{"id":801,"date":"2020-10-03T09:14:50","date_gmt":"2020-10-03T09:14:50","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=801"},"modified":"2020-10-03T09:16:53","modified_gmt":"2020-10-03T09:16:53","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=801","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 27"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Vorbereitung hatte erneut Wochen gedauert und die jungen Goden beobachteten mit leichter Sorge, dass die Bl\u00e4tter der B\u00e4ume und Str\u00e4ucher sich bereits braun f\u00e4rbten. Der Herbst nahte und somit war der Winter mit seiner unbarmherzigen K\u00e4lte nicht weit. Ingibj\u00f6rg hatte sie heute fr\u00fch geweckt und ihnen befohlen sich zu r\u00fcsten. W\u00e4hrend Leif seine Werkzeuge auf den Karren lud und Olvir davor zurrte, r\u00fcsteten die Lehrlinge sich mit Polsterwams und Kr\u00f6tenhaut. Ragin schnallte sich seinen Skjald auf den R\u00fccken und die Orknase an den G\u00fcrtel. Beorn nahm wie immer seinen Speer mit. Ingibj\u00f6rg hatte einen gro\u00dfen Rucksack bepackt, mit Kr\u00e4utern, Verpflegung und vielen anderen Dingen, die er in dem Grassodenhaus lagerte. Die Sonne begann gerade erst aufzugehen, doch sie machten sich bereits auf den Weg. Beorn und Ragin kannten diesen Weg und beide versuchten sich ihre beginnende Angst nicht anmerken zu lassen. Sie gingen wieder zur H\u00f6hle und die beiden jungen M\u00e4nner wussten, dass nun passieren w\u00fcrde, worauf sie das ganze Jahr \u00fcber hingearbeitet hatten. Sie sahen Werkzeuge in Leifs Karren, Farben und seine Waffen. W\u00fcrden sie ihre Waffen \u00fcberhaupt nutzen k\u00f6nnen, gegen das, was dort oben auf sie wartete? Ihre Nervosit\u00e4t stieg.<\/p>\n\n\n\n<p>Ingibj\u00f6rg redete den Weg \u00fcber nicht und alles was sie h\u00f6rten waren die Ger\u00e4usche des Waldes und ihr eigener schwerer Atem. Selbst die Runjas schwiegen, als warteten sie gespannt auf das, was passieren w\u00fcrde. Je n\u00e4her sie der H\u00f6hle kamen, desto dunkler wurde es und das obwohl die Sonne schien. Die Luft schien schwer und sie sp\u00fcrten das Unheil, das B\u00f6se das hier hauste. Wie ein Kribbeln im Nacken, wenn man erwartete jeden Moment angegriffen zu werden. Die Ger\u00e4usche des Waldes wurden immer weniger, bis sie schlie\u00dflich verstummten und die beiden Lehrlinge konnten sp\u00fcren, dass das Wesen das hier hauste erneut an Kraft gewonnen hatte. Es begann die Umgebung des Berges zu verseuchen, wie Gift einen See.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer h\u00e4ufiger s\u00e4umten tote Tiere ihren Weg, manche regelrecht zerfetzt, andere halb gefressen. <em>Wir m\u00fcssen etwas tun<\/em>, dachte Ragin und warf einen Blick zur\u00fcck \u00fcber dieses Hochland, das er mittlerweile seine Heimat nannte. Dies alles war eine Pr\u00fcfung und sie schritten ihrem Ende entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Olvir wurde immer unruhiger und str\u00e4ubte sich weiter zu gehen. Nur das gute Zureden von Leif \u00fcberzeugte das Pony den Weg weiter zu beschreiten. Als der Wald lichter wurde und der Boden felsiger, wussten sie, dass sie fast am Ziel waren. Sie erreichten das Plateau und starrten erneut in den schwarzen Rachen der H\u00f6hle, aus der die b\u00f6se Macht des Geistes, der hier hauste, zu dringen schien. Sie halfen Leif den Karren zu entladen und nachdem er Olvir das Geschirr abgenommen hatte, scheuchte er das Pony davon. Sein treuer Begleiter w\u00fcrde den Weg nach Hause finden. Blieb er hier, w\u00fcrde er die Nacht vielleicht nicht \u00fcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ingibj\u00f6rg begann ein Feuer zu entfachen und schickte seine Lehrlinge los, um Feuerholz sammeln. Dieses Feuer musste gro\u00df sein, zwei Schritt hoch und lange brennen. Totes Holz zu finden war nicht schwer, begannen die B\u00e4ume hier doch unter dem Einfluss des b\u00f6sen Geistes zu sterben. So warfen sie immer mehr Holz ins Feuer bis es eine, f\u00fcr Ingibj\u00f6rg, zufriedenstellende Gr\u00f6\u00dfe erreicht hatte. Dieser holte aus seinem Rucksack eine Molle und begann in ihr verschieden Kr\u00e4uter zu vermengen. Er gab geriebene Kreide und Wasser dazu und begann eine z\u00e4he Masse daraus zu mischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Leif begann ebenfalls mit seiner Arbeit. Er hatte sein Werkzeug bereit gelegt und s\u00e4uberte die in den H\u00f6hleneingang gemei\u00dfelten Runen. Die obersten Runen erreichte er mithilfe eines h\u00f6lzernen Ger\u00fcsts. Er nutzte Meerwasser zum Reinigen der Runen und ging dabei mit h\u00f6chster Sorgfalt vor. Beorn und Ragin konnten nichts tun, als tatenlos zuzusehen und wachsam zu sein. Ingibj\u00f6rg fl\u00fcsterte vor sich hin und war wie in Trance, w\u00e4hrend er weiter am Feuer sa\u00df. Auch die Lehrlinge konnten die Runjas h\u00f6ren, doch anders als sonst, h\u00f6rten sie noch eine weitere Stimme, leise, doch m\u00e4chtig und dr\u00f6hnend. Weit entfernt und in Worten sprechend, die sie nicht verstanden. Und doch jagte ihnen diese Stimme solch eine Angst ein, dass es sie gr\u00f6\u00dfte Anstrengung kostete nicht sofort zu fliehen. Dass der Alte und Leif sich dem Ursprung dieser Stimme bereits einmal gestellt hatten, schien unglaublich.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schreckten aus ihren Gedanken hoch, als Leif begann, die ausgewaschenen Runen erneut zu vertiefen. Mit Hammer und Schrifteisen begann er mit der Arbeit. Ingibj\u00f6rg deutete ihnen nun zu ihm zu treten. \u201eEs beginnt\u201c, murmelte er und zog ein Messer aus seinem G\u00fcrtel. Sanft griff er Beorns Arm und setzte einen Hautschnitt. Dies tat er ebenso an Ragins Arm. Das Messer war so scharf, dass sie den Schnitt kaum sp\u00fcrten. Wortlos fing Ingibj\u00f6rg das Blut in der Molle auf und vermischte des mit der Masse aus Kr\u00e4utern, Kreide und Meerwasser. Es folgte ein Schnitt in seinen eigenen Arm. Ingibj\u00f6rg schien viel mehr seines eigenen Blutes zu brauchen, doch die Lehrlinge \u00e4u\u00dferten ihre Sorge nicht. Der alte Mann wusste was er tat. So warteten sie weiter ab. Leifs Arbeit ging nur langsam vorw\u00e4rts und bald standen ihm kleine Schwei\u00dfperlen auf der Stirn. Doch er arbeitete unerm\u00fcdlich, ohne etwas zu trinken oder zu essen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKommt zu mir\u201c, befahl Ingibj\u00f6rg seinen Lehrlingen. Das Feuer brannte lichterloh und strahlte eine gro\u00dfe Hitze aus. \u201eDies wird eure gr\u00f6\u00dfte Pr\u00fcfung\u201c, begann der Alte und reichte den beiden seinen Wasserschlauch. \u201eIhr werdet k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Mit der Axt und mit eurem Geist. Doch denkt stets an Swafnir, der an eurer Seite k\u00e4mpft gegen Hranngars Gez\u00fccht und allem was sich in seinen und unseren Weg stellt. Ihr d\u00fcrft nicht zur\u00fcck weichen.\u201c Die Lehrlinge nickten wortlos. Sie schwitzten, doch sie wussten nicht ob es aufgrund des Feuers war, oder wegen der steigenden Angst, die sich in ihrem Inneren wand.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=781\" data-type=\"post\" data-id=\"781\">Kapitel 26<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=805\" data-type=\"post\" data-id=\"805\">Kapitel 28<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorbereitung hatte erneut Wochen gedauert und die jungen Goden beobachteten mit leichter Sorge, dass die Bl\u00e4tter der B\u00e4ume und Str\u00e4ucher sich bereits braun f\u00e4rbten. 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