{"id":714,"date":"2020-08-16T08:40:33","date_gmt":"2020-08-16T08:40:33","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=714"},"modified":"2020-08-16T08:42:01","modified_gmt":"2020-08-16T08:42:01","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=714","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 23"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Meer hier war so viel heller und klarer als oben im Norden. Seit Tagen segelten sie durch das t\u00fcrkisfarbene Wasser und sahen Tiere und Pflanzen, von denen sie noch nie geh\u00f6rt hatten. Es war hei\u00df, f\u00fcr einige schon unangenehm hei\u00df, doch niemand hatte die Mannschaft verlassen. Faenwulf hatte ihnen die M\u00f6glichkeit gegeben und noch einmal betont, dass er niemanden zwang bei der Herferd dabei zu sein. Sie hatten bei Altoum gehalten, wo ein Umkehren noch m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, doch niemand war gegangen. Von der ber\u00fcchtigten Stadt Charypso aus, w\u00e4re eine Fahrt in den Norden eine Option, doch Charypso war eine Stadt voller Halsabschneider und Piraten. Riskant sich dort nach einem Schiff umzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt war umkehren keine Option mehr. Sie waren so weit ins Perlenmeer vorgedrungen, dass sie hier sicher nicht auf andere Schiffe treffen w\u00fcrden und wenn waren diese ihnen nicht wohlgesonnen. Die Waldinseln waren von Al&#8217;Anfa beansprucht, also mussten sie hier vorsichtig sein. Sie hatten bereits einige N\u00e4chte auf dem Drakkar verbracht, da sie weit raus gefahren waren. Noch immer verbreiteten einige Herferder schlechte Stimmung, doch Faenwulf erstickte diese im Keim. Sie hatten genug Gelegenheit zu gehen. Also Maul halten und rudern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten beteten hier mehr zu Swafnir, da hier die Ferne zu ihm besonders zu sp\u00fcren war. In diesem Teil der Welt beteten die Menschen Echsen und Schlangen an und jeder Thorwaler wusste wer am Anfang dieser Ungeheuer stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Matatoa war hier eine gro\u00dfe Hilfe und Faenwulf war unendlich froh, den jungen Moha an Bord behalten zu haben. Er kannte die Gew\u00e4sser und Inseln, wusste was man essen durfte und wo S\u00fc\u00dfwasser zu finden war und war generell sehr beliebt bei den Thorwalern. Er lernte schnell mehr ihrer Sprache und erz\u00e4hlte fr\u00f6hlich vor sich hin, w\u00e4hrend die Herferder ihm gebannt lauschten. Matatoa hatte schon sehr viel von der Welt gesehen. Ebenso war er sehr begeistert von ihren Hautbildern und Faenwulf hatte ihm schon versprochen, dass er auch welche bekommen w\u00fcrde, die ihn sch\u00fctzten. Sein Haar hatte Matatoa bereits in thorwalschem Stil geflochten und mit Muscheln und Perlen geschm\u00fcckt. Er erkl\u00e4rte ihnen, dass es nicht mehr weit war. Sie hatten schon einige der Inseln passiert und der gef\u00fcrchtete Malstrom vor Aeniko war haupts\u00e4chlich eine Gefahr wenn man sich aus dem Norden n\u00e4herte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wei\u00dfen Sandstr\u00e4nde waren den Thorwalern immer noch suspekt, ebenso dass das Wasser angenehm warm war und die Sonne selbst die Wettergegerbten verbrannte. Faenwulf begeisterte dies alles sehr. Er war noch nie so weit in den S\u00fcden gesegelt und seine engsten Berater, Karva und Blotgrimm, versicherten, dass er das Richtige getan hatte. Wenn sie hier wirklich einen Schatz fanden und nach Thorwal zur\u00fcck brachten, w\u00fcrden die Skalden und Fidlari noch in hundert Jahren davon singen. Konnten sie nach so einem Abenteuer einfach wieder nach Hause fahren und ihrem Alltag nachgehen? Faenwulf bezweifelte dies stark bei den meisten Herferdern. Vor allem bei den Jungspunden. Wenn er ihre Begeisterung betrachtete, war es zweifelhaft ob sie jemals wieder in ihre Heimatst\u00e4dte zur\u00fcckkehren w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Matatoas Rufen riss ihn aus seinen Gedanken. \u201eDort ist sie\u201c, rief er aufgeregt und deutete auf Land, das in der Ferne zu sehen war. Faenwulf sp\u00fcrte ein Kribbeln im Bauch und er versuchte die Zweifel zu verdr\u00e4ngen. \u201eDa ist ein Schiff vor der Insel\u201c, rief Eilif, der mit seinem scharfen Blick wieder mehr sah, als sie. Faenwulf verzog das Gesicht. Vielleicht hatten noch andere Wind von dem Schatz bekommen. Sie w\u00fcrden sehen. War dies wirklich der Fall w\u00fcrden sie einfach versuchen den Schatzsuchern die M\u00fcnzen zu entrei\u00dfen. Wer zuerst kam mahlte zuerst, doch wenn man auf Thorwaler auf Herferd traf, hielt man besser seine M\u00fcnzen zusammen oder suchte das Weite.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf befahl allen sich kampfbereit zu machen. Sie starrten gebannt auf die Insel und das andere Schiff. Es war, anders als ein Drakkar, vor der Insel vor Anker gegangen und als sie sich langsam n\u00e4herten, h\u00f6rten sie die ersten Schreie vom Strand. Ein paar Seefahrer waren auf dem fremden Schiff zur\u00fcck geblieben und beschimpften die Thorwaler feindselig, als diese das Schiff passierten. Das w\u00fcrde \u00c4rger geben. Faenwulf sah die ersten Toten am Strand, der Sand war rot gef\u00e4rbt und auch die Wellen f\u00e4rbten sich langsam von Blut. Die Besucher, offensichtlich Piraten, lieferten sich einen Kampf mit den Bewohnern der Insel. F\u00fcr Faenwulf sah es mehr wie ein Massaker aus, da die Eingeborenen den Piraten nur wenig entgegen setzen konnten. Ein paar der Seefahrer lagen mit dem Gesicht im Sand, durchbohrt von Pfeilen, doch die Feindseligkeit der Piraten hatte die Bewohner offensichtlich \u00fcberrascht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eT\u00f6tet alles was euch angreift\u201c, sagte Faenwulf finster. \u201eIch kann keinen von euch entbehren.\u201c Er atmete tief durch und schon krachte der Drakkar auf den Strand. Die Thorwaler sprangen br\u00fcllend von Bord und st\u00fcrzten sich auf die \u00fcberraschten Piraten. Bevor sie wussten wie ihnen geschah wurden die ersten von \u00c4xten gef\u00e4llt. Matatoa stach zwei mit seinem Speer ab. Wilde Fl\u00fcche aussto\u00dfend wandten sich die Seefahrer nun ihren wesentlich wehrhafteren Angreifern zu. Sie waren erfahrene K\u00e4mpfer, die ebenso wie die Kinder Swafnirs auf Herferd gingen. Sie wussten also was sie taten. Faenwulf dachte kurz an die Jungspunde, die er nicht an so ein Piratenpack verlieren wollte. W\u00e4hrend er einen gezielten S\u00e4belschlag mit dem Skjald parierte, blickte er r\u00fcber zu Wulfgrimm, der sich eine tiefe Schnittwunde am Arm zugezogen hatte. Tjalf eilte ihm allerdings zur Hilfe und versenkte seine Axt mit lautem Knirschen tief in der Schulter des Piraten. Noch immer \u00fcbersch\u00fctteten die Piraten sie mit den wildesten Fl\u00fcchen, doch der Widerstand wurde weniger. Ihr Kapit\u00e4n sah anscheinend ein, dass es das alles nicht wert war. Das Ger\u00fccht um einen Schatz, den es vielleicht gar nicht gab, und er verlor hier gute M\u00e4nner. Sie zogen sich ins Meer zur\u00fcck. Einige ruderten zum Boot, andere schwammen. Die Jungspunde riefen ihnen nun ihrerseits wilde thorwalsche Beschimpfungen hinterher, doch es wurde nun ruhiger am Strand, bis schlie\u00dflich nur das Rauschen des Meeres zu h\u00f6ren war.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=710\">Kapitel 22<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=718\">Kapitel 24<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Meer hier war so viel heller und klarer als oben im Norden. 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