{"id":666,"date":"2020-05-13T14:55:56","date_gmt":"2020-05-13T14:55:56","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=666"},"modified":"2020-05-13T14:55:58","modified_gmt":"2020-05-13T14:55:58","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=666","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 14"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie sa\u00dfen nun am Strand, ersch\u00f6pft, durchn\u00e4sst und schweigsam. Der Sturm war so stark gewesen, wie Faenwulf es erwartet hatte und er hatte sie so schnell erreicht, dass eine R\u00fcckkehr zum Ufer hoffnungslos gewesen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle an Bord der Vegah\u00f6gg hatten das pl\u00f6tzliche Ansteigen des Windes bemerkt, w\u00e4hrend sich der Drakkar schnell auf die schwarze Wolkenwand zubewegte. Die ersten Blitze waren in der Ferne zu h\u00f6ren und ein Donnergrollen, das ihnen eine G\u00e4nsehaut \u00fcber die K\u00f6rper jagte. Karva, die jahrelang von ihrem Vater ausgebildet worden war, betrachtete die Wolkenformationen mit besorgtem Blick. Was auch immer sie darin sah, Faenwulf selbst erkannt nur, dass es einer der st\u00e4rksten St\u00fcrme war, den er je erleben w\u00fcrde und es war nicht von Vorteil, dass sie auf See waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann war der Regen pl\u00f6tzlich \u00fcber ihnen und der Drakkar schien sich zornig aufzub\u00e4umen. Hastig br\u00fcllte Faenwulf Befehle gegen das Dr\u00f6hnen des Windes an. Alles an Bord musste festgezurrt werden, sonst war es f\u00fcr immer verloren. So wurden die Ruder eingezogen und alle besch\u00e4ftigten sich hektisch damit, ihr Hab und Gut in den Ruderkisten zu verstauen und diese am Boden des Drakkar zu fixieren. Faenwulf selbst nutzte seinen Klappenmantel, um alles Zerbrechliche in seiner Kiste zu polstern und legte sich dann seinen ledernen Mantel, zum Schutz vor dem Regen, um. Gemeinsam holten sie das Segel ein, schn\u00fcrten den v\u00f6llig durchn\u00e4ssten Wadmal zusammen, damit der Wind ihn nicht zerriss und legten dann den Mast um.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Meer wurde immer wilder und die Thorwaler eilten nun zu ihren Rudern und begannen jetzt gegen die ersten hohen Wellen anzuk\u00e4mpfen. Sie mussten verhindern, dass sie aufs offene Meer hinaus getragen wurden und durften die Kontrolle \u00fcber das Schiff nicht verlieren. Faenwulf selbst sa\u00df an seinem Ruder und es schien als w\u00fcrde er gegen die Wellen ringen. Mit ganzer Kraft umklammerte er das Holz und stie\u00df es immer wieder in die Wellen. Nach wenigen Strophen waren alle nass bis auf die Haut, doch niemand schien dies wirklich wahrzunehmen. Vor allem die Jungen konzentrierten sich alleine aufs Rudern und die, denen die Fahrt bisher eher auf den Magen geschlagen war, hatten ihre \u00dcbelkeit vergessen. Ein Blitz schlug direkt neben ihnen in die Wellen ein und Faenwulf h\u00f6rte ein nerv\u00f6ses \u201eBei Swafnir\u201c hinter sich. Ein Seil peitschte \u00fcber das Deck und Thurbold winselte leise vor sich hin. Der gro\u00dfe Olporter hatte sich an den F\u00fc\u00dfen seines Herrn zusammengekauert und schien Todes\u00e4ngste auszustehen. Die Augen des Katers Zornbrecht blitzten unter der Decke hervor und schienen Faenwulf anzustarren. Tu dein Bestes, dachte Faenwulf. Wenn du Magie in dir hast, hilf uns jetzt. Der Kater w\u00fcrde bei so einem Sturm alles tun, damit das Schiff nicht sank.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Welle brach an der Seite des Drakkar und tr\u00e4nkte sie alle im salzigen Wasser Efferds, das so kalt war, dass Faenwulf sofort zu zittern begann. Er blickte her\u00fcber zu Karva, die neben ihm ruderte und sah, dass ihre Lippen bereits blau waren, doch ihre Augen verspr\u00fchten ein Feuer, das ihn weiter rudern lie\u00df. Es schien, als w\u00e4re das Meer ein lebendiges Wesen, das mit ihnen spielte, sie herum warf und ins Schwanken brachte. Eine weitere gro\u00dfe Welle riss Bryda von ihrer Ruderkiste und drohte sie von Bord zu sp\u00fclen. Wie eine leblose Puppe riss das Wasser sie von ihren F\u00fc\u00dfen und mit sich in Richtung Reling. Blotgrimm packte sie im letzten Augenblick am Arm und riss sie zur\u00fcck aufs Schiff. Am n\u00e4chsten Tag w\u00fcrde Bryda ihren Arm kaum heben k\u00f6nnen, doch trotzdem blickte sie Blotgrimm mit tiefster Dankbarkeit an. Ohne zu z\u00f6gern sprang sie auf und setzte sich wieder auf ihre Kiste, ergriff ihr Ruder und begann im Rhythmus der anderen zu rudern. Faenwulf konnte den Schmerz ihres verdrehten Arms in ihrem Gesicht sehen, doch sie gab keinen Laut von sich und machte weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der K\u00e4lte ruderten sie weiter und Faenwulf, der schon seit Jahren ruderte und ein kr\u00e4ftiger Thorwaler war, begann zu sp\u00fcren wie ihm langsam aber sicher die Kr\u00e4fte schwanden. Sie ruderten gegen das Meer an und dieses war letztendlich immer st\u00e4rker. Die Wellen spielten mit ihnen, warfen sie herum, bis eine Welle sie schlie\u00dflich mit sich trug, weit nach oben, bis sie dann in sich zusammenfiel. Einige an Bord fielen von ihren Ruderkisten und klammerten sich zitternd an ihren Rudern fest. \u00c4ngstlich murmelten einige vor sich hin und Faenwulf wusste, dass sie f\u00fcr sich beteten. Das Holz des Drakkars \u00e4chzte und krachte und es schien, als wollte das Meer ihn zerrei\u00dfen, doch Faenwulf vertraute in sein Schiff. Da mussten schon ganz anderen M\u00e4chte kommen um sein Drachenschiff zu versenken. Seine Mannschaft hatte jedoch nicht so viel Glaube in das Schiff. Noch w\u00e4hrend Faenwulf nach den richtigen Worten suchte, um seine Leute zu beruhigen, erhob Karva ihre Stimme. \u201eSwafnir\u201c, rief sie. \u201eAlte Flosse, gro\u00dfer Bruder, wie du siehst sind wir in Not. Zu m\u00e4chtig ist das Meer, zu zornig der Sturm. Zu sehr hat dein immerw\u00e4hrender Kampf gegen die verderbte Hranngar die Gezeiten aufgew\u00fchlt. Hilft uns, gib uns Mut und gib uns Kraft, dass wir an deiner Seite streiten k\u00f6nnen und nicht in den Tiefen der See versinken m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf glaubte, dass das laut ausgesprochene Flehen vielen Mut gab, denn die stillen Gebete verstummten und die Thorwaler ruderten weiter, mit neuer Entschlossenheit im Blick.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wasser des Regens lief Faenwulf in die Augen und der eiskalte Wind schnitt in seine Wangen wie kleine Klingen, doch das Meer schien ruhiger zu werden. Der Drakkar, der sich vorher wie ein ungez\u00e4hmtes Pferd aufgeb\u00e4umt hatte, schien nur noch zu bocken und der Regen wurde schw\u00e4cher. Sein wildes Toben nahm langsam ab und der Sturm wurde zu einem starken Wind. Sie mussten noch ein bisschen durchhalten und konnten dann im besten Fall ans Ufer segeln und sich ausruhen. In der Ferne waren schon die ersten Sonnenstrahlen zu sehen und das Rudern fiel zusehends leichter. Eilif Falkenauge schritt zu Faenwulf und erkl\u00e4rte ihm, wohin sie nun fahren w\u00fcrden. In der Ferne war Rauch zu sehen, der laut Eilif zu einem Fischerdorf an der K\u00fcste Nostrias geh\u00f6rte. Nach kurzer Besprechung entschied Faenwulf, dass sie ein kleines Lager am Strand aufschlagen w\u00fcrden. Dem Stand der Sonne nach, die vereinzelt durch die Wolken brach, war es sp\u00e4ter Nachmittag und seine M\u00e4nner und Frauen brauchten Ruhe. So umfuhren sie das Dorf gro\u00dfz\u00fcgig und steuerten den Drakkar dann an den Strand.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sa\u00dfen sie um ein Feuer und ruhten sich aus. Karva versorgte die H\u00e4nde der Jungen, die vom Rudern wund und blutig waren, w\u00e4hrend Blotgrimm den Eintopf beh\u00fctete, der \u00fcber dem Feuer hing. Die H\u00e4lfte der Mannschaft schlief schon, obwohl die Sonne erst den Horizont ber\u00fchrte und einer der M\u00e4nner massierte Bryda den steifen Arm. Die junge Thorwalerin hatte starke Schmerzen, da Blotgrimm ihren Arm so stark verdreht hatte, doch sie biss die Z\u00e4hne zusammen. Faenwulf legte sich unter das aufgespannte Segel und betrachtete seinen Drakkar, der Stolz am Strand lag. Sie hatten den Sturm bezwungen, doch dieses ungute Gef\u00fchl, dass seine Fahrt unter keinem guten Stern stand, wollte einfach nicht vergehen. Er rollte seinen Mantel zu einem Kissen zusammen und deckte sich mit einer Wolldecke zu. Auch er war ersch\u00f6pft und seine Gelenke schmerzten, doch es schien ihm besser zu gehen, als manchen der Jungen, deren erste Fahrt eine Herausforderung war. Faenwulfs K\u00f6rper kannte die Strapazen einer Reise auf See und er war daran gew\u00f6hnt. Seine H\u00e4nde waren rau, seine Haut vom Wind und Salz des Meeres gegerbt und seine Augen scharf. Er sp\u00fcrte zwar das Alter in seinen Knochen, doch gegen das Meer und seine T\u00fccken war er abgeh\u00e4rtet. Mit knackenden Gelenken streckte er sich und schloss die Augen. Das Rauschen des Meeres war beruhigend und der Schlaf kam schnell. Blotgrimm weckte ihn kurz, um ihm eine Sch\u00fcssel Eintopf mit eingelegtem Trockenfleisch zu reichen, die Faenwulf herunter schlang wie ein hungriger Wolf. Bryda erkl\u00e4rte sich bereit die erste Wache zu \u00fcbernehmen, da sie wegen ihrem Arm sowieso nicht w\u00fcrde schlafen k\u00f6nnen und Thurbold leistete ihr Gesellschaft. Faenwulf bereitete sie alle darauf vor, dass sie bei Sonnenaufgang wieder aufbrechen w\u00fcrden und dass alle wachsam sein sollten. Dann legte er sich ebenfalls schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er tr\u00e4umte von einem Ottaskin, das er nicht kannte, ihm jedoch sehr vertraut vorkam. Von einer Palisade umgeben schien es beh\u00fctet und idyllisch dort, mit einem kleinen Strom, der ruhig neben den Langh\u00e4usern daher pl\u00e4tscherte. Doch je l\u00e4nger Faenwulf sich dort aufhielt, desto mehr Wasser schien der Bach zu fassen. Er begann \u00fcber die Ufer zu treten und drohte die Langh\u00e4user zu \u00fcberschwemmen, als ein Drakkar mit der Str\u00f6mung zu ihm gesp\u00fclt wurde. Die Mannschaft zog Faenwulf an Bord und je weiter er sich von dem Ottaskin entfernte, desto weiter gingen die Fluten zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf erwachte ausgeruht aus dem Traum und nahm sich vor mit Karva dar\u00fcber zu reden. Er blickte sich um. Alle bis auf den Wachposten schienen zu schlafen, doch in der Ferne konnte man das erste Orange am Himmel sehen. Bald war es Zeit. So erhob Faenwulf sich, streckte seine tauben Glieder und begann seine Sachen zusammenzupacken. Nach und nach erwachten die anderen und nur wenige mussten geweckt werden. Die lange Nacht hatte allen gut getan. Nach einem kurzen Fr\u00fchst\u00fcck erl\u00e4uterte Faenwulf seiner Mannschaft seinen Plan.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Fischerdorf w\u00fcrde Ziel ihres ersten Angriffs sein. Es war klein genug, um keine gro\u00dfe Bedrohung darzustellen, war aber aber gro\u00df genug, um erste Beute einzubringen. Gemeinsam schoben sie den Drakkar wieder ins Meer. Nach anf\u00e4nglichem Rudern, ergriff sie der Wind und sie ruderten in Richtung ihres Ziels.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Ferne sahen sie Rauch aufsteigen und Faenwulf blickte seine Mannschaft auffordernd an. Der Drakkar hatte eine gute Geschwindigkeit, so dass alle sich um ihre Ausr\u00fcstung k\u00fcmmern konnten. Faenwulf schn\u00fcrte seinen Schneidzahn an seinen G\u00fcrtel und wickelte seinen geh\u00f6rten Helm aus einem ge\u00f6lten Leinentuch. Es war ein gutes Gef\u00fchl seinen alten Helm wieder zu tragen und nach all den Jahren hatte Faenwulf sich an die durch die Brille eingeschr\u00e4nkte Sicht gew\u00f6hnt. Er betrachtete die anderen wie sie ihre Helme aufsetzten, ihre Kr\u00f6tenh\u00e4ute anlegten und ihre Waffen bereit machten. Die Jungspunde schienen vor Aufregung zu zittern, als der Drakkar sich immer weiter dem Strand n\u00e4herte. Faenwulf konnte nun die ersten Gestalten erkennen, die bereits ihm Dorf ihrer Gesch\u00e4fte nachgingen. Die Sonne ging gerade erst auf und viele w\u00fcrden noch schlafen wenn die Meute ankam.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=658\">Kapitel 13<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=663\">Kapitel 15<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sa\u00dfen nun am Strand, ersch\u00f6pft, durchn\u00e4sst und schweigsam. 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