimm kam mit einigen der Herferder herein und\nsein Lachen dr\u00f6hnte durch den Raum. Wie immer verbreitete er gute Laune und\nFaenwulf war froh, dass er dabei sein w\u00fcrde. Auch die j\u00fcngeren Thorwaler waren\ndabei und sahen sichtlich aufgeregt aus. Khemri und Hjasgar teilten sich ein\nHorn Met und unterhielten sich angeregt. Beide blickten auf, als die beiden\nLehrlinge herein kamen, die Faenwulf heute Morgen bei Runolf Holzauge\nkennengelernt hatte. Khemri stand auf und umarmte Wulfgrimm herzlich. Faenwulf\nblickte Blotgrimm fragend an. \u201eDie beiden kennen sich aus Waskir\u201c, erkl\u00e4rte der\nH\u00fcne. \u201eDer alte Bastard war vor einem Winter oben und hat nach Holz f\u00fcr einen\nDrakkar gesucht. Hat \u00fcberall schlechte Stimmung verbreitet und jeder in Waskir\nhat die armen Kerle bemitleidet, die bei ihm zum Skipsmider ausgebildet wurden.\nUnd die Jungspunde haben nat\u00fcrlich zusammen gefunden und gemeinsam getrunken.\nDaher kennen sie sich.\u201c Faenwulf nickte, wobei er sich ein schmunzeln nicht\nverkneifen konnte. Die alte Tratschtante Blotgrimm wusste mal wieder \u00fcber alle\nBescheid.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf\nstand auf und holte sich eine riesige Sch\u00fcssel voll mit hei\u00dfem Eintopf, der\nschon den ganzen Tag \u00fcber dem Feuer gehangen hatte. Er war k\u00f6stlich und\nFaenwulf holte sich noch einmal einen Nachschlag, diesmal mit einem gro\u00dfen\nSt\u00fcck Sauerbrot, das in dem Eintopf einweichte. Es schien fast, als wollte ihm\nseine Aufregung die Kehle zuschn\u00fcren, denn jeder Schluck schien schwerer zu\nsein und das Kribbeln der Aufregung lie\u00df seinen Magen grummeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dieser\nreichhaltigen Mahlzeit kam die M\u00fcdigkeit schnell und Faenwulf verabschiedete\nsich, um schlafen zu gehen. Im Langhaus nebenan war der L\u00e4rm ged\u00e4mpft und in\nseine warme Wolldecke geh\u00fcllt, fiel er bald in tiefen Schlaf.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf\nerwachte einige Male, wenn trunkene Thorwaler das Langhaus betraten, um\nschlafen zu gehen und Karva schlug ihr Lager nahe neben Faenwulf auf. Die\nged\u00e4mpften Ger\u00e4usche aus der Taverne wirkten beruhigend und im Halbschlaf\nbegann Faenwulf \u00fcber den Ablauf der Fahrt nachzudenken. Ein H\u00f6gg war gut.\nNostrische Fischerd\u00f6rfer an der K\u00fcste waren ein leichtes Ziel und auch diesmal w\u00fcrden\nsich diese als erste Probe anbieten. Es gab meistens nicht viel zu holen, doch\ndie Gefahr der Gegenwehr war gering und manche hatten doch das eine oder andere\nSchmuckst\u00fcck, das gerne den Besitzer wechseln wollte und sich gut verkaufen\nlie\u00df. Ein zufriedenes L\u00e4cheln breitete sich auf Faenwulfs Gesicht aus, als er\nin den Schlaf hin\u00fcber glitt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine\nkr\u00e4ftige Hand sch\u00fcttelte ihn und Faenwulf drehte sich leicht murrend um.\nDiesmal trat ihn jemand leicht in die Seite und mit einigen Fl\u00fcchen setzte er\nsich auf. Die Wirtin stand neben ihm und er sah, dass noch kein Licht durch die\nFenster herein drang. \u201eDer Hahn hat bereits mehrmals gekr\u00e4ht\u201c, murrte die\nWirtin. \u201eDu hast mich bezahlt, um dich zu wecken, also tu ich das auch.\u201c Sie\nhielt demonstrativ die M\u00fcnze hoch, die Faenwulf ihr gestern gegeben hatte und\nverlie\u00df leise murrend das Langhaus. Faenwulf erhob sich und streckte sich\nausgiebig. Der harte Boden war nicht gut f\u00fcr seine nicht mehr jungen Knochen.\nDie K\u00e4lte kroch einem fiel zu tief in die Glieder. Er ging von Lager zu Lager\nund weckte die m\u00fcden Herferder, von denen einige sicher erst seit einer\nJurgaliedl\u00e4nge geschlafen hatten. Die jungen waren schnell auf den Beinen und\nbegannen ihr Schlaflager schon zusammenzupacken, w\u00e4hrend sich die anderen noch\nden Schlaf aus den Augen rieben. Faenwulf h\u00f6rte Regen auf das Dach pl\u00e4tschern\nund er fluchte innerlich. Niemand ruderte gerne bei Regen und direkt am ersten\nTag war Regen reichlich demotivierend. Vor allem die Jungspunde w\u00fcrden\nentt\u00e4uscht reagieren, wenn sie erst mal bis auf die Haut durchn\u00e4sst auf ihrer\nRuderbank gegen den Sturm rudern mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf\ntrat aus dem Langhaus und machte sich auf den Weg zum Hafen. Die H\u00e4ndler w\u00fcrden\nbald da sein, um ihre Waren zur Vegah\u00f6gg zu bringen. Anders als erwartet\nherrschte im Hafen schon reges Treiben. Die Skipsmider arbeiteten bereits an\nden Planken und die H\u00e4ndler luden gekaufte Waren von den ankommenden Schiffen.\nDie Skjalde waren bereits an Deck der Vegah\u00f6gg gebracht worden und lehnten an\nden bereitgestellten Ruderkisten, in denen die Herferder ihre Besitzt\u00fcmer\nw\u00fcrden verstauen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf\nbetrat mit Stolz im Herzen sein pr\u00e4chtiges Schiff. Sein Platz war bereits durch\nseine reich verzierte Ruderkiste markiert und er deponierte sein Gep\u00e4ck darin.\nSanft packte er den Griff des Ruders, das er auf dieser Herferd so oft schlagen\nw\u00fcrde. Er war gl\u00fccklich und anders als gestern Abend, sehr ruhig. Mit\ngeschlossenen Augen horchte er auf das Rauschen des Meeres, doch er h\u00f6rte\nnichts au\u00dfer Wellen. Ingibj\u00f6rg h\u00e4tte vielleicht heraush\u00f6ren k\u00f6nnen, ob sie\nunter einem guten Stern fahren w\u00fcrden, ob die Wellen etwas fl\u00fcsterten, doch so\nw\u00fcrden sie ins Ungewisse fahren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauerte\neine Jurgaliedl\u00e4nge bis alle Herferder an Bord und s\u00e4mtliche Vorr\u00e4te und\nEigentum an Deck verstaut waren. Der Regen war mittlerweile st\u00e4rker geworden\nund alle nass bis auf die Haut. Faenwulf trug seinen blauen Klappenmantel, der\nihn teilweise vor dem Regen sch\u00fctzte und eine lederne M\u00fctze, die den Regen\nwenigstens von seinem Kopf fern hielt. Seinen langen Zopf hatte er unter seinem\nMantel verborgen, damit sein Haar trocken blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz des\nRegens arbeiteten die Skipsmider eifrig an den Schiffen und als er den Lehrling\nWulfgrimm auf die Vegah\u00f6gg zulaufen sah, runzelte er fragend die Stirn. \u201eHallo\nWulfgrimm\u201c, begr\u00fc\u00dfte er den j\u00fcngeren freundlich, aber zur\u00fcckhaltend. \u201eWieso\nbist du nochmal hierher gekommen? Wir werden bald ablegen.\u201c Wulfgrimm schien\nausreichend nerv\u00f6s zu sein und wollte zuerst nicht mit seinem Anliegen\nherausr\u00fccken. \u201eIch will mit\u201c, platzte er dann jedoch heraus. \u201eIch will mit euch\nauf Fahrt gehen.\u201c Faenwulf dachte lange nach. Er hatte sich gestern noch mit\nBlotgrimm \u00fcber die jungen Lehrlinge unterhalten und Blotgrimm, Tratschtante die\ner war, wusste viel \u00fcber die jungen Thorwaler zu erz\u00e4hlen. Wulfgrimms Mutter\nwar eine ber\u00fchmte Skaldin gewesen, wundersch\u00f6n mit dunklem Haar und lebhaften,\nblauen Augen, angesehen f\u00fcr ihr Wissen, aber auch f\u00fcr ihre klare Stimme und ihr\nGeschick mit der Harfe. Doch auch in ihr loderte der Drang nach Abenteuer und\nsie war von einer Expedition, die nach Swafnirs Eiland suchte, nicht wieder\nzur\u00fcck gekehrt. Sein Vater war ein Raufbold gewesen, ein guter Skipsmider, doch\nmit kochendem Blut. Der Wal tobte oft in ihm und regelm\u00e4\u00dfig hatte er\nSchl\u00e4gereien in der Taverne angezettelt, bis sein Gesicht zerfurcht und\nzerschlagen war und alle ihn nur noch Trollwulf nannten, jedoch nie wenn er in\nH\u00f6rweite war. Er war an einer Wunde gestorben, die er sich zugezogen hatte, als\ner den Kopf eines stolzen Drakkars geschnitzt hatte. Lange hatte er gegen die\nEntz\u00fcndung und sein vergiftetes Blut gek\u00e4mpft, seinen faulenden Unterarm hatten\ndie Heilari entfernt um ihn zu retten und doch war er schlie\u00dflich zu Swafnir\ngegangen. Von da an war Wulfgrimm von seiner Sippe gro\u00df gezogen worden und war,\ndem Vorbild seines Vaters folgend, bei Runolf Holzauge in die Lehre gegangen.\nWie sein Vater war Wulfgrimm wild und ungest\u00fcm im Kampf und auch er begann\ngerne mal eine Schl\u00e4gerei. Aber war er auch treu? \u201eIst dein Platz nicht hier?\u201c,\nfragte Faenwulf und musterte den jungen Skipsmider erneut skeptisch. \u201eDu hast\ndeine Ausbildung noch nicht beendet.\u201c Wulfgrimm blickte ihn zornig mit seinen\nblauen, fast sch\u00f6n w\u00f6lfischen Augen an. \u201eIch hasse es hier\u201c, sagte er\nverbittert. \u201eDieser miese Bastard behandelt mich wie einen Hund. Ich werde von\nhier verschwinden, auch ohne Herferd.\u201c Faenwulf nickte und dachte erneut nach.\n\u201eDann komm\u201c, antwortete er schlie\u00dflich und dr\u00fcckte die Schulter des jungen\nMannes. \u201eEin Rekker mehr kann nur von Vorteil sein.\u201c Wulfgrimm strahlte ihn gl\u00fccklich\nan, griff nach seinem Seesack und zog den Riemen fest mit dem er seinen Skjald\nauf seinen R\u00fccken geschnallt hatte. Grinsend lief er zu Khemri her\u00fcber, der\nsich seine mit Fell besetzte Lederm\u00fctze zum Schutz vor dem Regen tief ins\nGesicht gezogen hatte. Als Khemri Wulfgrimm erblickte, hellte sich sein Gesicht\nauf und er schlug dem anderen freundschaftlich gegen die Schulter. Wulfgrimm\nstrahlte zur\u00fcck und sch\u00fcttelte sich den Regen aus dem Haar. \u201eHast du noch eine\nM\u00fctze f\u00fcr deinen alten Freund Wulfgrimm?\u201c, fragte dieser gut gelaunt und\ndeutete auf den noch immer st\u00e4rker werdenden Regen. Khemri nickte lachend und\nzog eine zerfledderte Gugel aus seinem G\u00fcrtel. Dann betraten sie aufgeregt\nredend die Vegah\u00f6gg.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war so weit. Einige bezahlte Arbeiter zogen den Drakkar vom Strand und die Herferder begannen zu rudern. Die Fahrt begann.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=646\">Kapitel 10<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=654\">Kapitel 12<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem lauten Seufzen lie\u00df Faenwulf sich auf die Bank im Gasthaus fallen. Er war den ganzen Tag unterwegs gewesen, doch jetzt war alles fertig. 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