{"id":683,"date":"2020-05-30T18:03:57","date_gmt":"2020-05-30T18:03:57","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=683"},"modified":"2020-05-30T18:05:44","modified_gmt":"2020-05-30T18:05:44","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=683","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 17"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie waren wieder auf See. Nach dem H\u00f6gg waren sie alle gut ausgeruht, ges\u00e4ttigt und zufrieden. Niemand war mit leeren H\u00e4nden auf die Vegah\u00f6gg zur\u00fcck gekehrt. Ein guter Start also.<br>Dazu stand der Wind gut und sie hatten kaum rudern m\u00fcssen. W\u00e4hrend der Rest der Mannschaft sich unterhielt oder sich die Sonne auf den Bauch scheinen lie\u00df, beratschlagte Faenwulf sich mit Karva und Blotgrimm \u00fcber ihr n\u00e4chstes Ziel.<br>\u201eBrabak\u201c, dr\u00f6hnte Blotgrimm. \u201eWir k\u00f6nnen Waren tauschen und vielleicht heuert uns jemand an. Eine Horde Thorwaler kann doch jeder gebrauchen.\u201c Faenwulf war skeptisch, hatte jedoch spontan keine andere Idee. Sie hatten noch viel Zeit und ein kleiner Abstecher nach Brabak konnte nicht schaden. \u201eVielleicht sollten wir auch&#8230;\u201c Ein Rufen von Eilif Holzauge unterbrach ihn. \u201eSchwarze Segel!\u201c, rief er, einen Arm um den Kopf des Drakkar geschlungen. \u201eSchwarze Segel!\u201c<br>Die Thorwaler blickten auf. Schwarze Segel konnten nur eins bedeuten. Eine Al&#8217;Anfanische Galeere.<br>Jeglicher Frohsinn war Zorn gewichen, bei manchen auch unverhohlenem Hass. Faenwulf musste kein Wort sagen. Es war klar, dass ihnen ein Kampf bevor stand und er schritt her\u00fcber zu seiner Ruderkiste um seine Kr\u00f6tenhaut heraus zu holen. Die meisten, zumindest die die leichte R\u00fcstung besa\u00dfen, taten es ihm gleich. Schwere R\u00fcstung, bis auf Helme, waren auf hoher See eher nicht ratsam. So schnell es ging zogen sich alle an und schnallten sich ihre Waffen um. Manche schickten kurze, w\u00fctende Gebete an ihren zornigen Gott.<br><br>Der Drakkar hatte Kurs auf die Galeere genommen und die ersten Rufe in einer fremden Sprache waren zu h\u00f6ren. Faenwulf \u00fcberlegte, ob er etwas sagen sollte, doch er entschied sich dagegen. Die Feindschaft zwischen Thorwal und Al&#8217;Anfa sa\u00df so tief, dass Worte eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig waren. Der Aal war geladen und die Stinkt\u00f6pfe waren bereit. Jetzt hie\u00df es der Galeere auszuweichen und den ersten Angriff zu machen. Der Drakkar war schneller und wendiger als die Galeere, doch der Rammsporn am Bug des Schiffes war vernichtend, wenn er sie traf.<br>Die Stimmung war angespannt und die sonst so fr\u00f6hlichen Thorwaler von einer d\u00fcsteren Stimmung befallen. Die Besatzung der Galeere rief ihnen offensichtliche Verspottungen zu, doch das k\u00fcmmerte sie nicht. \u201eWir f\u00e4rben das Meer mit eurem Blut, ihr Hunde\u201c, murmelte Faenwulf d\u00fcster. \u201eLos!\u201c, br\u00fcllte er dann. Mit einem lauten Zischen schleuderte der Aal den Speer und verfehlte sein Ziel nicht. Ein Mann in lederner R\u00fcstung, der laut Befehle br\u00fcllte, wurde durchbohrt und von Bord gerissen. Nur gro\u00dfe Spritzer Blut zeugten davon, dass er \u00fcberhaupt einmal dort gestanden hatte.<br>Schreie waren vom feindlichen Schiff zu h\u00f6ren, das jetzt so nah war, dass Faenwulf die verzerrten Gesichter der M\u00e4nner erkennen konnte, gegen die er gleich k\u00e4mpfen w\u00fcrde.<br>Die Thorwaler banden sich mit Essig getr\u00e4nkte T\u00fccher vor Mund und Nase, kurz bevor zwei Stinkt\u00f6pfe mit viel Schwung an Deck der Galeere geschleudert wurden. Der Gestank trieb ihnen sogar auf dem Drakkar die Tr\u00e4nen in die Augen und viele auf der Galeere, Besatzung wie Sklaven, begannen sich zu \u00fcbergeben. Der Moment war g\u00fcnstig. Als das Schiff nah genug war, sprangen die Thorwaler auf die Galeere. Schn\u00fcre wurden gespannt, um ein auseinanderdriften der Schiffe zu vermeiden, Speere wurden geworfen und die erste Reihe der gegnerischen Besatzung wurde von den vorst\u00fcrmenden Thorwalern einfach von ihren F\u00fc\u00dfen gerissen. Die Kinder Swafnirs br\u00fcllten ihren Zorn heraus und f\u00e4llten alles, was ihnen vor die \u00c4xte kam. Es war klar, dass sie im Falle eines Sieges, niemanden am Leben lassen w\u00fcrden.<br>Die angeketteten Menschen hockten sich \u00e4ngstlich an die Bordwand, nicht wissend wer Freund oder Feind war. Geblendet vor Zorn schlug Faenwulf immer wieder zu. Er sp\u00fcrte kaum wie ihm ein Schwertstrich den Arm aufschnitt, sondern riss nur seinen Schneidzahn vom G\u00fcrtel und schleuderte ihn seinem Gegen\u00fcber entgegen. Mit einem lauten Knirschen grub sich die Klinge der Wurfaxt in die Brust des Mannes, der einen Schwall Blut erbrach und regungslos liegen blieb. Der Boden war rutschig von Erbrochenem, Blut und Eingeweiden und Faenwulf mahnte sich vorsichtig zu sein. Er riss die Wurfaxt aus dem K\u00f6rper des Mannes und warf sie erneut. Wieder traf sie ihr Ziel und spaltete einem weiteren Al&#8217;Anfaner den Sch\u00e4del.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf k\u00e4mpfte damit den \u00dcberblick zu behalten, seine Mannschaft zu z\u00e4hlen und dabei alle Angriffe abzuwehren, die versuchten ihn zu treffen. Der Skjald w\u00e4re hier praktisch gewesen, doch nicht sehr n\u00fctzlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Moment wich er einem Speerstich aus, ergriff den Schaft und riss den Speertr\u00e4ger von den F\u00fc\u00dfen. Der Zorn in ihm wuchs noch mehr. Mit einem gezielten Tritt seiner schweren Stiefel dellte er den Brustkorb des Mannes ein, der ihn blutspuckend verfluchte. Eigene Fl\u00fcche aussto\u00dfend stach Faenwulf den Mann ab wie ein Schwein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Widerstand begann abzuebben. Die Galeere war verloren, das war klar und doch k\u00e4mpften die Sklaventreiber bis zum bitteren Ende. Bryda wehrte sich gegen zwei Angreifer, als Faenwulf erneut zum Schneidzahn griff und einen von ihnen f\u00e4llte.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch w\u00e4hrend Faenwulf die Wurfaxt aus dem Brustkorb seines Opfers zog, lenkte ein hohes Schreien seine Aufmerksamkeit zum Heck des Schiffs.<br>Ein Mann, offensichtlich einer der Sklaventreiber, hielt ein Kind in den Armen, ein breites Grinsen auf den schmalen, blutbefleckten Lippen. In seiner rechten Hand gl\u00e4nzte ein Dolch. In einer Geste des letzten Triumphs schnitt er dem Kind die Kehle durch. Blut schoss aus der Wunde, w\u00e4hrend das Leben in den Augen des Kindes langsam erlosch.<\/p>\n\n\n\n<p>Zorn, von dem er dachte er k\u00f6nnte nicht gr\u00f6\u00dfer werden, stieg in Faenwulf auf, doch ein Br\u00fcllen, das fast nicht mehr menschlich schien, lenkte ihn ab. Blotgrimm hatte den Mann fixiert und Wahnsinn gl\u00e4nzte in seinen Augen. Wieder br\u00fcllte er voller Zorn, die m\u00e4chtige Axt fest ergriffen, und preschte los, wobei er Faenwulf von den F\u00fc\u00dfen riss. Schaum bildete sich auf seinen Lippen und alles auf seinem Weg zu dem Kindsm\u00f6rder rammte er fort. \u201eSwafskari!\u201c, br\u00fcllte Faenwulf \u00fcber den Kampfesl\u00e4rm und zumindest die Thorwaler verstanden und reagierten sofort. Jeder von ihnen suchte den, der der Walwut verfallen war und lie\u00df ihn nicht aus den Augen. Jetzt galt es nicht nur sich vor dem Gegner in Acht zu nehmen, sondern auch vor einem der ihren.<br>Blotgrimm hatte den Kindsm\u00f6rder nun erreicht und so wie er es immer tat, schlug er mit seiner gro\u00dfen Axt zu. Der Haken bohrte sich tief in die Schulter des M\u00f6rders und mit einem Ruck riss er den nun kreischenden Mann zu sich. Seine gro\u00dfe Hand schloss sich um dessen Hals, w\u00e4hrend er mit der anderen immer wieder zuschlug. Die Schreie verstummten sehr schnell und auch als der Kopf des Al&#8217;Anfaners nur noch ein blutiger Brei war, wagte niemand einzugreifen. Der leiser werdende Kampfl\u00e4rm lenkte jedoch Blotgrimms Aufmerksamkeit auf sich und mit einem weiteren w\u00fctenden Br\u00fcllen st\u00fcrzte er sich auf den ihm am n\u00e4chsten stehenden Krieger. Mit schier unb\u00e4ndiger Kraft riss er dem Mann fast den Arm aus, griff dann seine Axt und grub das Blatt tief in den Brustkorb des Mannes.<br>Wie ein Orkan fegte Blotgrimm \u00fcber das Deck und m\u00e4hte alles nieder, das ihm vor die Klinge kam. Die Thorwaler hatten ihre liebe M\u00fche die unschuldigen Sklaven aus der Reichweite des Walw\u00fctigen zu rei\u00dfen, doch wie durch ein Wunder wurde nur Eilif leicht verletzt.<br>Als der Kampf entschieden war, sprang Faenwulf beherzt auf Blotgrimms R\u00fccken, der immer noch tobte wie ein w\u00fctender Pottwalbulle. Bryda brachte den H\u00fcnen zu Fall und mehr und mehr der Thorwaler warfen sich auf ihren Kameraden, bis dieser sich nicht mehr r\u00fchren konnte. Es schien ewig zu dauern bis Swafnirs Zorn abebbte und Blotgrimm verlor das Bewusstsein.<br><br>Jetzt war es Zeit sich umzusehen. Die meisten ihrer Gegner waren tot oder von Bord gegangen, doch die meisten der Sklaven hockten immer noch ver\u00e4ngstigt an Bord der Galeere. So ordnete Faenwulf an alle Wertsachen vom Schiff zu holen und die Sklaven auf den Drakkar zu schaffen. Sie w\u00fcrden bis zum Strand segeln und die Gefangenen dort frei lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=676\">Kapitel 16<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=688\">Kapitel 18<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie waren wieder auf See. Nach dem H\u00f6gg waren sie alle gut ausgeruht, ges\u00e4ttigt und zufrieden. Niemand war mit leeren H\u00e4nden auf die Vegah\u00f6gg zur\u00fcck gekehrt. 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