{"id":850,"date":"2020-12-28T06:59:27","date_gmt":"2020-12-28T06:59:27","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=850"},"modified":"2020-12-30T09:18:12","modified_gmt":"2020-12-30T09:18:12","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-32","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=850","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 32"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie kamen langsamer vorw\u00e4rts als geplant. Die Winde waren ihnen nicht wohlgesonnen und mit Matatoa als Ersatz f\u00fcr Tjalf und Faenwulf, der in seinem Zustand kaum rudern konnte, bewegte sich die Vegah\u00f6gg schwerf\u00e4lliger \u00fcber das Wasser als sonst. Faenwulf musste immer wieder Pausen machen in denen er finster dreinblickend am Drachenkopf stand und ins tiefe Blau des Meeres starrte. Es \u00e4rgerte ihn, dass seine Mannschaft wegen ihm einer solchen Gefahr ausgesetzt war. Die meisten Kopfgeldj\u00e4ger waren unbarmherzige Hurens\u00f6hne und je h\u00f6her die Summe war, die auf einen Kopf ausgesetzt war, desto skrupelloser wurden sie. Faenwulf kannte nicht einmal den Namen das Sklaventreibers, der seinen Sch\u00e4del auf einem Speer sehen wollte, doch er verfluchte ihn innerlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sich einer der Winde doch erbarmte und das Segel gesetzt werden konnte, wurden die Ruder eingezogen. Die meisten z\u00e4hlten wieder und wieder ihren Anteil der Beute, immer noch sprachlos, dass diese verr\u00fcckte Herferd tats\u00e4chlich von Erfolg gekr\u00f6nt war. Die Vorfreude wuchs. Zur\u00fcck in Thorwal w\u00fcrden die meisten wohl zu ihren Familien zur\u00fcck kehren oder den Winter in den Tavernen und Hurenh\u00e4usern verbringen. Faenwulf g\u00f6nnte ihnen alles Gute das ihnen widerfahren mochte. Es war die beste Mannschaft die er bisher zusammen gebracht hatte und es stimmte ihn etwas melancholisch zu wissen, dass die Fahrt sehr bald enden w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Karva trat zu ihm und legte, wie so oft, ihre k\u00fchle Hand in seinen, von der Sonne Aenikos gebr\u00e4unten, Nacken. \u201eDu gr\u00fcbelst schon wieder so viel\u201c, bemerkte sie und l\u00e4chelte ihren alten Freund leicht an. \u201eWir haben es bald geschafft. Freu dich doch ein bisschen.\u201c Faenwulf nickte, seufzte dabei aber tief. Die Melancholie, die sein Volk h\u00e4ufig heimsuchte, hatte ihn erwischt. \u201eDu hast ja recht\u201c, antwortete er und blickte in die Ferne. \u201eMich stimmt es nur traurig, dass die Herferd bald vorbei ist.\u201c Karva seufzte ebenfalls und blickte zur\u00fcck auf die Mannschaft, die sich vom langen Rudern ausruhte, offensichtlich gespannt auf ihre R\u00fcckkehr nach Thorwal. \u201eDu hast mehr vollbracht, als die meisten sich nur ertr\u00e4umen k\u00f6nnen\u201c, bemerkte Karva tr\u00f6stend und blickte Faenwulf in die blauen Augen. \u201eWir haben gen\u00fcgend Abenteuer erlebt um zahllose Skalden und Fiddlari f\u00fcr Jahre zu besch\u00e4ftigen. Diese Herferd wird legend\u00e4r werden. Nat\u00fcrlich mussten wir auch einstecken, aber \u00fcberleg doch was wir erlebt haben. Wie sehr du das Leben der meisten hier ver\u00e4ndert hast. Und es kann ja noch weiter gehen. Wer sagt denn das alles jetzt enden muss?\u201c Faenwulf blickte Karva dankbar an und legte seine raue Hand auf ihre Wange. So viele Gedanken schossen gerade durch seinen Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir kriegen Besuch\u201c, rief Eilif und riss die beiden aus ihrem vertraulichen Gespr\u00e4ch. \u201eZiemlich ungebetenen Besuch.\u201c Er verzog das Gesicht und spuckte ins Wasser. Faenwulf eilte zu seinem Steuermann und blickte nach hinten. Seine Augen waren nicht so gut wie die von Eilif, doch auch er sah sie. Zwei Galeeren, schwarz wie die Nacht, mit schwarzen Segeln. <em>Diese verdammten al&#8217;anfanischen Hurens\u00f6hne<\/em>, fluchte Faenwulf innerlich. Sie hatten sich vom offenen Meer her gen\u00e4hert und folgten ihnen jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie jagen uns\u201c, bemerkte Karva, die neben ihn getreten war. Ihr Blick zeigte entsetzen, aber auch die Erwartung, dass er etwas tat. Sie hatten keine Wahl, sie mussten weg. Gegen zwei Galeeren kamen sie nicht an, schon gar nicht mit reduzierter Mannschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAn die Ruder\u201c, br\u00fcllte Faenwulf. \u201eWir verschwinden von hier. Die Bastarde werden uns nicht kriegen.\u201c Die Mannschaft blickte sich besorgt an, doch sofort setzten sie sich auf ihre Ruderkisten und ruderten. Auch Faenwulf begann wieder zu rudern und versuchte die Schmerzen in seiner Schulter so gut es ging zu ignorieren. Sie mussten versuchen einem Kampf so gut es ging aus dem Weg zu gehen. Es war jetzt nicht mehr weit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihnen allen lief der Schwei\u00df am K\u00f6rper herab, doch sie Galeeren kamen immer n\u00e4her. Die innerlichen Fl\u00fcche waren mittlerweile zu lauten Fl\u00fcchen geworden, die von der gesamten Mannschaft laut ge\u00e4u\u00dfert wurden. \u201eDa vorne\u201c, rief Matatoa, der aussah als w\u00fcrde er vor Ersch\u00f6pfung gleich das Bewusstsein verlieren. Er konnte nicht \u00e4u\u00dfern was er sah, hatte der zierliche Moha wahrscheinlich noch nie Berge gesehen. Die sichere Heimat war so nah. \u201eEins der Schiffe dreht ab\u201c, rief Eilif. \u201eDie anderen Bastarde h\u00e4ngen uns aber immer noch am Arsch.\u201c Faenwulf warf einen Blick zur\u00fcck. Eilif hatte leicht untertrieben. Die Galeere war nun so nah, dass er die Gesichter der Mannschaft sehen konnte und der Rammsporn f\u00fcr sie in K\u00fcrze eine echte Gefahr darstellen w\u00fcrde. <em>Komm schon altes M\u00e4dchen<\/em>, fluchte Faenwulf innerlich und warf einen Blick auf seine Orknase. Wenn die Galeere sie einholte, waren sie geliefert. Er konnte das Br\u00fcllen der Mannschaft h\u00f6ren, die ihnen in fremden Zungen Fl\u00fcche entgegen riefen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie sind gleich da\u201c, rief Eilif nach hinten und Faenwulf wusste dass sie keine andere Wahl hatten. \u201eEilif\u201c, rief er und zog sein Ruder ein. \u201eDu bleibst am Steuer und h\u00e4ltst den Drakkar von diesem Rammsporn fern. Der Rest r\u00fcstet sich und nimmt seine Waffen. Ladet den Aal.\u201c Sein Blick blieb an Matatoa h\u00e4ngen, der ihn mit Verzweiflung in den Augen anblickte. \u201eDu gehst nicht zur\u00fcck\u201c, versicherte ihm Faenwulf und dr\u00fcckte ihm eine Orknase in die Hand. \u201eWenn, dann gehst du mit uns zu Swafnir.\u201c Matatoa nahm kurz Faenwulfs Hand und l\u00e4chelte. \u201eSwafnir\u201c, sagte er leise. \u201eDie alte Flosse.\u201c Faenwulf nickte. N\u00e4chtelang hatte er mit Matatoa \u00fcber seinen Vater Swafnir gesprochen und der junge Moha hatte ihm gespannt gelauscht. Karva hatte ihm ein Amulett mit dem Antlitz Swafnirs aus einer wei\u00dfen Muschel geschnitzt und Matatoa hatte es seitdem nicht mehr abgelegt. Sein erstes Hautbild war das der Pottwalrune, gestochen mit wei\u00dfer Farbe, die geheimnisvoll in der dunklen Haut des Moha schimmerte. Sie bedeckte nun einen gro\u00dfen Teil der Narben, die er in der Gefangenschaft der Al&#8217;Anfaner erlitten hatte und sollte ein Symbol daf\u00fcr sein, dass er nun f\u00fcr immer frei war.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=847\" data-type=\"post\" data-id=\"847\">Kapitel 31<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=853\" data-type=\"post\" data-id=\"853\">Kapitel 33<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie kamen langsamer vorw\u00e4rts als geplant. 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