{"id":805,"date":"2020-10-03T09:16:43","date_gmt":"2020-10-03T09:16:43","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=805"},"modified":"2020-10-03T09:18:02","modified_gmt":"2020-10-03T09:18:02","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-28","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=805","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 28"},"content":{"rendered":"\n<p>Ingibj\u00f6rg stand auf und Schritt zum Eingang der H\u00f6hle. Leif war beim Bogen des Eingangs angekommen und sah unendlich verletzlich aus. Der Alte schritt zu den tiefen, neuen Runen und begann diese mit der Masse aus Blut auszumalen. \u201eEs geht los\u201c, rief er an seine Sch\u00fcler gewandt und widmete sich dann wieder den Runen. Zuerst geschah nichts, doch dann sp\u00fcrten die jungen Thorwaler ein Dr\u00f6hnen aus der H\u00f6hle. Der Boden unter ihren F\u00fc\u00dfen schien zu erbeben. Ragin griff nach seiner Axt, Beorn hielt seinen Speer bereit. Und tats\u00e4chlich h\u00f6rten sie, dass sich aus mehreren Richtungen etwas n\u00e4herte. Sie h\u00f6rten das Knurren, bevor sie sie sahen. W\u00f6lfe. Sie wussten nicht wieviele es waren, doch die Augen der Tiere waren wirr und b\u00f6se. <em>Er nutzt sie f\u00fcr seine Zwecke<\/em>, dachte Ragin, als das erste Tier ihn ansprang. Der junge Thorwaler riss seinen Skjald hoch und wehrte den Angriff der Bestie ab. Beorn stie\u00df dem Tier seinen Speer in die Seite, bevor es erneut angreifen konnte, doch die anderen W\u00f6lfe fielen nun ebenfalls \u00fcber sie her. Ragin wehrte den n\u00e4chsten Angriff ab, doch Beorn fiel dies, nur mit Speer bewaffnet wesentlich schwerer. Dazu mussten sie Leif und Ingibj\u00f6rg besch\u00fctzen, war es doch das Ziel von Goifang die beiden an ihrem Vorhaben zu hindern, die Runen am Eingang der H\u00f6hle zu erneuern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ragin hieb seine Axt in den Kopf eines Wolfs der sich in den Rand des Schilds verbissen hatte, w\u00e4hrend Beorn den Speer immer wieder vorschnellen lie\u00df um Angriff nach Angriff abzuwehren. Es waren so viele. Noch w\u00e4hrend Beorn einen Wolf von sich stie\u00df, riss ihn ein anderer von den F\u00fc\u00dfen und verbiss sich in seinem Oberarm. Vor Schmerz schreiend, versetzte er dem Raubtier einen kraftvollen Tritt, bevor Ragin den Wolf mit der Axt t\u00f6tete. \u201eZur Tiefe\u201c, fluchte Beorn und hielt sich den blutenden Arm. \u201eDiese verdammten Biester.\u201c Hinter Ragins Skjald Schutz suchend, wehrten sie Angriff nach Angriff ab. Der Boden war bereits getr\u00e4nkt von Blut, als die ersten W\u00f6lfe begannen sich zur\u00fcckzuziehen. Kurz vor v\u00f6lliger Ersch\u00f6pfung stehend, blickten die jungen Thorwaler zu der H\u00f6hle. Leif hatte seine Arbeit beendet, griff nun ebenfalls nach einer Orknase und eilte ihnen zur Hilfe. Ingibj\u00f6rg malte unbeirrt weiter, tunkte seinen Finger immer wieder in die blutige Farbe und zog gewissenhaft die Runen nach. Leifs H\u00e4nde waren blutig und \u00fcbers\u00e4t von Blasen, die durch seine pausenlose Arbeit entstanden waren. Sie alle wurden hier an ihre Grenzen gebracht, doch die Angriffe der W\u00f6lfe wurden schw\u00e4cher und waren immer leichter abzuwehren. Die Tiere begannen schlie\u00dflich zu fliehen, doch sie wussten, dass es noch nicht \u00fcberstanden war. Ragin versorgte die tiefe Bissverletzung an Beorns Arm und Leif begann seine wunden H\u00e4nde zu verbinden. Ingibj\u00f6rg stand auf seinen Stock gest\u00fctzt vor dem klaffenden, schwarzen Maul der H\u00f6hle, die jegliches Licht zu verschlingen schien. Er sah sehr schwach und zerbrechlich aus vor der gro\u00dfen \u00d6ffnung, die tief in den Berg reichte. Er murmelte etwas vor sich her, Bannspr\u00fcche, deren Macht Ragin und Beorn sp\u00fcren konnten. Sie schritten zu ihrem Lehrmeister um ihn zu unterst\u00fctzen und wenn es nur durch ihre Anwesenheit war. Sie hatten den ersten Schritt getan. Der erste Angriff war abgewehrt und w\u00e4hrend Ingibj\u00f6rg noch leise vor sich hin sprach, begann Leif hinter ihnen in einem M\u00f6rser erneut Kreide zu zerkleinern. Beorn und Ragin blickten ihren Meister unbeirrt an, auf jedes kleine Zeichen achtend, wie sie ihm helfen konnten. Intuitiv begannen sie ebenfalls leise Gebete zu Swafnir zu sprechen. Der m\u00e4chtige Gottwal, der sie selbst hier, so fern des Meeres, h\u00f6ren konnte und ihnen Kraft und Mut schenkte, w\u00e4hrend er seinen eigenen, ewig w\u00e4hrenden Kampf gegen die verderbte Hranngar austrug. Sie beteten auch zur g\u00fctigen Ifirn, zum listigen Phex und zum hinterh\u00e4ltigen \u00d6gnir, \u00fcber den sie viel von Ingibj\u00f6rg gelernt hatten. Sollten die G\u00f6tter ihnen Kraft, Mut und List schenken. Und ebenso die gleiche Unbarmherzigkeit, die ihr Gegner ihnen entgegen brachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide schreckten hoch, als sie die H\u00e4nde Ingibj\u00f6rgs auf ihren Schultern sp\u00fcrten. Der Alte hatte seine Gebete, seine Bannworte beendet und blickte nun mit harten Augen in die Dunkelheit der H\u00f6hle. Leif war zu ihnen getreten und legte wiederum seine zitternde Hand auf Ingibj\u00f6rgs Schulter. Die beiden jungen M\u00e4nner konnten die Angst sp\u00fcren, die von Leif ausging und f\u00fchlten ihre eigene Angst tief in sich wachsen. Sie wurde gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer und schienen ihnen die Kehlen zuzuschn\u00fcren. Und pl\u00f6tzlich sahen sie eine Bewegung in der H\u00f6hle. Ein Schatten, der sich in der Dunkelheit regte und immer n\u00e4her kam. Langsam ins Licht trat. Goifang zu sehen, war noch viel schrecklicher als von ihm zu h\u00f6ren oder von ihm zu tr\u00e4umen. Jetzt, im Licht der herbstlichen Sonne, sahen sie, dass es kein Wolf war. Die Illusion, in die der b\u00f6se Geist sich geh\u00fcllt hatte, war nun zu durchschauen. Er sah aus wie ein Wolf, doch auch wie ein Ungeheuer. Zwei Schritt hoch mit toten, wei\u00dfen Augen und langen Z\u00e4hnen, d\u00fcnn wie Nadeln, die, bedeckt mit Geifer, aus seinem Maul ragten. Ein Schatten umgab ihn wie Nebel, wie ein Schwarm Fliegen eine Leiche. Er schien in ihre Seelen zu blicken und hinterlie\u00df dort nichts als Schrecken und K\u00e4lte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mein! Dieser Berg ist mein. Eure Seelen sind mein. Ihr seid armselig, Gew\u00fcrm. Euer Tod wird vergessen sein, eure Leiber zerrissen, eure Seelen zerfetzt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Euer Bem\u00fchen war vergeblich und wird vergeblich sein. Ich kann niemals sterben, euer Tod ist unvermeidbar.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGenug\u201c, schrie Ingibj\u00f6rg das Monstrum an. \u201eGenug!\u201c Der Wolf wich nicht zur\u00fcck. Sein Z\u00e4hnefletschen glich einem grausamen Grinsen, als er einen weiteren Schritt aus der H\u00f6hle heraus trat. Seine langen Klauen hinterlie\u00dfen tiefe Spuren im Sand. \u201eDu wirst gehen\u201c, sagte Ingibj\u00f6rg und seine Stimme war kalt wie Eis. Er tat ebenfalls einen Schritt nach vorne. \u201eUnd ich werde dich bannen, so wie jedes Mal bisher. Nicht nur du bist m\u00e4chtiger geworden.\u201c Aus der Kehle des Wolfs drang ein tiefes Knurren, dass ihnen durch Mark und Bein ging. Leif Schritt zum Feuer, ein Runenband in den H\u00e4nden haltend. Als er es ins Feuer warf, schrie das Monstrum auf. Ein markersch\u00fctternder Schrei voller Hass und Schmerz. \u201eGOIFANG!\u201d, schrie Ingibj\u00f6rg den Geist an und diesmal wich dieser einen Schritt zur\u00fcck. \u201eDein Name macht dich schwach. Dein Name, den ich dir gab, gibt mir die Macht \u00fcber dich. Gibt mir die Macht dich zu bannen.\u201c Er zog ein St\u00fcck Stoff aus seiner Tunika. Dunkelgr\u00fcn und mit feinen wei\u00dfen Runen bestickt, in der Mitte ein Wolf im Sprung, die Z\u00e4hne gefletscht. Ingibj\u00f6rg hielt dieses Banner dem Monstrum entgegen. Erneut schrie der Wolf auf, doch stie\u00df er dann vorw\u00e4rts und schnappte nach dem Alten. Obwohl er diesen nicht ber\u00fchrte, war es diesmal Ingibj\u00f6rg der zur\u00fcck wich. Dunkles Blut f\u00e4rbte seine Tunika rot und er st\u00f6hnte vor Schmerz. Wieder hielt er das Banner nach oben und vor sich wie einen Schild. \u201eMein\u201c, br\u00fcllte der Alte seinen Feind an. \u201eDieser Berg ist mein, also verschwinde. Verschwinde in die Dunkelheit aus der du gekrochen bist. Wir haben die Macht \u00fcber dich, durch deinen Namen und dein Antlitz. Verschwinde!\u201c Er tat einen weiteren Schritt nach vorne und diesmal folgten ihm Beorn und Ragin. Die Runjas kreischten in ihren K\u00f6pfen und wurden nur von dem Br\u00fcllen des Monstrums \u00fcbert\u00f6nt. Beorn fl\u00fcsterte etwas, riss sich sein Amulett mit dem Antlitz Swafnirs vom Hals und streckte es dem Geist entgegen. Ragin tat es ihm gleich und hielt seinen Schild hoch, der einen k\u00e4mpfenden Pottwal zeigte. \u201eVERSCHWINDE!\u201c, br\u00fcllten sie erneut und der Wolf b\u00e4umte sich auf, vor Schmerz schreiend. Schwarzes Blut sickerte in den Staub, dampfend und giftig. Abrupt verstummten die Runjas in ihren K\u00f6pfen. Das Monstrum blickte sie durch seine toten Augen an, schwer getroffen. Es war ein Abw\u00e4gen. Ein Messen ihrer Kr\u00e4fte. Ragins Arme zitterten und es schien als w\u00fcrde sein Skjald zu schwer um ihn zu tragen. Beorns Hand zitterte ebenfalls und Blut tropfte aus seiner Faust, da er das Amulett so stark umklammerte. Sie sahen wie das Blut des Alten unter seiner Tunika hervor in den Boden sickerte. Er sah aus, w\u00fcrde er nicht mehr lange stehen k\u00f6nnen. Die beiden Todfeinde starrten sich an, unter ihren Verletzungen taumelnd. Goifang schnappte erneut nach dem Alten, verletzte ihn diesmal jedoch nicht. Und dann wandte das Monstrum sich ab und rannte in die Dunkelheit der H\u00f6hle.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=801\" data-type=\"post\" data-id=\"801\">Kapitel 27<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=809\" data-type=\"post\" data-id=\"809\">Kapitel 29<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ingibj\u00f6rg stand auf und Schritt zum Eingang der H\u00f6hle. Leif war beim Bogen des Eingangs angekommen und sah unendlich verletzlich aus. 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