{"id":718,"date":"2020-08-16T08:41:51","date_gmt":"2020-08-16T08:41:51","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=718"},"modified":"2020-08-22T08:14:54","modified_gmt":"2020-08-22T08:14:54","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=718","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 24"},"content":{"rendered":"\n<p>Faenwulf blickte auf, als einige der Inselbewohner langsam aus dem Wald traten und sie ansprachen. Er verstand kein Wort. Auch mit ihren Gesten konnte er nichts anfangen, doch er interpretierte sie als friedlich. Also schn\u00fcrte er seine Orknase an seinen G\u00fcrtel und hob die leeren H\u00e4nde. Matatoa eilte ihm zur Hilfe und begann mit einem Mann, der offensichtlich das Oberhaupt war, zu reden. Auch er schien nur einen Teil dessen zu verstehen, was sein Gegen\u00fcber ihm erz\u00e4hlte, doch er verstand anscheinend genug. \u201eWir sollen mitgehen\u201c, \u00fcbersetzte er. \u201eWir sollen die Toten tragen.\u201c Faenwulf blickte zu den toten Inselbewohnern, die so viel kleiner waren als er. M\u00fchelos warf er sich zwei \u00fcber die Schulter und folgte Matatoa und dem Oberhaupt in den Wald. Die Herferder taten es ihm gleich und die Inselbewohner schienen sich nicht an dem, f\u00fcr andere vielleicht respektlosen Umgang mit ihren Toten, zu st\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wald war dicht und die Luft so feucht, dass Faenwulf der Schwei\u00df an Gesicht und Nacken herunter rann. Die ausgetreten Pfade waren zu klein f\u00fcr sie, \u00fcberragten die Thorwaler, von denen die meisten fast zwei Schritt ma\u00dfen, die Bewohner um mehrere Ellen. Und es wimmelte von V\u00f6geln. V\u00f6gel in allen Gr\u00f6\u00dfen und Farben flogen zwitschernd und kr\u00e4hend durch die dichten Baumwipfel. Blotgrimm schrie \u00e4ngstlich auf, als sich eine Schlange vor seinem Gesicht von einem Ast schl\u00e4ngelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Thorwaler waren sehr ruhig geworden, unsicher auf unbekanntem Land, das so verschieden, so anders als ihre Heimat war. Fast bedrohlich in seiner Hitze und dem dichten Wald mit seinen seltsamen Tieren und Bewohnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie erreichten eine Lichtung auf der mehrere H\u00fctten standen. Die D\u00e4cher waren mit Palmbl\u00e4ttern bedeckt und so niedrig, dass keiner von ihnen aufrecht darin stehen konnte. Das Oberhaupt deutete ihnen sich zu setzen und sofort wurden ihnen Fr\u00fcchte und frisches Wasser angeboten. Eine \u00e4ltere Frau begann sich um Wulfgrimms Arm zu k\u00fcmmern, der nicht mehr blutete, aber schlimm aussah. Matatoa wechselte erneut ein paar Worte mit ihrem Gastgeber. \u201eDas ist Takile\u201c, stellte er das Oberhaupt vor. \u201cEr will euch Bleichh\u00e4uten danken. Er wei\u00df, dass wir wegen den M\u00fcnzen hier sind. Sie helfen uns nicht, aber zeigen uns wo. Aber erst morgen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufregung machte sich wieder in Faenwulfs Magen breit. Es gab ihn also wirklich und morgen w\u00fcrden sie sich aufmachen den Schatz zu bergen. Die Herferd hatte also doch einen Sinn. Hoffentlich stimmten die Fidlari schon ihre Instrumente. Sie w\u00fcrden viel zu besingen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie brachen fr\u00fch auf. Die Vegah\u00f6gg war an den Strand gezogen und f\u00fcr eine l\u00e4ngere Ruhezeit vorbereitet. Ein junger Mann namens Kasua, Takiles Sohn, w\u00fcrde sie zu den Ort begleiten, an dem der Schatz angeblich verborgen lag. Faenwulf hatte sich die halbe Nacht mit Takile unterhalten, mit Hilfe von Matatoa, und hatte erfahren, dass der Schatz von einem erfolgreichen Piraten versteckt worden war. Er hatte eine seiner Kaperfahrten nicht \u00fcberlebt, doch der Rest seiner Mannschaft hatte wieder und wieder versucht den Schatz zu bergen. Ohne Erfolg. Die sonst ruhige Insel wurde seitdem immer wieder von Abenteurern und Piraten besucht, die das Gold singen h\u00f6rten.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf hatte die Herferder fr\u00fch geweckt und w\u00e4hrend sie sich mit Fr\u00fcchten und frischem Wasser gest\u00e4rkt hatten, hatte Matatoa sie mit Schutzrunen und kriegerischer Bemalung versehen. Er hatte darauf bestanden und war sehr unruhig seit sie aufgebrochen waren. Auch der Rest der Herferder f\u00fchlte sich nicht wohl. Sie waren f\u00fcr so eine Gegend wie die Waldinseln nicht gemacht. Es war zu hei\u00df, die Luft zu feucht und einige bekamen Magenschmerzen von den Fr\u00fcchten, die es hier gab. Faenwulf lie\u00df sie jammern. Jedoch nicht zu laut. Hielten sie erst die M\u00fcnzen in den H\u00e4nden, w\u00fcrden sie das alles vergessen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Karva trat zu Faenwulf, w\u00e4hrend sie sich weiter ihren Weg durch den Wald bahnten. \u201eWir m\u00fcssen vorsichtig sein\u201c, begann sie, bedacht darauf, dass die anderen sie nicht h\u00f6rten. \u201eDas ist unbekanntes Gebiet f\u00fcr uns. Es k\u00f6nnte gef\u00e4hrlich werden. Es ist eine unglaubliche Chance, doch wir d\u00fcrfen uns von unserer Freude nicht \u00fcbermannen lassen.\u201c Faenwulf nickte nur. Er sp\u00fcrte wie seine Stimmung sank, doch Karva hatte wahrscheinlich recht. Ein Schlangenbiss oder ein toter Herferder war das letzte was sie gebrauchen konnten. Es gab immer noch genug in der Mannschaft, die gar nicht einverstanden waren, dass sie sich so weit weg von Zuhause befanden.<\/p>\n\n\n\n<p>So schritten sie weiter, angef\u00fchrt von Kasua, gefolgt von Faenwulf und Karva. Blotgrimm bildete die Nachhut. Er hatte Thurbold bei dem Dorf gelassen, falls es zu gef\u00e4hrlich werden w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie liefen gef\u00fchlt eine Ewigkeit und Faenwulf sp\u00fcrte wie ihm der Schwei\u00df \u00fcber Gesicht und R\u00fccken lief. Die Thorwaler waren alle mindestens einen halben Schritt gr\u00f6\u00dfer als die zierlichen Utulus und doch waren diese ihnen hier \u00fcberlegen. Kasua verzog ob des langen Wegs keine Miene und er schwitzte auch nicht. Leichtf\u00fc\u00dfig bahnte er sich barfu\u00df einen Weg durch den Wald w\u00e4hrend die schwerf\u00e4lligen Thorwaler kaum hinterher kamen. Nur einige hatten darauf bestanden ihre Skjalde mitzunehmen, da sie im engen Dickicht zu unpraktisch waren. Faenwulf selbst trug seinen Speer, andere hatten Lang\u00e4xte oder ebenfalls Speere dabei. Eilif hatte vorsichtshalber seinen Bogen geschultert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wald schien immer dichter zu werden und sie mussten teilweise durch das Dickicht kriechen. Vor allem Blotgrimm, der selbst f\u00fcr einen Thorwaler gro\u00df war, hatte seine Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wanderten in Richtung eines gro\u00dfen Felsen, der Wald und Strand trennte. Durch den gigantischen Felsen traf das Meer hier tiefer auf die Insel und bildete eine Art kleine Lagune. Sie waren nun gut zwei Jurgaliedl\u00e4ngen gegangen und machten die erste Pause am Wasser. Einige konnten die Fr\u00fcchte nicht mehr sehen und a\u00dfen lieber Hangikj\u00f6t. Eine willkommene Erinnerung an Zuhause.<\/p>\n\n\n\n<p>Matatoa redete mit Kasua, der berichtete, dass es nun nicht mehr weit war. Er schien bedr\u00fcckt, doch anders als sein Vater ihm befohlen hatte, hatte er beschlossen bei ihnen zu bleiben. Er wollte den Schatz mit ihnen zusammen bergen und sich so beweisen. Faenwulf sagte nichts dagegen. Er war schon immer der Meinung gewesen, dass junge M\u00e4nner und Frauen sich ihre H\u00f6rner absto\u00dfen mussten, so wie er selbst damals. Eltern schr\u00e4nkten ihre Kinder viel zu oft ein, nahmen ihnen ihre Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kasua sich erhob, rappelten sich die Herferder ebenfalls auf. Matatoa bat Faenwulf um ein Seil und als Faenwulf realisierte wof\u00fcr er dieses brauchte, schn\u00fcrte sich seine Kehle zu. Die Lagune vor der sie standen war der einzige Eingang zu einer H\u00f6hle. Der eigentliche Eingang war vor Jahren nach einem Erdbeben versch\u00fcttet worden und nicht mehr zug\u00e4nglich. Einer von ihnen w\u00fcrde daher zuerst in die H\u00f6hle tauchen und das Seil als F\u00fchrung in der H\u00f6hle befestigen. Kasua schien die F\u00fchrung \u00fcbernehmen zu wollten, knotete das Seil an einen Baum und sprang ins Wasser. Er tauchte schnell und bald war von ihm nichts mehr zu sehen. Faenwulf bekam feuchte H\u00e4nde. Er konnte schwimmen, doch hatte es nie gerne getan. Sie trugen alle nur ihre Kr\u00f6tenh\u00e4ute, doch trotzdem erschwerten sie das Schwimmen. Und kein Thorwaler tauchte gerne in eine unbekannte Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>Es schien Strophe um Strophe zu vergehen, ohne ein Zeichen von Kasua. Faenwulf \u00fcberlegte schon, ob er selbst runter gehen sollte, als das Seil zu zittern begann und Kasua in einem Schwall Luftblasen auftauchte. Sie w\u00fcrden die Luft lange anhalten m\u00fcssen und der Tunnel war lang und schmal. Faenwulf versuchte sich seine aufsteigende Angst nicht anmerken zu lassen, doch es war klar, dass er als erstes w\u00fcrde gehen m\u00fcssen. So schn\u00fcrte er seine Taschen erneut fester, zog die Stiefel hoch, schenkte der Herferdern ein ermutigendes L\u00e4cheln und stieg ins Wasser. Er atmete ein paar mal tief durch, dann ein weiteres Mal tief ein und tauchte unter. Das Seil fest in der rechten Hand zog er sich vorw\u00e4rts, immer darauf bedacht, dass der Speer sich nicht irgendwo verkantete. Es schien endlos nach unten zu gehen und er sp\u00fcrte den Druck des Wassers auf seinen Ohren. Er schwamm und schwamm und schon bald merkte er wie sein K\u00f6rper nach Luft verlangte. Faenwulf stie\u00df ein paar Luftblasen durch die Nase aus und hielt vor einem engen Teil des Tunnels inne. Er musste zuerst den Speer hindurchf\u00fchren und dann hinterher. Es war stockdunkel und seine Lungen begannen zu brennen. Der Drang einzuatmen wurde immer gr\u00f6\u00dfer und er sp\u00fcrte wie die Angst in ihm wuchs. Faenwulf merkte wie er immer hektischer wurde und versuchte noch schneller zu schwimmen ohne instinktiv einzuatmen. Kleine Lichter begannen vor seinen Augen zu tanzen, doch der Druck auf seinen Ohren lie\u00df nach, als er schlie\u00dflich die Wasseroberfl\u00e4che durchbrach. Laut keuchend atmete er tief ein, Fl\u00fcche aussto\u00dfend, die selbst Blotgrimm h\u00e4tten err\u00f6ten lassen. Die verdammte Tiefe w\u00fcrde ihn heute sicher nicht kriegen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=714\">Kapitel 23<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=776\">Kapitel 25<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Faenwulf blickte auf, als einige der Inselbewohner langsam aus dem Wald traten und sie ansprachen. Er verstand kein Wort. 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