{"id":865,"date":"2020-12-28T07:08:21","date_gmt":"2020-12-28T07:08:21","guid":{"rendered":"https:\/\/vargberg.de\/?p=865"},"modified":"2020-12-28T07:09:48","modified_gmt":"2020-12-28T07:09:48","slug":"unser-ist-das-meer-kapitel-36","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vargberg.de\/?p=865","title":{"rendered":"Unser ist das Meer \u2013 Kapitel 36"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Blotgrimm und ich waren als Jungspunde ganz sch\u00f6ne Rumtreiber. Kein Lehrmeister und keine Frau konnte uns halten und so zogen wir von Stadt zu Stadt, um dort von einem Tag zum n\u00e4chsten zu leben. Und das klappte besser als gedacht. Mal pr\u00fcgelten wir uns f\u00fcr Geld, mal misteten wir St\u00e4lle aus und mal trugen wir Kisten und S\u00e4cke von Schiffen in Lagerh\u00e4user. Die Bezahlung war immer mies, doch wir brauchten nicht viel und meistens schliefen wir in Scheunen oder in den Betten der Frauen, die wir in den Tavernen kennenlernten.<br>Wir kamen schlie\u00dflich in ein Dorf namens Vidsand, wo es den Ger\u00fcchten nach hervorragenden Waskirer gab. Wir suchten uns also etwas zu tun, hackten Holz, schleppten Kisten und striegelten Pferde und von dem verdienten Geld g\u00f6nnten wir uns eine Menge Waskirer in der kleinen Taverne des Dorfes. Und sie hatten nicht zu viel versprochen. Der Waskirer war ausgezeichnet, der Mj\u00f6t vom Honig fast cremig und die Frauen sch\u00f6n. Eine hatte es mir besonders angetan. Sie hatte Haar wie Gold und unz\u00e4hlige Sommersprossen. Ich denke sie hatte kein zwanzig Winter gesehen, aber ich hatte auch nicht mehr auf dem Buckel. Ich spendierte ihr ein paar Ahl und auch den einen und anderen Waskirer und was soll ich sagen? Wir landeten im Heu und hatten eine Menge Spa\u00df.<br>Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass ich vom Br\u00fcllen ihres w\u00fctenden Vaters geweckt wurde. Dr\u00f6hnend kam er in die Scheune marschiert und verfluchte mich bis in die Tiefe und zur\u00fcck. Seine Tochter w\u00fcrde sich nicht mit Rumtreibern abgeben, wof\u00fcr es schon ein bisschen zu sp\u00e4t war w\u00fcrde ich sagen, und er drohte mich so zu verpr\u00fcgeln, dass mich meine eigene Mutter nicht mehr wieder erkennen w\u00fcrde. Ich war ziemlich eingesch\u00fcchtert, schnappte meine Hose und Stiefel und t\u00fcrmte durch ein Fenster, w\u00e4hrend der w\u00fctende Kerl noch die Leiter zum Heuschober hoch stieg.<br>Blotgrimm w\u00e4re vor lachen fast erstickt und ich nahm es auch mit Humor. Ich hatte schlie\u00dflich nichts ab bekommen und die Nacht mit der sch\u00f6nen Tochter w\u00fcrde mir noch lange im Ged\u00e4chtnis bleiben.<br>So schlenderten wir zum Strand, um den Fischern bei der Arbeit zuzusehen und dort sahen wir die sch\u00f6nsten Drakkar, die wir je gesehen hatten. Denn obwohl Vidsand ein kleines Dorf war, war die Ottajasko, die hier lebte, dank ihres ehrgeizigen Hetmanns, ziemlich reich. Und deswegen hatte diese Ottajasko nicht nur einen Drakkar, sondern zwei. Gerade als wir uns den beiden Drachenschiffen n\u00e4herten, packte mich jemand bei der Schulter und schlug mir so hart ins Gesicht, dass ich Sterne sah. Blotgrimm, der schon damals von der Statur her eher einem Bullen, als einem Mann glich, konnte sich gerade noch zur\u00fcck halten. Nat\u00fcrlich war es der Vater des M\u00e4dchens mit dem ich die Nacht verbracht hatte, und vielleicht hatte ich die Pr\u00fcgel auch ein bisschen verdient, doch nun sollte auch gut sein. Dachte ich zumindest. Ihr Vater war da anderer Meinung. Wie ich nun aber herausfand, war er der Hetmann der in Vidsand lebenden Ottajasko. Ich begl\u00fcckw\u00fcnschte ihn zu den sch\u00f6nen Schiffen und er blickte mich ver\u00e4chtlich an. Ob ich schon mal gesegelt war, fragte er, was ich bejahte. Der Hetmann verzog das Gesicht und musterte mich. Ob ich es genossen hatte, fragte er dann, worauf ich antwortete, dass die Sehnsucht nach dem Meer in jedem Thorwaler schlummerte. Wir waren geboren um aufs Meer zu fahren.<br>Der Hetmann nickte nur und blickte mich verschlagen an. Man sah ihm an, dass er mich am liebsten zu Brei geschlagen h\u00e4tte und es w\u00e4re ihm sicher gelungen. Ich war jung und wesentlich schm\u00e4chtiger als heute. Doch mich zu verpr\u00fcgeln reichte ihm anscheinend nicht.<br>Er deutete auf die beiden Schiffe. \u201eEins soll dir geh\u00f6ren\u201c, knurrte er. \u201eWenn du mich in einem Wettsegeln besiegst. Siehst du den gro\u00dfen Felsen in der Ferne? Wir starten hier, umsegeln den Felsen einmal und kehren wieder in den Hafen zur\u00fcck.\u201c Das klang leicht, dachte ich und betrachtete den Felsen, der aus dem Wasser ragte. \u201eWas ist mein Einsatz?\u201c, fragte ich ihn dann. Irgendwas stimmte hier nicht. Ich hatte nichts von Wert bei mir. \u201eDas ist einfach\u201c, grinste der Hetmann. \u201eWenn du verlierst, schw\u00f6rst du, dass du nie wieder einen Fu\u00df auf ein Schiff setzen wirst. Du wirst f\u00fcr immer an Land bleiben, bis du dein armseliges Leben aushauchst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=860\" data-type=\"post\" data-id=\"860\">Kapitel 35<\/a> | <a href=\"https:\/\/vargberg.de\/?p=869\" data-type=\"post\" data-id=\"869\">Kapitel 37<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Blotgrimm und ich waren als Jungspunde ganz sch\u00f6ne Rumtreiber. 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