{"id":809,"date":"2020-10-03T09:17:51","date_gmt":"2020-10-03T09:17:51","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=809"},"modified":"2020-10-03T09:19:51","modified_gmt":"2020-10-03T09:19:51","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-29","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=809","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 29"},"content":{"rendered":"\n<p>Sein Gesicht in den Wind haltend, schloss Faenwulf die Augen und sog den Geruch des salzigen Meeres tief ein. Seine H\u00e4nde, die das Ruder umklammerten, kribbelten angenehm. Sie waren wieder unterwegs und w\u00fcrden bei gutem Wind heute Brabak erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Winter war lang gewesen. Die Herferder hatten bald nach dem Sturm begonnen die Vegah\u00f6gg zu reparieren. Wulfgrimm war ihnen da als Schiffszimmermann eine gro\u00dfe Hilfe und mit dem Holz eines vor Monaten gestrandeten Wracks konnten sie den Riss im Rumpf des Drakkars flicken. Die Stimmung war angespannt und nach Wochen waren alle Geschichten und Abenteuer erz\u00e4hlt. Sie sehnten sich nach ihrer Heimat, dem Essen und den Gebr\u00e4uchen. Die Bewohner Aenikos behandelten sie wie die ihren, doch das reichte nicht. Schon bald konnten sie keine Fr\u00fcchte mehr sehen und auch die hei\u00dfe Sonne und der wei\u00dfe Strand begann an ihrem Gem\u00fct zu nagen. Dass ihre Situation nicht zu \u00e4ndern und es die beste Entscheidung war, den Winter auf der Insel zu verbringen, \u00e4nderte die sinkende Stimmung nicht. Immer h\u00e4ufiger stritten sich die Herferder, es kam zu Schl\u00e4gereien und Anfeindungen, doch Faenwulf und Karva gelang es immer wieder, die Wogen zu gl\u00e4tten. Sie verstanden, dass die M\u00e4nner und Frauen zu ihren Familien und in ihre Heimat zur\u00fcckkehren wollten. Matatoa half ihnen weiterhin beim Gespr\u00e4ch mit den Inselbewohnern. Faenwulf war ihnen dankbar, doch auch sie verstanden, dass die Thorwaler das Segel setzten, sobald es ihnen m\u00f6glich war. Und doch war ihr langer Aufenthalt nicht ausschlie\u00dflich schlecht. Sie hatten hier Freunde gefunden und wahrscheinlich das gr\u00f6\u00dfte Abenteuer ihres Lebens hier erlebt. So rollten doch ein paar Tr\u00e4nen beim Abschied und das Versprechen wurde gegeben, dass man sich noch in diesem Leben wiedersah.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann waren sie gesegelt. Die Vegah\u00f6gg wesentlich schwerer als bei ihrer Ankunft und der erbeutete Schatz in Ruderkisten und S\u00e4cken verstaut. In Brabak w\u00fcrden sie das meiste davon zu einem guten Preis eintauschen. Wenn Faenwulf etwas konnte, dann war es Handel.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie steuerten den Hafen von Brabak an. Die Stadt schien nach ihrem langen Aufenthalt auf der Waldinsel noch lauter, belebter und dreckiger zu sein als vorher. Faenwulf z\u00f6gerte kurz bevor er auf den Steg sprang, \u00fcberw\u00e4ltigt von den Eindr\u00fccken. Blotgrimm legte ihm eine schwere Hand auf die Schulter und sprang dann mit seinem besten Freund von Bord. Sofort umschw\u00e4rmten sie H\u00e4ndler wie Fliegen, doch Faenwulf wusste mit wem er hier gute Gesch\u00e4fte machen konnte. Sie hatten in der langen Zeit des Winters den Schatz sortiert und sich entschieden die M\u00fcnzen bis nach Thorwal zu transportieren. Der Rest w\u00fcrde verkauft. Faenwulf steuerte zielstrebig ein Haus an, das einem alten Bekannten von ihm geh\u00f6rte. Schon in jungen Jahren war Faenwulf mehrfach nach Brabak gereist und hatte dort einen Andergaster namens Marek Dreuber kennengelernt. Es gab kaum eine zwielichtigere Person, doch Faenwulf hatte mit ihm immer gute Gesch\u00e4fte gemacht. Marek fragte nie woher die Waren kamen, die man ihm anbot und zahlte gut. Er machte gerne Gesch\u00e4fte mit Thorwalern und hatte keine Probleme mit ihren Pl\u00fcnderungen und dem Brandschatzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Faenwulf sein Haus betrat, hellte sich Mareks Gesicht vor \u00dcberraschung auf. \u201eDu bist braungebrannt wie ein Spanferkel\u201c, bemerkte er und musterte Faenwulf von oben bis unten. Man sah die Neugier in seinen Augen, doch als Faenwulf ihm nicht weiter erl\u00e4uterte wo er die Sonne genossen hatte, fragte Marek auch nicht weiter nach. Faenwulf leerte zwei gro\u00dfe S\u00e4cke mit wertvollen Gegenst\u00e4nden. Kelche, Kerzenhalter, Schmuck und blickte Marek erwartungsvoll an. Dieser grinste breit und pr\u00fcfte die Gegenst\u00e4nde auf ihren Wert. \u201eDu hast ihn tats\u00e4chlich gefunden\u201c, bemerkte er dann. \u201eDen Schatz von dem hier gefl\u00fcstert wurde.\u201c Faenwulf nickte nur, h\u00fcllte sich aber weiterhin in Schweigen. Marek sortierte die Gegenst\u00e4nde nach Wert und Gr\u00f6\u00dfe, rechnete und wog. Faenwulf wusste, dass dies zu seinem Ablauf geh\u00f6rte und wartete weiterhin. Wenn Marek genug bezahlte, konnte er auch ruhig R\u00e4der schlagen. Faenwulf war dies gleich. Schlie\u00dflich machte der Andergaster ihm ein Angebot und Faenwulf war \u00fcber die H\u00f6he der Summe \u00fcberrascht. Nat\u00fcrlich gab es einen Haken und er wusste, dass Marek ihm nichts schenkte, doch er feilschte nur ein bisschen. Nach einigem Jammern von Marek, dass Faenwulf ihn zu einem armen Mann machte, schlugen sie ein und Marek reichte Faenwulf zwei Beutel voller M\u00fcnzen. Sie tranken noch ein Premer Feuer zusammen um das Gesch\u00e4ft zu besiegeln. Dann verlie\u00df Faenwulf das Haus. Er hatte das Gef\u00fchl, dass er Marek f\u00fcr lange Zeit nicht mehr sehen w\u00fcrde. Wenn es nicht sogar das letzte Mal war.<\/p>\n\n\n\n<p>So wie der Rest der Mannschaft sehnte Faenwulf sich nach einem gem\u00fctlichen Lager, Ahl, Mj\u00f6t und etwas anderem zu essen als Fr\u00fcchten und Krakenmolch. Er ging also zu dem Gasthaus, in dem er und die Herferder vor so vielen Monden gen\u00e4chtigt und getrunken hatten. Wo Matatoa ihm von dem Schatz erz\u00e4hlt hatte und sie die Entscheidung getroffen hatten, nach Aeniko zu segeln. Der Wirt erinnerte sich nicht an ihn, freute sich jedoch sehr \u00fcber seinen thorwalschen Kunden als dieser ihm mitteilte, dass er alle Schlafpl\u00e4tze des Gasthauses brauchte, sowie ein Fass Ahl und einen guten Eintopf mit viel Fleisch. Faenwulf nahm an einem leeren Tisch Platz und genehmigte sich schon mal einen Krug k\u00fchles Ahl. Es schien als h\u00e4tte er noch nie etwas so leckeres getrunken. W\u00fcrzig und frisch und so viel besser als das fade Wasser auf der Insel. Er bestellte sich direkt noch einen Krug sowie ein St\u00fcck frisches Brot, K\u00e4se und Speck. Sie alle hatten auf der Insel an Gewicht verloren, waren sie doch anderes gewohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es dauerte nicht lange bis Blotgrimm, gefolgt von Matatoa, das Gasthaus betrat. Thurbold trottete gutm\u00fctig hinter ihnen her. Matatoa, dessen Haut nun schon einige Hautbilder zierten, wenn auch unsauber gestochen, nahm freudig neben Faenwulf Platz und bestellte ebenfalls einen Krug Ahl. In diesem Gasthaus war er schlie\u00dflich auf den Geschmack des leckeren Gebr\u00e4us gekommen. Beherzt biss er in das St\u00fcck Brot auf Faenwulfs Teller und lie\u00df sich zufrieden in die Lehne der Bank sinken. Blotgrimm und Faenwulf tauschten am\u00fcsierte Blicke. Sie hatten den Moha ins Herz geschlossen und er war nach so kurzer Zeit einer ihrer engsten Freunde geworden. Faenwulf hatte sofort eingewilligt, als Matatoa ihn gefragt hatte, ob er sie auch weiterhin begleiten durfte. Trotz der Warnung, dass Faenwulf nicht wusste, wie es nach ihrer R\u00fcckkehr nach Thorwal weiterging, wollte Matatoa weiterhin mit ihnen reisen und Faenwulf kam es fast so vor, als w\u00fcsste er etwas, was ihm bisher noch verborgen blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe den anderen gesagt, dass sie ins Gasthaus kommen sollen\u201c, dr\u00f6hnte Blotgrimm und leerte seinen Krug. \u201eDachte mir schon, dass du dir was f\u00fcr uns \u00fcberlegt hast\u201c. Faenwulf lachte. Es klang als w\u00e4re er eine f\u00fcrsorgliche Mutter am Swafnirstag. Er sp\u00fcrte wie ihm das Ahl zu Kopf stieg, doch er hatte bereits den Plan gefasst sich ordentlich zu betrinken.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=805\" data-type=\"post\" data-id=\"805\">Kapitel 28<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=814\" data-type=\"post\" data-id=\"814\">Kapitel 30<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sein Gesicht in den Wind haltend, schloss Faenwulf die Augen und sog den Geruch des salzigen Meeres tief ein. Seine H\u00e4nde, die das Ruder umklammerten, kribbelten angenehm. 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