{"id":776,"date":"2020-08-22T08:14:34","date_gmt":"2020-08-22T08:14:34","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=776"},"modified":"2020-08-27T07:29:04","modified_gmt":"2020-08-27T07:29:04","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=776","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 25"},"content":{"rendered":"\n<p>Faenwulf zog sich an Land und blieb auf dem R\u00fccken liegen, immer noch nach Atem ringend. Kasua hatte ein kleines Feuer entz\u00fcndet, das die einzige Lichtquelle war. Trotzdem konnte der Thorwaler erkennen, dass er sich in einer riesigen H\u00f6hle befand, in der es wesentlich k\u00fchler war, als drau\u00dfen. Wasser tropfte von der hohen Decke und es stank f\u00fcrchterlich. Nach abgestandener Luft, Fisch und Verwesung. Faenwulf schluckte. Etwas stimmte hier nicht. Er schreckte zusammen als Karva prustend aus dem Wasser auftauchte. \u201eDas war knapp\u201c, keuchte sie und hielt Faenwulf die Hand hin, damit er ihr aus dem Wasser half.\u201cZur Tiefe, ich hoffe das ist es wert.\u201c Sie schenkte Faenwulf ein schiefes L\u00e4cheln und blickte sich in der H\u00f6hle um. Einer nach dem anderen tauchte in der H\u00f6hle auf. Die Schilde hatten gerade so durch die enge Passage gepasst und keiner war ertrunken. Tjalf hatte fast das Bewusstsein verloren und war in Panik geraten. Hjasgar, der direkt nach im getaucht war, hatte ihn mit an die Oberfl\u00e4che gezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ruhten sich noch ein paar Strophen lang schnaufend aus, w\u00e4hrend Matatoa vorsichtig begann die H\u00f6hle zu erkunden. Mit den verlaufenen Schutzrunen und den langen, geflocheten Str\u00e4hnen sah er furchterregend aus, doch seine g\u00fctigen Augen sprachen eine andere Sprache. Die H\u00f6hle war bedrohlich, nicht nur wegen der herrschenden Dunkelheit. Immer wieder flogen Flederm\u00e4use \u00fcber sie hinweg, aufgeschreckt durch das Licht und die ungebetenen Eindringlinge. \u201eLasst sie euch nicht ber\u00fchren\u201c, fl\u00fcsterte Blotgrimm finster. \u201eSie stehlen eure Seele und tragen sie mit sich.\u201c \u00c4ngstlich blickten die M\u00e4nner und Frauen nach oben, darauf bedacht keins der kreischenden Tiere zu ber\u00fchren. Faenwulf schluckte, atmete tief ein und wieder aus und griff seinen Speer fester. \u201eBrechen wir auf\u201c, begann er und blickte sich um. Er schritt tiefer in die H\u00f6hle hinein. Zwischen den nieder gest\u00fcrzten Felsen lagen alte, tote B\u00e4ume, die vor langer Zeit wohl au\u00dferhalb der H\u00f6hle gestanden hatten und von herab st\u00fcrzenden Felsen eingeschlossen wurden. Karva nutzte dieses alte Holz als Fackel, die mehr einer Funzel glich, da das Holz sehr feucht war. Trotzdem war jedes Licht notwendig. So schritten sie weiter, mit eingezogenen K\u00f6pfen und jederzeit auf einen Angriff vorbereitet, von was auch immer. Faenwulf bemerkte einen rostigen S\u00e4bel, der am Boden neben einem vor langer Zeit ausgetreten Pfad lag und sah, dass sein Griff von einer skelettierten Hand umklammert war. Er sagte nichts, doch er blickte sich noch wachsamer um. Alle zuckten zusammen als jemand gegen einen staubbedeckten Kelch trat, der scheppernd gegen einen Felsen prallte. Der Gestank nahm immer mehr zu, so dass einige sich schon ihre Kopft\u00fccher vor die M\u00fcnder gebunden hatten. Immer h\u00e4ufiger sahen sie glitzernde Gegenst\u00e4nde im Staub liegen. Einzelne M\u00fcnzen, Kelche, ein Kerzenst\u00e4nder und hin und wieder ein R\u00fcstungsteil. Faenwulf blieb stehen, als er etwas gro\u00dfes vor ihnen erblickte. Er hob seine Fackel und sah den stark verwesten Leichnam eines Mannes. Sein Gesicht war verzerrt und etwas hatte ihm mit uns\u00e4glicher Kraft ein Bein ausgerissen. \u201eLasst uns hier verschwinden\u201c, fl\u00fcsterte Tjalf und umklammerte einen Talisman, der Swafnir zeigte. Faenwulf ging noch ein paar Schritte weiter, an dem Toten vorbei. Hier war der Boden vor Feuchtigkeit weich und gab bei jedem Schritt nach. In der Ferne sah er etwas schimmern und ging weiter. Und da war er. Der Schatz von dem Matatoa gesprochen hatte. Er sah aus wie die Beute einer erfolgreichen Herferd. M\u00fcnzen in verrotteten S\u00e4cken, mit Edelsteinen besetzte Kelche und Kerzenst\u00e4nder, verzierte Waffen. Die Piraten hatten alles mitgenommen, was f\u00fcr sie wertvoll ausgesehen hatte. In der N\u00e4he sah Faenwulf den versch\u00fctteten Eingang der H\u00f6hle. Wie einfach es gewesen w\u00e4re, w\u00e4re dieser noch ge\u00f6ffnet. Er blickte sich zu den anderen um, in deren Augen er eine Mischung aus Furcht und Gier sah. Sie hatten es wirklich geschafft. Faenwulf schenkte ihnen ein breites Grinsen, das verblasste als der Gestank um sie herum nochmal zuzunehmen schien. Matatoa trat vor und packte Faenwulf am Arm. \u201eYo-Nahoh\u201c, rief er \u00e4ngstlich. \u201eYo-Nahoh!\u201c Faenwulf blickte ihn verst\u00e4ndnislos an. \u201eIch wei\u00df nicht was du&#8230;.\u201c Ein markersch\u00fctternder Schrei hallte durch die H\u00f6hle. Etwas hatte Kasua von den F\u00fc\u00dfen und in die H\u00f6he gerissen, schleuderte ihn hin und her und mit einem lauten Knirschen gegen die H\u00f6hlenwand. Sein Schrei verstummte augenblicklich und er st\u00fcrzte mit verdrehten Gliedern und einer klaffenden Wunde an der Stirn zu Boden. Noch w\u00e4hrend sie, gel\u00e4hmt vor Entsetzen, die Leiche Kasuas betrachteten, packte etwas Tjalf und zog ihn aus dem Lichtschein. Wieder bei sich hoben die Thorwaler die Fackeln und griffen nach ihren Waffen, w\u00e4hrend Tjalf versuchte im sandigen Boden Halt zu finden. Etwas hatte sich um sein Bein geschlungen und von den F\u00fc\u00dfen gerissen. Sie liefen hinterher und da sahen sie ihn. Ein Krakenmolch, dessen ausgebreiteten Arme gut zehn Schritt ma\u00dfen, der nun mit weiteren Tentakeln nach ihnen griff. Er war schnell und bevor sie etwas tun konnten, hatte er Tjalf zu seinem mit unz\u00e4hligen Z\u00e4hnen besetzten Maul gezerrt. Tjalfs Schreie verstummten als der Krakenmolch ihn ihn der Mitte durchbiss und Blut und Eingeweide den Boden befleckten. \u201eBei Swafnir\u201c, keuchte Khemri und umfasste seine Axt fester. Das Monstrum kroch n\u00e4her an sie heran, die Tentakel gierig ausgestreckt. Faenwulf stie\u00df einen Schrei aus und rammte seinen Speer in einen der Fangarme. Das schien die anderen Herferder aus ihrer Trance zu rei\u00dfen. Eilif spannte seinen Bogen und schoss dem Ungeheuer einen Pfeil direkt zwischen die Augen, ohne gro\u00dfe Wirkung. Ein weiterer der Thorwaler wurde von den F\u00fc\u00dfen gerissen, doch Karva eilte ihm zur Hilfe. Mit gezielten Hieben schaffte sie es den armen Hund aus den F\u00e4ngen des Krakenmolchs zu befreien. Das Unget\u00fcm war nun auf einen Kampf aus. Mit seinen langen Armen schlug es nach ihnen, traf Eilif vor der Brust, der gegen die H\u00f6hlenwand geschleudert wurde. Blotgrimm stie\u00df einen Schrei aus und st\u00fcrzte nach vorne. Mit einem m\u00e4chtigen Hieb durchtrennte er einen der Tentakel. Das Monstrum schrie auf. Ein markersch\u00fctternder Schrei, der von den W\u00e4nden der H\u00f6hle widerhallte. Vier seiner Arme nutzend richtete es sich auf und schritt auf sie zu, mit den verbleibenden drei Armen um sich schlagend. Faenwulf wurde von den F\u00fc\u00dfen gerissen und er f\u00fchlte sich, als h\u00e4tte ihn ein Pferd vor die Brust getreten. Ihm blieb kurz die Luft weg und er sah nichts au\u00dfer Sterne. \u201eDer Bauch\u201c, h\u00f6rte er Matatoa rufen. \u201eStecht in den Bauch.\u201c Faenwulf versuchte sich aufzurappeln und schritt auf wackeligen Beinen vorw\u00e4rts. Das Ungeheuer hatte mit einem Arm den Leichnam Kasuas gegriffen und verschlang ihn, w\u00e4hrend er weiter um sich schlug und versuchte, sie zu greifen. Faenwulf lief zu Blotgrimm und deute ihm ihm zu folgen. Matatoa folgte ihnen, zusammen mit den anderen mit Speeren bewaffneten Kriegern. Karva beobachtete sie und versuchte dann mit Rufen die Aufmerksamkeit des Monsters zu erlangen, das immer noch \u00fcber ihnen thronte. Die Jungspunde liefen zu ihr und hieben mit kr\u00e4ftigen Axtschl\u00e4gen nach den Tentakeln. Der Krakenmolch br\u00fcllte auf und wandte sich zu ihnen. Mit einem schnellen Schlag holte er Wulfgrimm von den F\u00fc\u00dfen, der sich sofort wieder aufrappelte und dem n\u00e4chsten Hieb geschickt auswich. Den dritten Hieb konterte er und trennte mit einem schnellen Schlag der Orknase den Tentakel in zwei. Faenwulf und die anderen hatten das Ungeheuer umrundet und waren nun unter den riesigen K\u00f6rper gelangt. Mit gezielten Speerstichen stachen sie immer wieder in den ungesch\u00fctzten K\u00f6rper. Eilif schoss einen Pfeil nach dem anderen ab. Die Pfeile drangen bis zu den Federn in den K\u00f6rper des Krakenmolchs ein. Blotgrimm griff die Langaxt am unteren Teil des Schafts und schwang sie nach oben und ein sauberer Schnitt durchtrennte das von Speerstichen durchbohrte Fleisch. In einem schwarzen, stinkenden Schwall ergossen sich Blut und Eingeweide \u00fcber sie und sie w\u00e4ren fast von dem schweren K\u00f6rper des sterbenden Monsters begraben worden. In einem letzten Aufb\u00e4umen schlug der Krakenmolch br\u00fcllend um sich, zuckte und lag dann still.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie blickten sich an. Blutbefleckt und ersch\u00f6pft. Die Tentakel hatten tiefe Wunden hinterlassen und einige hatten sich gebrochene Knochen zugezogen. Faenwulf wusste nicht ob er lachen oder weinen sollte. Ihm war zu beidem zumute. Matatoa trat zu ihm und legte wortlos eine Hand auf seinen Arm. \u201eSchafft ihr alle den Weg zur\u00fcck?\u201c, fragte Faenwulf, ohne jemanden direkt anzusehen. Alle bejahten und schritten langsam zu dem Schatz. Karva begann die Reicht\u00fcmer in ihre Tasche zu sch\u00fctten und die anderen taten es ihr gleich. Es gab niemanden den sie bestatten konnten, also schritten sie zu dem T\u00fcmpel zur\u00fcck, der ihnen als Eingang zur H\u00f6hle gedient hatte. Faenwulf war wieder der erste der tauchte und diesmal dachte er wirklich, es w\u00fcrde es nicht schaffen. Doch Swafnir war bei ihnen und alle \u00dcberlebenden kamen aus der H\u00f6hle heraus. Die Sonne ging langsam unter und alle sahen m\u00fcde und geschunden aus. Ihre Arme und Beine waren von tiefen kreisrunden Wunden \u00fcbers\u00e4ht und zwei Herferder waren sich sicher, dass ihre Arme gebrochen waren. \u201eRuht euch noch kurz aus\u201c, sagte Faenwulf bedr\u00fcckt. \u201eDann kehren wir ins Dorf zur\u00fcck.\u201c Ihm graute davor. Er w\u00fcrde dem Oberhaut Takile berichten m\u00fcssen, dass sein Sohn tot war. Zerschmettert und verschlungen von einem Ungeheuer. Doch was sollten sie tun? Er musste die Verantwortung \u00fcbernehmen. Es war seine Herferd und Kasua hatte selbst entschieden, dass er bleiben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>So dr\u00e4ngte er sich aufzustehen und sie machten sich auf den Weg zur\u00fcck. Keiner sprach und selbst Karva schien nicht in der Lage aufmunternde Worte zu finden. Tjalf war tot. Gefressen von einem von Hranngars Kindern. Gab es einen schlimmeren Tod? Tjalf w\u00fcrde nie in Swafnirs Halla sitzen oder an seiner Seite streiten. Er w\u00fcrde f\u00fcr immer in der Dunkelheit gefangen sein, zusammen mit dem Monstrum, das ihn verschlungen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf versuchte diese Gedanken zu verdr\u00e4ngen. Tjalf hatte die Wahl zu gehen. Auf jeder Herferd bestand die Gefahr von der Tiefe verschlungen zu werden, lauerte Hangars Gez\u00fccht doch \u00fcberall. Es war ein furchtbares Ende, doch eins mit dem er hatte rechnen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Faenwulf verzog das Gesicht und er sp\u00fcrte K\u00e4lte in seinem Herzen. Zuviel Mitleid machte das Herz weich, doch zu wenig lie\u00df es erstarren. Der Mittelweg war kein leichter.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie erblickten die Lichter des Dorfes in der Ferne und die ersten begr\u00fc\u00dften sie. Einer von ihnen war Takile. Er blickte Faenwulf mit fragenden Augen an, als er seinen Sohn nicht unter den Zur\u00fcckgekehrten sah. Matatoa wich Faenwulf nicht von der Seite als dieser Takile in seine H\u00fctte folgte. Matatoa erkl\u00e4rte alles und Takile trug alles mit Fassung. Er glaube ihnen, dass sein Sohn aus freien St\u00fccken geblieben war. Was sein Volk daraus machte verstand Faenwulf nicht, doch er fragte nicht weiter nach. Er verlie\u00df die H\u00fctte und lie\u00df Takile mit seiner Trauer allein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Tod war nicht neu f\u00fcr sie\u201c, sagte Matatoa bevor sie zu den anderen zur\u00fcckkehrten. \u201eSie haben den Tod schon oft gesehen, doch diesmal sah er auch sie.\u201c Er blickte Faenwulf mit seinen dunklen Augen an und dieser verstand genau was der Moha ihm sagen wollte. Dieser schenkte ihm ein warmes L\u00e4cheln und schritt dann zu den anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sa\u00dfen um ein Feuer und versorgten ihre Wunden. \u201eWir haben ihn wirklich gefunden\u201c, brummte Faenwulf und lie\u00df sich schwerf\u00e4llig in den Sand fallen. Er zog seine Stiefel aus, die immer noch voller Wasser waren. Blotgrimm, der seine F\u00fc\u00dfe und Socken am Feuer trocknete, Thurbold auf seinem Scho\u00df, nickte bed\u00e4chtig. \u201eDas war ein unglaublicher Kampf\u201c, begann er. \u201eZu so wenigen Leuten einen so gro\u00dfen Krakenmolch zu erlegen, ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.\u201c Und irgendwie reichten diese Worte aus, um die Stimmung zu heben. Sie hatten Verluste erlitten, doch sie hatten auch einen Sieg errungen. Sie hatten ein riesiges Ungeheuer besiegt und einen Schatz erbeutet, den andere schon seit Jahren suchten. Das Gl\u00fcck ist mit den Dummen, dachte Faenwulf schmunzelnd. Und Swafnir auch.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=718\">Kapitel 24<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=781\">Kapitel 26<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Faenwulf zog sich an Land und blieb auf dem R\u00fccken liegen, immer noch nach Atem ringend. Kasua hatte ein kleines Feuer entz\u00fcndet, das die einzige Lichtquelle war. 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