{"id":676,"date":"2020-05-19T16:06:46","date_gmt":"2020-05-19T16:06:46","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=676"},"modified":"2020-05-30T18:04:15","modified_gmt":"2020-05-30T18:04:15","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=676","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 16"},"content":{"rendered":"\n<p>Es war noch fr\u00fcher Morgen als Ingibj\u00f6rg seine beiden neuen Sch\u00fcler weckte. Heute w\u00fcrden sie ihre erste Probe bestehen m\u00fcssen und da sie vor Sonnenuntergang wieder zu dem kleinen Hof zur\u00fcckkehren wollten, war es ratsam fr\u00fch aufzubrechen. Ragin trug einen Wasserschlauch und einen Beutel mit Proviant f\u00fcr den Weg, w\u00e4hrend Beorn Ingibj\u00f6rgs Rucksack trug. Der Alte hatte ihnen nicht gesagt wo genau sie hingehen w\u00fcrden. Die letzten Wochen hatten sie am Berg verbracht und wenn der Alte sie nicht unterrichtet hatte, mussten sie Feldarbeit leisten. Doch langweilig wurde es nie. Hatten sie ihre F\u00e4higkeiten fr\u00fcher immer unterdr\u00fcckt, schienen sie hier zu wachsen und zu gedeihen. Ob es an dem Berg, an den Lehren des Alten oder an beidem lag war nicht klar, doch die beiden jungen M\u00e4nner waren froh endlich einen Weg zu gehen auf dem sie ihre fr\u00fcher so gef\u00fcrchteten Gaben nutzen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie folgten schmalen Pfaden, ausgetreten von Tieren, immer tiefer in den Wald hinein. Hier und da blieb Ingibj\u00f6rg stehen um Kr\u00e4uter zu sammeln oder in den Wald zu lauschen. Er sprach nicht und die jungen M\u00e4nner trauten sich nicht etwas zu sagen. Wie die kommende Aufgabe aussehen w\u00fcrde blieb ihnen ein R\u00e4tsel, doch obwohl der alte Mann gebrechlich schien, gab er ihnen Sicherheit. Nat\u00fcrlich trugen sie Waffen bei sich. Ragin hatte eine Orknase am G\u00fcrtel und Beorn st\u00fctzte sich beim Gehen auf seinen Speer. Gefahren durch W\u00f6lfe oder Schwarzpelze w\u00fcrden sie abwehren k\u00f6nnen und das wogegen Waffen nutzlos waren, w\u00fcrde der Alte vertreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ingibj\u00f6rg summte leise ein Lied, die Augen halb geschlossen. Er kannte diesen Weg wie die Linien auf seiner Hand und war ihn h\u00e4ufiger gegangen, als er z\u00e4hlen konnte, jedoch immer allein. Heb&#8216; die F\u00fc\u00dfe, Junge, dachte er kichernd und Beorn stolperte zwei Sekunden sp\u00e4ter \u00fcber eine Wurzel. Nicht nur die Runjas liebten ihre Streiche.<\/p>\n\n\n\n<p>Ingibj\u00f6rgs Summen verstummte, als der Pfad begann schmaler zu werden. Es war leicht zu erkennen, dass sich nicht viele Tiere hierher wagten und der Wald wurde bald lichter und der Boden felsiger. Ebenso wurde der Weg steiler und bald standen allen dreien kleine Schwei\u00dfperlen auf der Stirn. \u201eNicht mehr weit\u201c, murmelte Ingibj\u00f6rg mehr zu sich selbst als zu seinen Lehrlingen und griff seinen Gehstock fester. Sie umrundeten einen gro\u00dfen Findling und blickten in den Rachen einer tiefen H\u00f6hle. Sie schien weit in den Berg zu f\u00fchren und der Eingang war so hoch, dass Beorn sie mit geradem R\u00fccken h\u00e4tte betreten k\u00f6nnen. Neben dem Eingang lag der Kadaver eines Wildschweins und etwas das mal ein Wolf gewesen war. Beorn und Ragin fielen sofort die feinen Runen auf, die bis auf die H\u00f6he von drei Schritt um den Eingang herum in den Stein geritzt waren. Einige neu andere fast verblasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ingibj\u00f6rg kniete sich vor die \u00dcberreste eines vor vielen Monden angez\u00fcndeten Feuers und deutete Beorn ihm seinen Rucksack zu geben. Beorn tat wie ihm gehei\u00dfen und beobachtete den Alten wie er ein Feuer entfachte und sofort etwas Rauchkraut in die Flammen warf. Noch w\u00e4hrend er Ingibj\u00f6rgs Tun betrachtete fiel ihm Ragins besorgter Blick auf, der mit zusammengezogenen Brauen auf den H\u00f6hleneingang starrte. Beorn folgte seinem Blick und sein Herz sank. Wie ein schwarzes Maul klaffte die H\u00f6hle hinter ihnen und schien jedes bisschen Licht zu verschlucken. Trotz der Sonne, die hell \u00fcber ihnen schien, war im Inneren der H\u00f6hle nichts zu erkennen. Im Gegenteil, schien die Dunkelheit eher aus ihr herauszukriechen. Instinktiv griffen beide an Metall und wandten sich dann wieder dem Alten zu, der sich zu ihnen umwandte und ihnen deutete sich zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sa\u00dfen um das Feuer herum und starrten in die Flammen. Mal schien die Zeit zu rennen, mal schien sie zu kriechen, doch die jungen M\u00e4nner wagten nicht zu fragen worauf sie warteten. Ihre R\u00fccken begannen zu schmerzen und die K\u00e4lte des Bodens kroch in ihre Glieder. Gerade als sie dachten, sie w\u00fcrden es nicht mehr aushalten weiter dort zu sitzen, h\u00f6rten sie es. Leise Stimmen, fl\u00fcsternd, manche kichernd, die aus der H\u00f6hle drangen. Die Worte waren unverst\u00e4ndlich, doch sie waren ganz klar da. \u201eRunjas\u201c, fl\u00fcsterte Ingibj\u00f6rg in strengem Ton zur\u00fcck und die Stimmen verstummten fast augenblicklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sa\u00dfen weiter dort, diesmal geduldiger. Die Sonne stand schon wesentlich tiefer, doch das worauf Ingibj\u00f6rg zu warten schien, lie\u00df sich Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist hier\u201c, fl\u00fcsterte Ingibj\u00f6rg und riss damit seine Lehrlinge aus ihrer Trance. Er begann mit einem Stock Runen in den Boden zu zeichnen und sie h\u00f6rten, dass sich hinter ihnen etwas regte. Etwas gro\u00dfes schien sich mit schnellen Schritten zu n\u00e4hern, doch egal wie angestrengt die jungen M\u00e4nner auch in die Dunkelheit starrten, sie konnten nicht ausmachen was dort auf sie zu kam. Ein kehliges Knurren erklang, das von den W\u00e4nden der H\u00f6hle widerhallte und sie erkannten, dass es schon n\u00e4her war, als gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ingibj\u00f6rg zeichnete einen Wolf in den Sand umringt von Runen, von denen die jungen M\u00e4nner nur einige kannten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wesen war jetzt ganz nah und sie konnten eine Bewegung in der H\u00f6hle erkennen. Beorn und Ragin sp\u00fcrten seinen hei\u00dfen Atem in ihren Nacken, der nach Tod und Verwesung stank. Gleichzeitig lehnten sie sich nach vorn und begannen mit ihren Fingern ebenfalls Runen in den Sand zu zeichnen. Es geschah mehr instinktiv als wissentlich, doch das w\u00fctende Knurren verstummte. Mit einer schwungvollen Geste wischte Ingibj\u00f6rg den im Sand gezeichneten Wolf fort und ein zornerf\u00fclltes Bellen erklang aus der H\u00f6hle. Beorn und Ragin sahen das Aufblitzen gelber Augen, die jedoch sofort wieder verschwanden. Der Bewohner der H\u00f6hle entfernte sich, doch sie konnten seinen abgrundtiefen Hass sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit knackenden Knochen und steifen Gliedern erhoben sie sich. Wenn sie das Grassodenhaus vor Sonnenuntergang erreichen wollten, mussten sie aufbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Niemand sprach auf dem Weg zur\u00fcck und die beiden jungen M\u00e4nner versuchten zu lauschen, ob die Runjas ihnen etwas mitteilen wollten. Doch wie so oft waren ihre Botschaften wirr und nicht zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Grassodenhaus setzten sie sich wieder um das Feuer, doch hier war es warm und gem\u00fctlich. Sie streckten ihre Glieder auf gem\u00fctlichen Fellen aus und a\u00dfen Brot mit Schmalz, w\u00e4hrend Ingibj\u00f6rg einen Apfel schnitt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHeute habt ihr Goifang getroffen\u201c, begann er und reichte Ragin ein St\u00fcck Apfel. \u201eEr lebt schon lange hier, durchstreifte die W\u00e4lder bis hinunter nach Waskir, doch jetzt ist die Zeit gekommen, dass wir ihn vertreiben m\u00fcssen. Dieser Ort ist f\u00fcr wichtigeres bestimmt und Goifang ist eine zu gro\u00dfe Gefahr. Ich habe ihn gebannt, schon etliche Male, doch dieses Mal brauche ich eure Hilfe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die jungen M\u00e4nner nickten bestimmt, doch beide sp\u00fcren Angst in sich. Goifang war ein m\u00e4chtiger Geist, der schon lange seine Wurzeln tief in den Berg gegraben hatten. Tiefe Wurzeln, die schwer auszurei\u00dfen waren, auch mit der Hilfe des Alten.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=663\">Kapitel 15<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=683\">Kapitel 17<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war noch fr\u00fcher Morgen als Ingibj\u00f6rg seine beiden neuen Sch\u00fcler weckte. 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