{"id":688,"date":"2020-05-30T18:05:31","date_gmt":"2020-05-30T18:05:31","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=688"},"modified":"2020-08-16T08:33:48","modified_gmt":"2020-08-16T08:33:48","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=688","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 18"},"content":{"rendered":"\n<p>Niemand sprach auf dem Weg zur\u00fcck zum Strand. Zwischendurch gab Faenwulf eine Anweisung, doch er betrachtete wortlos die Sklaven, denen sie nun die Freiheit schenken w\u00fcrden. Faenwulf kannte ihre Geschichten nicht, wusste nicht woher sie stammten oder wohin sie gehen w\u00fcrden, doch er war sicher dass es \u00fcberall besser war als auf der Galeere und in Al&#8217;Anfa.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren junge M\u00e4nner unter ihnen, Frauen und Kinder. Doch alle gleichfalls ver\u00e4ngstigt. Manche weinten. Faenwulf fragte sich, ob jemand von ihnen schon mal von einer Ottajasko \u00fcberfallen worden war, ob sie vor ihnen genauso viel Angst hatten, wie vor den Sklaventreibern. Doch das w\u00fcrde bald keine Rolle mehr spielen. Der Strand n\u00e4herte sich und schon bald w\u00fcrden sich ihre Wege trennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Drakkar auf den Strand stie\u00df, sch\u00fcttelte es einige ordentlich durch. Faenwulf sprang von Deck und deutete den ehemaligen Sklaven das Schiff zu verlassen. \u201eKommt\u201c, rief er auf Garethi. \u201eIhr seid frei. Geht! Macht was ihr wollt.\u201c Mit beherzten Schl\u00e4gen wurden die letzten Fesseln gesprengt und die ungew\u00f6hnlichen Passagiere verlie\u00dfen das Schiff. Einige blickten sich nicht um, sprachen kein Wort mit ihren Befreiern, doch andere dankten in ihren fremd klingenden Sprachen. Eine \u00e4ltere Frau legte sanft ihre Hand auf Faenwulfs Wange, blickte ihm tief in die Augen und verschwand dann \u00fcber die D\u00fcnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses komische Gef\u00fchl, das in Faenwulf br\u00fctete verschwand langsam und wurde ersetzt durch Stolz. Stolz darauf, dass sie besser waren als die Al&#8217;Anfaner. Dieses dreckige Pack, die Menschen hielten wie Vieh.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulfs Aufmerksamkeit wurde wieder zur Vegah\u00f6gg gelenkt. Einige seiner Leute standen ratlos an Bord und wussten anscheinend nicht was sie tun sollten. Faenwulf blickte Karva fragend an, doch die gestikulierte nur ihr Unverst\u00e4ndnis. Einer der Sklaven war an Bord geblieben. Er hatte sich neben Blotgrimm gesetzt, der noch immer nicht das Bewusstsein wieder erlangt hatte, und betupfte seine Stirn mit k\u00fchlem Wasser. Es war ein junger Moha, der Faenwulf herzlich anl\u00e4chelte. Er trug nichts au\u00dfer einem Lendenschurz, Talismanen und einer Decke, die er sich als Mantel umgebunden hatte. Faenwulf sah die Narben auf seinen Schultern, die von Peitschenschl\u00e4gen herr\u00fchrten und sp\u00fcrte den Zorn hei\u00df in seinem Magen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu kannst gehen\u201c, begann Faenwulf und deutete auf den Strand. \u201eDu bist frei.\u201c Der Moha nickte und erhob sich. Er war sehr schlank und reichte Faenwulf kaum bis zur Schulter. \u201e\u201cMatatoa\u201c, sagte er l\u00e4chelnd und deutete auf sich, dann deutete er auf Faenwulf und blickte den Thorwaler fragend an. \u201eIch bin Faenwulf\u201c, antwortete dieser verbl\u00fcfft, aber auch am\u00fcsiert. \u201eDu kannst gehen wenn du willst.\u201c Doch Matatoa blickte ihn mit allwissenden, dunklen Augen an und sch\u00fcttelte nur den Kopf. Faenwulf wusste nicht was er sagen sollte, doch es war nicht ungew\u00f6hnlich dass Mohas auf thorwalschen Schiffen anheuerten. Wenn er bleiben wollte, sollte er bleiben. Und wenn es ihm doch nicht gefiel, war er kein Verlust. Also nickte Faenwulf nur und befahl dem Rest der Mannschaft den Drakkar wieder vom Strand zu schieben. Sie hatten gen\u00fcgend Beute gemacht, die sie nun los werden mussten und wo ging das besser als in Brabak?<\/p>\n\n\n\n<p>Also ruderten sie. Matatoa tat sein bestes und l\u00f6ste zwischendurch die ab, die eine Pause brauchten, doch er war zu ersch\u00f6pft von seiner Gefangenschaft, als dass er lange h\u00e4tte rudern k\u00f6nnen. So blickte er die meiste Zeit raus aufs Meer und schien den Wind in seinem Gesicht zu genie\u00dfen. Frei von Fesseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf blickte ebenfalls nachdenklich aufs Meer. Was symbolisierte Freiheit besser als das Meer? Das endlose Blau, die Wellen und der Wind. Und nat\u00fcrlich seine Bewohner. Die Wale, die schwammen wohin sie wollten und niemand hielt sie auf. Wild und frei jagten und spielten sie, stets besch\u00fctzt von ihrem Vater Swafnir. Ihrem gemeinsamen Vater. Noch nie hatte jemand Ketten um Faenwulfs Arme gelegt und er w\u00fcrde lieber sterben, als f\u00fcr immer gefangen zu sein. So ging es ihm und seinem Volk. Freiheit als das h\u00f6chste Gut. Was gab es mehr? Er war froh, dass sie den Sklaven hatten helfen k\u00f6nnen und die Sklaventreiber ihre Strafe erhalten hatten. Ihre K\u00f6rper sanken nun in die Tiefe, zerfetzt von Haien und anderem Getier. Niemals w\u00fcrden sie die dunkle Tiefe verlassen k\u00f6nnen. Eine Strafe schlimmer als der Tod, doch sie hatten es verdient.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf wurde aus seinen Gedanken gerissen als Matatoa eine Hand auf seine Schulter legte und auf eine M\u00f6we deutete. Der Hafen Brabaks war in der Ferne zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=683\">Kapitel 17<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=697\">Kapitel 19<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand sprach auf dem Weg zur\u00fcck zum Strand. Zwischendurch gab Faenwulf eine Anweisung, doch er betrachtete wortlos die Sklaven, denen sie nun die Freiheit schenken w\u00fcrden. 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