{"id":701,"date":"2020-08-16T08:35:12","date_gmt":"2020-08-16T08:35:12","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=701"},"modified":"2020-08-16T08:37:56","modified_gmt":"2020-08-16T08:37:56","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=701","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 20"},"content":{"rendered":"\n<p>Als Faenwulf am n\u00e4chsten Morgen erwachte, f\u00fchlte er sich nicht wirklich ausgeruht, doch zufrieden. Er und Bryda waren erst sp\u00e4t dazu gekommen zu schlafen. Bryda war immer noch bei ihm und schlief friedlich an seiner Schulter. Faenwulf betrachtete sie. Ihr dunkles Haar, das auf ihrem Kissen ausgebreitet war, ihre helle Haut und die vielen kleinen Verletzungen, die sie in den letzten Wochen davongetragen hatte. Faenwulf f\u00fchlte das Verlangen in sich, als er die junge Thorwalerin so nackt neben sich schlafen sah, doch daf\u00fcr war jetzt keine Zeit. Es war bereits taghell drau\u00dfen und er wollte wirklich nicht als letzter an der Vegah\u00f6gg ankommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Bryda zu wecken stand Faenwulf auf und wusch sich an einer Schale mit Wasser. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde das Wasser au\u00dferhalb der Heimat ihn nicht s\u00e4ubern, doch er wollte nicht nach Bier und Lust stinkend an seinem Schiff ankommen. Mit ge\u00fcbten Handgriffen flocht er sein langes Haar zu einem Zopf und begann sich anzuziehen. Bryda erwachte langsam, machte aber keine Anstalten aufzustehen. Mit einem zufriedenen Grinsen beobachtete sie Faenwulf dabei wie er sich anzog.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAnstatt zu starren solltest du dich auch anziehen\u201c, bemerkte Faenwulf schmunzelnd, w\u00e4hrend er die Schnallen seiner Kr\u00f6tenhaut schloss. Bryda sch\u00fcttelte lachend den Kopf. \u201eIch brauche mehr als nur eine Katzenw\u00e4sche\u201c, lachte sie. \u201eIhr werdet ja nicht ohne mich fort segeln.\u201c Nachdem er sie noch ein letztes Mal betrachtet hatte, verlie\u00df Faenwulf den Raum. Die Taverne war nun bis auf ein paar schlafende Trunkenbolde leer und der Wirt hatte mit dem Aufr\u00e4umen begonnen. Die Stadt ging bereits ihren allt\u00e4glichen Gesch\u00e4ften nach und Faenwulf besorgte sich etwas frisch gebackenes Brot und Obst, um es auf der Vegah\u00f6gg zu essen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige aus der Mannschaft warteten bereits beim Drakkar, manche ganz sch\u00f6n \u00fcbern\u00e4chtigt. Doch wer feiern konnte, konnte auch rudern, oder nicht? Nachdem er die M\u00fcnzen in seiner Ruderkiste verstaut hatte, schlenderte Faenwulf zum stolzen Drachenkopf der Vegah\u00f6gg, um sein Fr\u00fchst\u00fcck zu sich zu nehmen. Matatoa, der anscheinend den Katzenjammer seines Lebens hatte, blickte ihn schmerzerf\u00fcllt an, als er die Vegah\u00f6gg betrat. \u201eBlotgrimm ist ein guter Mann\u201c, bemerkte er nur. \u201eJeder mag ihn.\u201c Faenwulf nickte nur. Solange man am richtigen Ende der Axt stand, war Blotgrimm der beste Freund den man haben konnte. Wollte er einem den Sch\u00e4del zu Brei schlagen, suchte man besser das Weite.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAeniko\u201c, sagte Matatoa dann und Faenwulf wusste nicht was das bedeuten sollte. \u201eAeniko ist die Insel\u201c, fuhr Matatoa fort. \u201eDort sind die M\u00fcnzen.\u201c Faenwulf deutete Eilif zu ihnen her\u00fcber zu kommen. Dieser schien heute noch m\u00fcrrischer als sonst, doch er kam und lauschte Matatoas Erz\u00e4hlungen. \u201eIch wei\u00df wo das ist\u201c, grummelte er. \u201eGef\u00e4hrliche Gegend. Es wimmelt von Piraten. Die Inseln sind von Malstr\u00f6men umgeben und dann sind da nat\u00fcrlich noch die Schlangenanbeter.\u201c Faenwulf verzog das Gesicht. War es das wert? Die Mannschaft und sein Schiff zu riskieren, f\u00fcr einen Schatz den es eventuell gar nicht gab? Er schaute her\u00fcber zu Matatoa, der ihn mit ehrlichen, freundlichen Augen anblickte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00dcber Feiglinge werden keine Lieder gesungen\u201c, sagte Faenwulf dann entschieden und rief die Mannschaft aufs Schiff. Alle lauschten gespannt seinem Plan. Sie w\u00fcrden also zur Insel Aeniko segeln, eine der \u00e4u\u00dfersten Inseln im Perlenmeer und auf Schatzsuche gehen. Die erfahreneren Seefahrer blickten ungl\u00e4ubig drein, w\u00e4hrend die Jungen es kaum erwarten konnten. Sie waren nun vollz\u00e4hlig und jeder bemannte nun sein Ruder. Karva, deren Ruderkiste neben Faenwulfs lag, betrachtete ihn nachdenklich. \u201eDu triffst Entscheidungen nicht mehr so z\u00f6gerlich. Das ist gut.\u201c Faenwulf nickte nur. Es war nicht so einfach Entscheidungen f\u00fcr so viele zu treffen, doch als Kapit\u00e4n musste er es nun mal tun. Heute Abend w\u00fcrde er einen Teil der M\u00fcnzen aufteilen, die er f\u00fcr das Pl\u00fcndergut erhalten hatte. Die meisten hatten in der letzten Nacht viel Geld bei den Wirten und Huren Brabaks gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sie den Hafen verlassen hatten, zog ein guter Wind auf und die Ruder konnten eingezogen werden. Das rot-wei\u00df gestreifte Segel bl\u00e4hte sich im Winde und trug den Drakkar schnell \u00fcber die Wellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde nicht viel gesprochen. Karva hing ihren Gedanken nach, Blotgrimm trauerte den beiden h\u00fcbschen Schankmaiden nach, die er in Brabak hatte zur\u00fcck lassen m\u00fcssen und der Rest schien sich noch von der gestrigen Nacht zu erholen.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf blickte auf, als sich zwei der M\u00e4nner vor ihm aufbauten. Arngrimm und Tjalf waren in Waskir von Blotgrimm eingesammelt worden. Sie waren erfahrene Seefahrer, was man ihnen sofort ansah. Sie hatten ungef\u00e4hr Faenwulfs Alter und schienen alles andere als zufrieden mit der Situation zu sein. \u201eWir k\u00f6nnen nicht so weit segeln\u201c, begann Arngrimm ohne lange Erkl\u00e4rungen. \u201eDieser Plan ist zum Scheitern verurteilt. Entweder t\u00f6ten uns die Piraten oder das Schiff wird von der Tiefe verschlungen.\u201c Einige nickten zustimmend. \u201eWieso segeln wir nicht weiter an der K\u00fcste und h\u00f6ggen?\u201c Faenwulf verzog das Gesicht und erhob sich. Er war einen halben Kopf gr\u00f6\u00dfer als Arngrimm und wesentlich kr\u00e4ftiger. \u201eWer h\u00e4tte gedacht, dass du so ein Teigherz bist?\u201c, spottete Faenwulf. \u201eVielleicht w\u00e4re Fiskimader das passendere f\u00fcr dich gewesen.\u201cArngrimm blickte ihn zornig an und schlug Faenwulf dann mit der Faust ins Gesicht. Sofort brach Chaos an Bord aus. Faenwulf schlug ebenfalls zu und holte Arngrimm mit einem kr\u00e4ftigen Haken von den F\u00fc\u00dfen. Noch bevor Tjalf seinem Freund zur Hilfe eilen konnte, hatte Blotgrimm ihn gepackt und jeglichen Widerstand mit zwei gezielten Schl\u00e4gen in die Magengrube ausgemerzt. Zwei weitere Herferder sprangen auf und griffen Blotgrimm an, dem wiederum Bryda und Eilif zur Hilfe eilten. Faenwulf versetzte Arngrimm einen beherzten Tritt in die Magengegend und teilte dann einem weiteren Herferder einen Nierenhaken aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schl\u00e4gerei beruhigte sich schnell. Haupts\u00e4chlich weil Faenwulf und Blotgrimm in ihren j\u00fcngeren Jahren keinem Faustkampf aus dem Weg gegangen waren und somit ge\u00fcbte K\u00e4mpfer waren. Faenwulf wischte sich das Blut aus dem Gesicht, das noch immer aus seiner Nase tropfte und blickte die M\u00e4nner und Frauen an. \u201eIch mache diese Ansage nur einmal. Auf diesem Schiff, meinem Schiff, wird gemacht was ich sage. Ich habe euch angeheuert und bezahle euch. Wir sind keine Ottajasko, in der \u00fcber alles diskutiert wird. Wir segeln dorthin, wohin ich es f\u00fcr richtig halte. Wem das nicht passt, der kann die Vegah\u00f6gg verlassen, sobald wir das n\u00e4chste Mal an Land gehen.\u201c Nachdem keiner etwas dagegen sagte, stand Faenwulf auf und wandte der Mannschaft den R\u00fccken zu. \u201e\u00dcber Teigherzen werden keine Lieder gesungen\u201c, sagte er m\u00fcrrisch und schritt zum Kopf der Vegah\u00f6gg wo er auf der weite Meer hinaus blickte.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=697\">Kapitel 19<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=705\">Kapitel 21<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Faenwulf am n\u00e4chsten Morgen erwachte, f\u00fchlte er sich nicht wirklich ausgeruht, doch zufrieden. Er und Bryda waren erst sp\u00e4t dazu gekommen zu schlafen. 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