{"id":658,"date":"2020-04-24T05:47:13","date_gmt":"2020-04-24T05:47:13","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=658"},"modified":"2020-05-13T14:56:16","modified_gmt":"2020-05-13T14:56:16","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=658","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 13"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Rauch in\ndem Grassodenhaus war so dicht, dass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte\nund doch warf der alte Ingibj\u00f6rg eine weitere handvoll Rauchkraut ins Feuer.\nDen beiden jungen Thorwalern, die neben ihm am Feuer sa\u00dfen, liefen Tr\u00e4nen die\nWangen herab, weil ihnen der Rauch so sehr in den Augen brannte. Sie sa\u00dfen nun\nschon eine Ewigkeit bewegungslos dort und betrachteten den Rauch und das Feuer.\nGelegentlich schn\u00e4uzte sich einer der beiden die laufende Nase, lauschte dabei\njedoch weiter gespannt den Worten des Alten. Mit langsamen Handbewegungen\nversetzte er den Rauch in Bewegung und deutete den beiden jungen M\u00e4nnern genau\nzu betrachten welche Formen er annahm. Mit zusammengekniffenen Augen\nbetrachteten sie den Rauch, versuchten zu sehen was der Alte sah und versuchten\nzu deuten, was dies darstellen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hegten\nschon lange keine Furcht mehr vor den F\u00e4higkeiten des Alten. Thorwaler waren\nein sehr abergl\u00e4ubisches Volk und jegliche Magie, war sie noch so gering,\nbetrachteten sie mit Argwohn und Angst. Es gab nur wenige Magier im Volk der\nThorwaler und auch hellsichtige oder Menschen mit dem dritten Auge wurden\nh\u00e4ufig ausgesto\u00dfen und vertrieben. Der Alte hatte selbst diese Erfahrung\ngemacht und gab sein Wissen nun an die beiden jungen M\u00e4nner weiter. Beorn,\ngro\u00df, selbst f\u00fcr einen Thorwaler, hatte schon fr\u00fch bemerkt, dass er anders war.\nM\u00fcrrisch, schweigsam und berechnend, sprach er wenig mit den anderen und allein\nseine Familie gab ihm Halt. Es war ihm immer leicht gefallen Tr\u00e4ume zu deuten,\nZeichen und Dinge zu sehen, die an anderen unbemerkt vorbei gingen und wenn\netwas Schlechtes bevorstand, schien er es zu wissen. Es f\u00fcgte sich f\u00fcr ihn\nzusammen, diese Zeichen, die nur er zu sehen schien und wenn er die Bauern vor\neinem Sturm warnte, der der Ernte schaden w\u00fcrde oder die Skipsmider auf einen\nbald brechenenden Mast hinwies, betrachtete man ihn mit Argwohn. Schon fr\u00fch\nhatte Beorn gelernt, diese Warnungen zu unterlassen, doch die Thorwaler in\nseinem Dorf wussten es bereits. Die Ger\u00fcchte \u00fcber den jungen Mann mit den\nstechenden gr\u00fcnen Augen machten die Runde und bald brach Beorn auf, um zu\nlernen, wie er seine F\u00e4higkeiten schulen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kind\nhatte Ragin Stimmen geh\u00f6rt, die im Traum zu ihm sprachen. Seine Mutter war\nverwirrt, dass ihr Sohn so h\u00e4ufig einfach am Feuer sa\u00df und hineinstarrte, kaum\nreagierte wenn man ihn ansprach. Genauso betrachtete Ragin h\u00e4ufig die Wolken\noder den Flug der V\u00f6gel und seine Mutter bekam es mit der Angst zu tun. Ein\nSkalde auf Reisen beruhigte sie, erz\u00e4hlte ihr von den thorwalschen Goden,\nweisen M\u00e4nnern, die Dinge sahen, Tr\u00e4ume deuteten, Runen warfen. Er riet ihr,\nihren Sohn einfach zu lassen, war er doch etwas besonderes. Die Dinge die er\ntat waren nicht gef\u00e4hrlich, doch er w\u00fcrde damit rechnen m\u00fcssen, dass viele aus\ndem Dorf ihn meiden w\u00fcrden. So beschr\u00e4nkte der junge Thorwaler sich darauf,\nseiner Familie zu helfen, ihnen Ratschl\u00e4ge zu geben und auf seine wachsenden\nF\u00e4higkeiten zu vertrauen. Rauschzust\u00e4nde, ob durch Met oder Rauchkraut, vermied\ner. Sie verst\u00e4rkten zu sehr die Dinge, die er sah, verwirrten ihn, doch die\nKr\u00e4uterfrau des Dorfes riet ihm in die Ausbildung zu gehen. Wie ein Skipsmider\noder L\u00e4knir brauchte auch er einen Meister, der ihm beibrachte seine Talente zu\nverbessern. So traf Ragin auf Beorn, der ebenfalls diesem Rat gefolgt war und\neinen alten Goden getroffen hatte, der sich der beiden Thorwaler annahm. Dieser\nalte Freund Ingibj\u00f6rgs k\u00e4mpfte nun jedoch an Swafnirs Seite und so hatte der\nalte Ingibj\u00f6rg sich bereit erkl\u00e4rt die beiden jungen M\u00e4nner weiter auszubilden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir gehen\nraus\u201c, begann Ingibj\u00f6rg und erhob sich langsam. Auf seinen Stock gest\u00fctzt,\nschritt er nach drau\u00dfen und f\u00fcllte zwei H\u00f6rner mit klarem, kalten Wasser, die\ner den jungen M\u00e4nnern reichte. Beorn und Ragin taumelten, als sie in die Sonne\ntraten und beiden war schwindelig und \u00fcbel. Das Wasser machte es etwas besser\nund die frische Luft war eine Wohltat, doch sie wussten dass sie noch nicht\nfertig waren. Der Alte lie\u00df sich im Gras nieder und \u00f6ffnete einen Beutel an\nseinem G\u00fcrtel. Er griff hinein, zog eine handvoll Runen heraus und warf sie vor\nsich in den Sand. \u201eWas siehst du Ragin?\u201c, fragte er knapp und betrachtete den\njungen Mann. In Ragins Kopf drehte sich alles und es fiel ihm schwer sich auf\ndie Runen zu konzentrieren. Es gab so viel was er beachten musste, doch\nirgendwie fiel ihm nichts von dem ein, was sein alter Meister ihn gelehrt\nhatte. Und trotzdem waren seine Sinne gesch\u00e4rft, er konnte die Runjas sp\u00fcren,\ndie alles beeinflussten. \u201eDie Swafnirrune liegt sehr nah an der des Wolfs\u201c,\nbegann er und betrachtete die beschnitzten Runen genauer. \u201eDie Wolfsrune steht\nhier f\u00fcr etwas schlechtes\u201c, fl\u00fcsterte er und schloss die Augen, streckte seine\nFinger aus und versuchte zu f\u00fchlen, was es war. Die Bedrohung war nah und alt.\nDer Alte hatte ihnen von dem Wolf erz\u00e4hlt, der an diesem Berg hauste. Er war\neiner der Gr\u00fcnde warum sie hier waren. Vorsichtig ber\u00fchrte er die rote Rune des\nw\u00fctenden Swafnir. \u201eZorn\u201c, fl\u00fcsterte Ragin mehr zu sich selbst, als zu Beorn und\ndem Alten. \u201eRoter Zorn, Blut und Gold.\u201c Er sah Bilder vor sich, zornige\nGesichter, \u00c4xte die geschwungen wurden, klimpernde Beutel voller M\u00fcnzen.\nMenschen schrien, andere riefen. Die kalte Hand des Alten, die sich auf seine\nSchulter legte, lie\u00df Ragin hochschrecken und er blickte in die gutm\u00fctigen Augen\ndes Alten. \u201eIch k\u00f6nnte jetzt etwas zu essen vertragen, meint ihr nicht?\u201c,\nfragte Ingibj\u00f6rg fr\u00f6hlich, erhob sich und hinkte zur Feuerstelle her\u00fcber \u00fcber\nder ein brodelnder Topf mit Lauchsuppe hing. \u201eIch denke wir sollten drau\u00dfen\nessen. Die frische Luft wird uns gut tun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Beorn blickte Ragin grinsend an. Er hatte seine Sache gut gemacht, sollte das Gesehene f\u00fcr sich selbst deuten, auch wenn ihm dies die eine oder andere schlaflose Nacht bringen w\u00fcrde. Der Alte war zufrieden mit ihm und er wusste, genau wie die beiden jungen M\u00e4nner, dass Gro\u00dfes bevorstand.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=654\">Kapitel 12<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=666\">Kapitel 14<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rauch in dem Grassodenhaus war so dicht, dass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte und doch warf der alte Ingibj\u00f6rg eine weitere handvoll Rauchkraut ins Feuer. 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