{"id":705,"date":"2020-08-16T08:37:44","date_gmt":"2020-08-16T08:37:44","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=705"},"modified":"2020-08-16T08:39:23","modified_gmt":"2020-08-16T08:39:23","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=705","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 21"},"content":{"rendered":"\n<p>Ingibj\u00f6rg und seine beiden Sch\u00fcler hatten sich den gestrigen Tag \u00fcber auf ihre Abreise vorbereitet. Sie hatten Proviant f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Fu\u00dfmarsch dabei, der Richtung Waskir vor ihnen lag. Der Alte hatte sich nach dem Besuch an der H\u00f6hle die meiste Zeit alleine in seinem Grasodenhaus aufgehalten, ihnen doch so gut es ging zu erkl\u00e4ren versucht, wie der Plan war. Sie w\u00fcrden nun nach Waskir reisen, um ein Ritual vorzubereiten. Ingibj\u00f6rg stand so tief mit den Runjas in Verbindung, dass er Dinge wusste, die eigentlich unm\u00f6glich zu wissen waren. Er bereitete etwas vor, bereitete den Berg auf etwas vor, das in nicht allzu ferner Zukunft lag.<\/p>\n\n\n\n<p>So hatte er Beorn und Ragin fr\u00fch geweckt. Bei dem Tempo des Alten w\u00fcrden sie es nicht innerhalb eines Tages in die gro\u00dfe Stadt schaffen, also mussten sie auch Waffen mitnehmen, um sich zur Not zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine fr\u00f6hliche Melodie summend, brachen sie auf Richtung Waskir. Den jungen M\u00e4nnern brannten so viele Fragen unter den Fingern\u00e4geln, doch der Alte wiederholte immer wieder, dass sich alles aufkl\u00e4ren w\u00fcrde und ihre Fragen beantwortet w\u00fcrden. Immer wieder schnitt er ein paar Kr\u00e4uter, die auf ihrem Weg lagen und verstaute sie in seiner Tasche. Sie w\u00fcrden bald damit anfangen m\u00fcssen sich auf den Winter vorzubereiten. Am Berg schneite es lange und viel und kaum ein H\u00e4ndler verirrte sich zu Ingibj\u00f6rgs Heimat. So wollte er mit einigen H\u00e4ndlern sprechen, die Trockenfleisch und -fisch, Dinkel und anderen Proviant zum Berg liefern sollten. In der Zwischenzeit w\u00fcrden sie andere Dinge erledigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das letzte Ritual hatte die jungen M\u00e4nner beeindruckt, aber auch ver\u00e4ngstigt. Bei ihrem alten Lehrmeister hatten sie sich ausschlie\u00dflich darauf konzentriert ihre F\u00e4higkeiten zu schulen und zu lernen die Runjas zu verstehen. Ingibj\u00f6rg f\u00fchrte dies fort, doch er bereitete sie ebenso auf einen Kampf gegen einen m\u00e4chtigen Geist vor, der seinen Platz am Berg nicht einfach aufgeben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGoifang ist vor vielen Jahrzehnten bis nach Waskir gewandert\u201c, begann Ingibj\u00f6rg zu erz\u00e4hlen und nahm einen Schluck aus dem Wasserschlauch. \u201eHat dort Menschen und Tiere get\u00f6tet. Selbst die Schwarzpelze haben Angst vor ihm. Er ist auch der Grund warum sie uns bisher in Ruhe gelassen haben. Der Geist \u00e4ngstigt sie zu sehr.\u201c Die beiden Sch\u00fcler h\u00f6rten ihm gebannt zu. \u201eMit Hilfe der Waskirer konnten wir ihn allerdings zur\u00fccktreiben und schlie\u00dflich bannen. Bis in die H\u00f6hle, die ihr vor einigen Tagen gesehen habt. Doch der Geist ist stark und Rituale halten nicht ewig, daher m\u00fcssen wir das tun, was wir jetzt planen. Die Menschen in Waskir werden uns helfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Danach \u00e4u\u00dferte sich der Alte nicht mehr zu dem Ritual oder dem Geist und die beiden jungen M\u00e4nner wagten auch nicht zu fragen. So erz\u00e4hlten sie wiederum Geschichten \u00fcber ihren alten Lehrmeister, der ein guter Freund Ingibj\u00f6rgs gewesen war, aber wesentlich strenger und ein richtiger Sauertopf. Ingibj\u00f6rg lachte laut, als Ragin erz\u00e4hlte, dass er von ihrem alten Lehrmeister regelm\u00e4\u00dfig aus dem Schlaf gerissen worden war, um Runen zu werfen und zu deuten. \u201eEin guter Godi ist in jeder Situation in der Lage zu deuten und zu sehen\u201c, imitierte Ragin den alten Mann. Ingibj\u00f6rg sch\u00fcttelte nur den Kopf. Er selbst hielt nicht viel von Strenge, war er doch die meiste Zeit seines Lebens von Ort zu Ort gereist und hatte in den Tag hinein gelebt. F\u00fcr Strenge und Ernsthaftigkeit war da nie viel Platz gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf ihrem Weg kamen sie an einem alten Orklager vorbei und einigen Grabh\u00fcgeln, die mit orkischen Runen verziert waren. Die Gr\u00e4ber waren noch nicht sehr alt und sie entschieden sich noch etwas weiter zu gehen, um eventuell herum streunenden Orks aus dem Weg zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir werden einen Freund von mir in Waskir abholen\u201c, begann Ingibj\u00f6rg, als sie abends am Feuer sa\u00dfen. Ihr Lager hatten sie unter einem Felsvorsprung aufgeschlagen und ruhten ihre m\u00fcden F\u00fc\u00dfe aus. Ingibj\u00f6rg rollte eine Wolldecke zusammen und setzte sich darauf. \u201eEr ist Steinmetz und wird uns helfen, die Runen an der H\u00f6hle zu erneuern. Sie sind sehr wichtig und zusammen haben wir es bereits einmal geschafft. Doch es braucht Zeit. Die m\u00fcssen wir ihm verschaffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nacht war kurz und sehr k\u00fchl. Der Alte hatte die meiste Zeit Wache gehalten, vermutlich wegen seinen schmerzenden Knochen und dem ungem\u00fctlichen Boden, doch kurz nach Sonnenaufgang weckte er seine Sch\u00fcler und sie marschierten weiter. Es war nun nicht mehr weit nach Waskir und als sie in der Stadt eintrafen, gingen die Bewohner schon ihrem gewohnten Alltag nach. Als erstes zog es Ingibj\u00f6rg zu einem Kr\u00e4uterh\u00e4ndler, der Kr\u00e4uter und R\u00e4ucherzeug aus aller Welt verkaufte. Mit geschultem Blick sammelte Ingibj\u00f6rg ein was er brauchte und \u00fcberreichte dem H\u00e4ndler dann etwas Hacksilber. Er schien den Alten schon als treuen Kunden zu kennen, so wie viele in der Stadt. Einige wichen ihm aus, andere blickten ihn anerkennend an. Der Alte schien dies nicht zu bemerken und lief weiter gut gelaunt von H\u00e4ndler zu H\u00e4ndler. Er bestellte Mehl f\u00fcr den Winter, ebenso Hangifisk und Hangikj\u00f6t und alles was \u00fcber lange Zeit nicht verderben w\u00fcrde. Nat\u00fcrlich verga\u00df er nicht mehrere F\u00e4sser Ahl und Mj\u00f6t zu bestellen und versprach gen\u00fcgend Flaschen seines Kr\u00e4uterschnapses zu brauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Rand der Stadt trafen sie auf seinen Freund Leif, der ihn mit freudigem L\u00e4cheln begr\u00fc\u00dfte. Der Grund des Besuchs war klar und Leif z\u00f6gerte nicht, sich sofort daran zu machen seine Sachen zu packen. Er w\u00fcrde den Winter am Berg verbringen. \u201eEs ist also soweit\u201c, bemerkte er m\u00fcrrisch, w\u00e4hrend er einen Karren mit Kisten belud. Ingibj\u00f6rg nickte nur. \u201eHat lange gedauert, aber irgendwann musste er ja wieder kommen. Der verdammte Bastard l\u00e4sst sich einfach nicht vertreiben.\u201c Ingibj\u00f6rg nickte wieder und deutete auf Beorn und Ragin. \u201eDiesmal habe ich uns Verst\u00e4rkung geholt.\u201c Er l\u00e4chelte leicht. \u201eAber es ist klar, dass es wieder ablaufen muss wie letztes Mal. Pack du deine Sachen. Ich gehe zum Tempel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Beorn und Ragin folgten ihm in den Tempel Swafnirs, in dem einige ruhig beteten, andere einfach nur zu warten schienen. In einer Ecke war ein kleiner Schrein zu sehen, der \u00d6gnir geweiht war. Ingibj\u00f6rg ging darauf zu und fl\u00fcsterte etwas. Er schien zu lauschen, zuzuh\u00f6ren und zu verstehen. Ein bitteres L\u00e4cheln erschien auf seinen Lippen und er legte einen Anh\u00e4nger auf den Schrein \u00d6gnirs, der mit unbekannten Runen verziert war. Dann wandte er sich Swafnir zu und seine Miene erhellte sich. Wir bei jedem Thorwaler erf\u00fcllten die Gedanken an den Gottwal sein Herz mit Freude und Zuversicht. Selbst hier im Norden, weit weg vom Meer, konnten die Thorwaler die Anwesenheit ihres Gottes sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Richtung Swafnir fl\u00fcsterte Ingibj\u00f6rg ein paar Worte und sein Gesicht hellte sich auf. Kurz konnten Beorn und Ragin erahnen wie Ingibj\u00f6rg als junger Mann ausgesehen hatte. Vor langer langer Zeit. Ingibj\u00f6rg schloss kurz die Augen, schien zu lauschen und wandte sich dann ab, um zu gehen. Als sie den Ausgang erreicht hatten, trat ein Mann zu ihnen. Er sah blass aus, fast ver\u00e4ngstigt und wusste anscheinend nicht was er sagen sollte. Ingibj\u00f6rg blickte ihn an und legte eine Hand um das Kinn des Mannes, drehte seinen Kopf nach links, dann nach rechts und betrachtete ihn genau.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHeute Abend\u201c, fl\u00fcsterte der Alte dann. \u201eSwafnir wird dich sehen.\u201c Dem ver\u00e4ngstigten Mann wich jegliche Farbe aus dem Gesicht, doch er nickte und verlie\u00df den Tempel. Beorn und Ragin hatten ein ungutes Gef\u00fchl im Bauch. Sie waren sich nicht sicher, von was sie gerade Zeuge gewesen waren, doch sie w\u00fcrden es noch erfahren. Soviel stand fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck bei seinem Freund Leif mussten die Sch\u00fcler helfen seine Sachen zusammen zu packen. Leif hatte einiges an Werkzeug und pers\u00f6nlichen Dingen auf einen Karren gepackt, den seine Langm\u00e4hne namens Olvir ziehen w\u00fcrde.W\u00e4hrend Ingibj\u00f6rg und Leif Pl\u00e4ne schmiedeten durften die Sch\u00fcler ein wenig die Stadt erkunden. Ohne Ingibj\u00f6rgs bescheidene Kochk\u00fcnste beleidigen zu wollen, steuerten sie zuerst zur Taverne und g\u00f6nnten sich einen Krug frisches Ahl und ein gutes St\u00fcck Fleisch. Dazu trank jeder einen ordentlichen Schluck Waskirer. Es war angenehm f\u00fcr die beiden angehenden Goden auch mal den Kopf frei zu bekommen. Hier in Waskir wusste niemand um ihre Gaben und jeder behandelte sie wie zwei junge M\u00e4nner an denen nichts besonderes war. Sie plauderten mit anderen Reisenden und eine der Schankmaiden machte Beorn sch\u00f6ne Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sie nicht genug M\u00fcnzen f\u00fcr ein weiteres Ahl hatten, schlenderten sie zum Zuckerb\u00e4cker, um zu sehen, was sie sich mit ihrem zusammengekratzten Geld noch leisten konnten. Der B\u00e4cker, ein fr\u00f6hlicher Mann, mit strohblondem Haar, dr\u00fcckte ein Auge zu und schenke ihnen zwei Schnecken aus s\u00fc\u00dfem Teig.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor hatten die beiden jungen M\u00e4nner wenig gutes \u00fcber Waskir geh\u00f6rt, doch ihnen gefiel es. So schlenderten sie weiter durch die Stra\u00dfen, als etwas ihre Aufmerksamkeit erregte. Zwischen zwei H\u00e4usern stand eine weinende Frau, neben ihr der Mann mit dem Ingibj\u00f6rg im Tempel Swafnirs gesprochen hatte. Sie hatte ihn am \u00c4rmel seiner Tunika gegriffen und weinte bitterlich, doch seine Miene blieb ausdruckslos. Sanft legte er seine Hand auf ihre Wange und sagte etwas zu ihr, woraufhin die Frau nickte, jedoch weiterhin weinte. Beorn und Ragin entfernten sich, einen bitteren Geschmack im Mund. Etwas war seltsam und das Gef\u00fchl, dass ihnen etwas bevor stand, das ihnen gar nicht gefallen w\u00fcrde, wuchs.<\/p>\n\n\n\n<p>So gingen sie ohne Umschweife zur\u00fcck zum Haus von Leif, wo er und Ingibj\u00f6rg schon auf sie warteten. Ingibj\u00f6rg sah, dass seine Sch\u00fcler bedr\u00fcckt waren, doch er fragte nicht nach. Wenn sie Sorgen hatten, bei denen er ihnen helfen konnte, so sollten sie mit ihm reden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie warteten noch etwa eine Jurgaliedl\u00e4nge bis der Mann aus dem Tempel auftauchte. Sie tauschten keine H\u00f6flichkeiten aus und niemand stellte sich vor. Allen war klar, dass das in dieser Situation \u00fcberfl\u00fcssig war. Ingibj\u00f6rg ging vor, gefolgt von Leif mit seinem Karren und dem Fremden. Beorn und Ragin folgten wortlos. Die weinende Frau war nirgends zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=701\">Kapitel 20<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=710\">Kapitel 22<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ingibj\u00f6rg und seine beiden Sch\u00fcler hatten sich den gestrigen Tag \u00fcber auf ihre Abreise vorbereitet. Sie hatten Proviant f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Fu\u00dfmarsch dabei, der Richtung Waskir vor ihnen lag. 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