{"id":672,"date":"2020-03-20T15:01:00","date_gmt":"2020-03-20T15:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=672"},"modified":"2020-08-16T10:46:34","modified_gmt":"2020-08-16T10:46:34","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=672","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 9"},"content":{"rendered":"\n<p>Von einem erstickten Schrei und dem kehligen Knurren von Thurbold geweckt, fuhr Faenwulf aus dem Schlaf hoch. Sofort glitt seine Hand zu seiner Orknase. Er versuchte sich zu orientieren, etwas in der Dunkelheit zu erkennen, doch das Feuer war so weit herunter gebrannt, dass fast v\u00f6llige Dunkelheit herrschte. Dann h\u00f6rte er ein Grunzen, gefolgt von einem R\u00f6cheln und Gestalten, die im Dunkeln beinahe komplett verschwanden. \u201eSchwarzpelze!\u201c, br\u00fcllte Faenwulf und sprang auf, gefolgt von Blotgrimm und Karva, die ebenso schnell auf den Beinen waren. Mit einem Satz war Faenwulf bei Steinar, der zusammengesunken am Boden lag. \u00dcber ihm stand ein Ork, in eine zerfetzte Lederr\u00fcstung geh\u00fcllt und einen langen Dolch in der Hand. Faenwulf holte aus und grub die Klinge seiner Axt tief in den Torso des Orks. Dieser br\u00fcllte auf und brach dann wild um sich schlagend zusammen. Nun waren die anderen auch wach. Sie dr\u00e4ngten sich um den Rest des Feuers, doch alle k\u00e4mpften. Faenwulf fuhr herum und wich im letzten Moment einer gezackten Orkklinge aus. Er lie\u00df seine Axt hervorschnellen und bohrte die Spitze in die Kehle des Orks. Blut schoss aus der Wunde, doch der Ork war noch nicht t\u00f6dlich getroffen. Wieder holte er aus und wieder gelang es Faenwulf, dem diesmal nicht so pr\u00e4zisen Schlag auszuweichen. Diesmal schlug Faenwulf mit der R\u00fcckseite der Orknase zu und traf seinen Gegner an der ungesch\u00fctzten Schl\u00e4fe. Die beiden Dornen seiner Axt bohrten sich tief in den Sch\u00e4del des Orks und dieser brach grunzend und zuckend zusammen. Faenwulf blickte auf. Neben ihm k\u00e4mpfte Karva, die den langen Dorn ihrer Skraja tief im Sch\u00e4del eines Orks versenkt hatte. Gleichzeitig blockte sie mit ihrem Schild einen weiteren Angriff ab und rammte ihrem Gegner dann den Schildrand ins Gesicht. Blitzschnell fuhr sie herum und f\u00e4llte den Ork mit zwei schnellen Hieben ihrer Skraja. Dampfende Eingeweide ergossen sich \u00fcber ihre Stiefel, doch sie blickte sich schon nach dem n\u00e4chsten Gegner um. Blotgrimm br\u00fcllte im Kampfrausch auf und st\u00fcrzte sich auf einen Schwarzpelz, der beinahe so gro\u00df war wie er selbst. Bewaffnet mit Schwert und Schild war der Ork flinker als Blotgrimm mit seiner riesigen Axt, doch Blotgrimm war ein erfahrener K\u00e4mpfer. Er deutete einen m\u00e4chtigen Schlag an, schwang die Axt jedoch in einem Bogen und vergrub die Klinge im Bein des Orks, das durch den Schlag fast ganz abgetrennt wurde. Mit einem weiteren Schwung hakte er die Axt am Schild des Schwarzpelzes ein und zog ihn mit einem kr\u00e4ftigen Hieb zu sich. Der Ork fiel taumelnd vor Blotgrimm zu Boden, doch dieser packte ihn und begann sein Gesicht mit den F\u00e4usten zu bearbeiten, die etlichen Zahnl\u00fccken in einem irren Grinsen entbl\u00f6\u00dft. Nach dem vierten Schlag wandte Faenwulf den Blick ab und sah gerade noch wie Thurbold einen Schwarzpelz zu Fall brachte und ihm die Kehle zerfetzte. Faenwulfs Aufmerksamkeit zog sich auf die beiden J\u00fcngsten und wie sie sich schlugen. Hjasgar wich seinem Gegner leichtf\u00fc\u00dfig aus und ging dann zum Angriff \u00fcber. Mit einem gezielten Schildsto\u00df brachte er den Gegner aus dem Gleichgewicht und f\u00e4llte ihn dann mit einigen kr\u00e4ftigen Axthieben. Khemri rammte seinen Gegner direkt um. Riskant aber wirkungsvoll. Der Kampf war ebenso schnell zu Ende wie er begonnen hatte und Khemri schlug dem Ork die Holzf\u00e4lleraxt mehrmals in den K\u00f6rper. Sein Gegner blieb in seinem eigenen Blut liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten Schwarzpelze waren geflohen und nun mussten sie sehen, ob es Verletzte gab. Karva und Blotgrimm knieten vor Steinar, der r\u00f6chelnd am Boden lag. Blotgrimm hatte seine Hand, die noch immer blutbefleckt war, auf Steinars Brustkorb gelegt und blickte ihn traurig an. Der grimmige Thorwaler lag in seinem eigenen Blut, die Kehle so tief aufgeschlitzt, dass kein Heilari diese Wunde h\u00e4tte n\u00e4hen k\u00f6nnen. Die riesige Blutlache schimmerte schwarz in dem schwachen Licht und allen war klar, dass Steinar sterben w\u00fcrde. \u201eKannst du das Wei\u00df sehen?\u201c, brummte Blotgrimm leise. \u201eDas ist Swafnir.\u201c Er dr\u00fcckte Steinar seine Orknase in die Hand. \u201eKannst du schon das Feuer riechen? Das ist Swafnirs Halla. Du wirst deine Br\u00fcder, V\u00e4ter und M\u00fctter wiedersehen und ihr werdet gemeinsam an Swafnirs Seite streiten.\u201c Steinar blickte Blotgrimm an. Blut floss aus seinem Mund und das gl\u00fcckliche, blutverschmierte L\u00e4cheln, das er Blotgrimm schenkte, brachte Faenwulf eine G\u00e4nsehaut. Auch auf Blotgrimms m\u00e4chtigen Armen breitete sich G\u00e4nsehaut aus, doch er blieb bei dem Thorwaler, bis er seinen letzten Atemzug getan hatte. Alle blickten Faenwulf an. Sie wussten nicht was sie jetzt tun sollten. \u201eWir werden Steinar morgen begraben\u201c, sagte er entschieden. \u201eVersucht zu schlafen. So schwer es auch sein mag. Morgen wird ein anstrengender Tag.\u201c Wortlos zogen sie sich in ihre Lager zur\u00fcck und Faenwulf begann das Feuer neu zu entfachen. Er w\u00fcrde des Rest der Nacht Wache halten. An Schlaf war sowieso nicht zu denken, zu sehr sp\u00fcrte er noch den Wal in sich toben. Karva trat zu ihm und dr\u00fcckte kurz seine Schulter. Ihr Blick sagte mehr als tausend Worte. Du musst weiter machen. Lass dich von einem fr\u00fchen R\u00fcckschlag nicht aufhalten. Faenwulf nickte, als h\u00e4tte er sie verstanden und setzte sich dann ans Feuer. Er stand vor dem Morgengrauen nur einmal auf, um eine Decke \u00fcber Steinars K\u00f6rper zu legen. Die Schwarzpelze griffen kein zweites Mal an. Vermutlich war es ein herum streunendes Rudel gewesen, die sie f\u00fcr reisende H\u00e4ndler gehalten hatten. Dies war schlie\u00dflich ein beliebter Weg f\u00fcr H\u00e4ndler von Olport nach Waskir.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Sonnenaufgang begann Faenwulf eine Grube auszuheben. Die, die von den Ger\u00e4uschen geweckt wurden, halfen ihm und bald war das Loch gro\u00df genug, um Steinar darin zu begraben. \u201eWir werden ihn abholen\u201c, versprach Faenwulf. \u201eSobald wir von unserer Herferd zur\u00fcck sind, werden wir seine Gebeine holen und seiner Familie \u00fcbergeben.\u201c Alle nickten zustimmend. Die toten Orks stapelten sie nahe des Wegs. Sollte ihr Clan sie holen kommen und wenn nicht, so dienten sie doch als Warnung f\u00fcr andere unvorsichtige Wanderer.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie brachen wieder auf. Alle waren sehr schweigsam und Faenwulf konnte nicht aufh\u00f6ren zu denken. Schon in der Nacht hatte er ununterbrochen gegr\u00fcbelt. War dies ein Zeichen? Sollte er sein Vorhaben abbrechen? Karva hatte direkt gesagt, dass er unbedingt weiter machen musste. Zum ersten Mal in seinem Leben w\u00fcnschte er sich einen Godi, den er um Rat fragen konnte. Oder einfach seinen alten Freund Ingibj\u00f6rg. Ingibj\u00f6rg wusste mehr als jeder andere auf Dere, dessen war Faenwulf sicher. Er h\u00e4tte ihm sofort sagen k\u00f6nnen was er tun sollte. Nat\u00fcrlich \u00e4u\u00dferte er seine Sorgen nicht. Alle verlie\u00dfen sich auf ihn und sie alle wussten dass Steinar jetzt bei Swafnir war. Die bedr\u00fcckte Stimmung w\u00fcrde sich wieder aufhellen, so wie es bei Thorwalern immer war. Doch ebenso wie sein Volk die gr\u00f6\u00dften Feste feiern konnte und f\u00fcr seinen unerbittlichen Kampf bekannt war, so waren die Thorwaler auch gerne melancholisch und bedr\u00fcckt. Doch die Trauer um Steinar war nicht sehr tief. Wer k\u00e4mpfte, konnte sterben und nahm dies in Kauf. Durch seinen Tod im Kampf, hatte Steinar sich einen Platz im Kampf Swafnirs gegen die verderbte Seeschlange Hranngar verdient.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sie einige Meilen schweigsam zur\u00fcck gelegt hatten, begann Blotgrimm ein Lied zu pfeifen und schon nach kurzer Zeit stimmte die meisten summend ein. Es war als h\u00e4tte sich ein dunkler Schleier gehoben und die Stimmung wurde besser und besser. Schon bald zeigten sie einander was sie von den Ork gepl\u00fcndert hatten und alle stimmten \u00fcberein, dass der fein geschnitzte Elfenbeinanh\u00e4nger, den ein Rekker namens Thorwald erbeutet hatte, das sch\u00f6nste St\u00fcck war. Karva drehte sich zu Faenwulf um und schenkte ihm ein ermutigendes L\u00e4cheln. Wieder nickte Faenwulf, zwirbelte ein wenig seinen Bart und l\u00e4chelte \u00fcber den neuen Mut und die Hoffnung auf gro\u00dfe Taten die er in sich sp\u00fcrte.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=627\">Kapitel 8<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=646\">Kapitel 10<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einem erstickten Schrei und dem kehligen Knurren von Thurbold geweckt, fuhr Faenwulf aus dem Schlaf hoch. Sofort glitt seine Hand zu seiner Orknase. 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