{"id":860,"date":"2020-12-28T07:06:14","date_gmt":"2020-12-28T07:06:14","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=860"},"modified":"2020-12-28T07:08:30","modified_gmt":"2020-12-28T07:08:30","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-35","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=860","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 35"},"content":{"rendered":"\n<p>Noch bevor die meisten der anderen wach waren, schlenderte Faenwulf zum Hafen. Er musste nicht lange suchen, um Runolf Holzauge zu finden. Dieser musterte Faenwulf mit der gewohnten Verachtung, aber auch mit unverhohlener Neugier.<br>\u201eIst es wahr?\u201c begann er. \u201eHast du einen Schatz am Ende der Welt gefunden?\u201c Faenwulf nickte stolz, ging jedoch nicht weiter auf ihre Abenteuer ein. Runolf war ein Sauertopf und Schandmaul und es war sicher, dass er sich schon etliche Male \u00fcber Faenwulf das Maul zerrissen hatte. Faenwulf kehrte nur immer wieder zu ihm zur\u00fcck, da er einer der besten Skipsmider Thorwals war.<br>Die Vegah\u00f6gg war arg mitgenommen und es w\u00fcrde einen ordentlichen Batzen Geld kosten, das alte M\u00e4dchen wieder auf Vordermann zu bringen. Doch Geld hatte Faenwulf nun genug und er sagte Runolf offen, dass er alles notwendige veranlassen sollte. Der Drakkar sollte n\u00e4chstes Jahr wieder aussehen wie neu.<br>Runolf murmelte, dass er Skipsmider war und kein Galdmader, doch ein neues Schiff kam f\u00fcr Faenwulf nicht in Frage.<br>Faenwulf erblickte Wulfgrimm, der mit offensichtlich schmerzendem Sch\u00e4del und einem ordentlichen Katzenjammer, seinen Weg in den Hafen gefunden hatte. \u201eSie ist ein besonders sch\u00f6nes Schiff\u201c, bemerkte Wulfgrimm und betrachtete die Vegah\u00f6gg. Faenwulf stimmte ihm zu. \u201eIch habe sie schon viele Winter und sie hat mich nie im Stich gelassen.\u201c \u201eWo hast du sie her?\u201c, fragte Wulfgrimm, erstaunt dar\u00fcber, dass ein Mann ohne Ottajasko in Besitz eines stolzen Drakkars war. \u201eIch habe sie damals&#8230;\u201c Faenwulfs Erz\u00e4hlung wurde von den lauten Fl\u00fcchen Runolfs unterbrochen. \u201eDu verr\u00e4terischer Hund\u201c, br\u00fcllte er und warf ein Holzscheit nach Wulfgrimm. \u201eIch habe dich versorgt und ausgebildet und wie dankst du mir? Du verschwindest ohne ein Wort und ich stehe mit nur einem Lehrling da!\u201c Wulfgrimm ging hinter Faenwulf in Deckung, der sich freundlich aber hektisch von Runolf abwandte. Er dankte ihm erneut, dass er die Vegah\u00f6gg zu reparieren bereit war und verabschiedete sich dann bis zum n\u00e4chsten Faramond. Die lauten Fl\u00fcche folgten ihnen noch durch etliche Stra\u00dfen.<br><br>So sa\u00dfen sie nun beisammen. Die Sch\u00e4del schmerzten mittlerweile weniger und alle waren bereit f\u00fcr die n\u00e4chsten Schritte.<br>\u201eUnser Ziel ist ein Berg im Norden Waskirs\u201c, begann Faenwulf. \u201eKarva hat dort lange mit ihrem Vater gelebt. Es ist abgelegen, aber sicher und wir bleiben dort auf jeden Fall unter uns. So haben wir die M\u00f6glichkeit ein Ottaskin aufzubauen und ich werde nicht von irgendwelchen gierigen Kopfgeldj\u00e4gern gest\u00f6rt.\u201c Faenwulf verzog das Gesicht und die anderen spuckten w\u00fctend auf den Boden. Faenwulf hoffte, dass er bis n\u00e4chstes Jahr bei den Al&#8217;Anfanern in Vergessenheit geraten war. Er wollte nicht st\u00e4ndig mit einem offenen Auge schlafen, damit ihn niemand im Schlaf erdolchte.<br>\u201eDann ist es entschieden\u201c, dr\u00f6hnte Blotgrimm und erhob sich. \u201eAm besten brechen wir sofort auf. Es ist ein langer Marsch zum Berg.\u201c Einige erhoben sich, doch sie alle blickten Faenwulf an, bis dieser nickte und sich ebenfalls erhob. \u201eGehen wir!\u201c<br>Faenwulf hatte einen Karren und ein Pony besorgt, das diesen zog. Hjasgar hatte vorgeschlagen, dass Blotgrimm und das Pony sich beim Ziehen des Karrens abwechseln konnten, was f\u00fcr einige Lacher gesorgt hatte. Faenwulf fand die Idee gar nicht schlecht.<br>Sie hatten ihre Ruderkisten und einen Gro\u00dfteil der M\u00fcnzen auf den Karren geladen, ihre Sees\u00e4cke und Waffen geschultert.<br>Und so ging ihre Reise weiter. Sie verlie\u00dfen Olport durch ein kleineres Tor und ein letztes Mal blickte Faenwulf zur\u00fcck auf die stolze Stadt Olport und das Meer. Sein Herz schmerzte allerdings nur leicht bei dem Gedanken was alles noch vor ihnen lag.<br><br>Blotgrimm summte eine leise Melodie, w\u00e4hrend Thurbold ihnen stets ein paar Schritt voraus war und neugierig in jedem zweiten Geb\u00fcsch schn\u00fcffelte. Zornbrecht hatte es sich auf Karvas Schultern gem\u00fctlich gemacht und zierte sie wie ein zerzauster Fellkragen.<br>Die meisten waren schnell au\u00dfer Puste. Sie waren nach der langen Zeit ans Rudern gew\u00f6hnt, aber nicht durch bergiges Hochland zu marschieren. Sie waren nicht in Eile und so machten sie mehr Pausen als eigentlich n\u00f6tig waren. Alle waren guter Stimmung und schwatzten gespannt \u00fcber ihre ungewisse Zukunft. Niemand schien jedoch Angst vor ihrer offenen Zukunft zu haben. Zu sehr vertrauten sie Faenwulf und seinem Urteil. Wenn er sagte, dass ein Ottaskin an so einem fernen Ort eine gute Idee war, so musste es so sein. Faenwulf gr\u00fcbelte. Er selbst war nie Mitglied einer Ottajasko gewesen, doch er nahm sich vor, ihnen mehr eigenes Denken zu \u00fcberlassen. Er war nicht mehr ihr Kapit\u00e4n, sondern nun auch nur einer von ihnen. Die Entscheidungen sollten von nun an von allen getroffen werden.<br><br>Sie wanderten, bis die Sonne begann unter zu gehen. Ihr Abendessen w\u00fcrde aus Hangikj\u00f6t, Hangifisk, Brot und \u00c4pfeln bestehen. Bis sie am Berg ankamen, w\u00fcrden solche Mahlzeiten h\u00e4ufiger vorkommen, doch sie waren alle viel zu aufgeregt, als dass sie das st\u00f6ren w\u00fcrde.<br>Sie sa\u00dfen nun um ein kleines Feuer, alle in Decken oder Felle gewickelt und ziemlich zufrieden. Nat\u00fcrlich dachten sie alle noch \u00fcber die Abenteuer nach, die sie zusammen erlebt hatten, doch gemeinsam sprachen sie nicht mehr viel dar\u00fcber. Alles was gesagt werden konnte war gesagt. Ihre Wunden waren verheilt und vernarbt. Einige von ihnen trugen noch immer die Spuren der m\u00e4chtigen Saugn\u00e4pfe des Krakenmolchs, andere sp\u00fcrten bei einem Wetterwechsel ihre gebrochenen und wieder verheilten Knochen. Matatoa blickte begeistert in diesen Teil der Welt, der ihm so fremd war.<br>\u201eDu hast nicht zu Ende erz\u00e4hlt woher du die Vegah\u00f6gg hast\u201c, bemerkte Wulfgrimm, der neben Faenwulf sa\u00df, in eine Decke gewickelt und an einem St\u00fcck Trockenfleisch kauend.<br>\u201eDas ist eine gro\u00dfartige Geschichte\u201c, dr\u00f6hnte Blotgrimm. \u201eLass h\u00f6ren!\u201c Faenwulf schmunzelte, nahm einen Schluck Wasser und begann.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=856\" data-type=\"post\" data-id=\"856\">Kapitel 34<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=865\" data-type=\"post\" data-id=\"865\">Kapitel 36<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch bevor die meisten der anderen wach waren, schlenderte Faenwulf zum Hafen. Er musste nicht lange suchen, um Runolf Holzauge zu finden. 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